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Ausgabe 51-3/1992

DAS KLEINE GESPENST

DAS KLEINE GESPENST

Produktion: Linda-Film / ZDF, Bundesrepublik Deutschland 1992 – Regie: Curt Linda – Buch: Curt Linda, nach dem Kinderbuch von Otfried Preußler – Kamera: Marilena Voicu – Chefzeichnerin: Susanne Bauermann – Musik: Kambiz Giahi – Stimmen: Elfriede Kuzmany (das kleine Gespenst), Gustl Weishappel (Uhu), Klaus Havenstein (Reporter) u. a. – Laufzeit: 86 Min. – Farbe – Altersempfehlung: ab 6 J.

Der Regisseur Curt Linda hat sich an eine diffizile Verfilmung gewagt: "Das kleine Gespenst" von dem berühmten und ebenso wunderbaren Autor Otfried Preußler. Mit Literaturverfilmungen ist das bekannterweise immer eine komplizierte Sache: Entweder man adaptiert sie wort- und stimmungsgetreu oder man nimmt die Vorlage als leise Anregung für neue, eigene Phantasien. Curt Linda hat "Das kleine Gespenst" als Animationsfilm auf die Leinwand gebracht – was sich bei diesem Sujet anbot. Und der Regisseur hat sich der ersten Variante bedient. Der Film hält sich exakt an das Buch, verfälscht nichts und greift die witzigen Details, die Preußler vorgab, wieder auf.

Das kleine weiße Nachtgespenst wacht wegen eines Turmuhr-Defekts bei Tage auf und verwandelt sich durch das Sonnenlicht in ein schwarzes Tagesgespenst. Diese Tatsache befähigt es, in der Kleinstadt ziemlichen Unfug zu treiben und die Bewohner in Unruhe zu versetzen. Sein größter Coup ist schließlich die Verwüstung der Festspiele: Es ist der 350-Jahr-Feiertag der Befreiung von den Schweden. Das Gespenst, das damals als unbekannter Retter die Schweden verscheucht hatte, glaubt an einen erneuten Angriff und attackiert die groß angelegte Parade. Als es seinen Irrtum erkennt, sehnt es sich zurück nach seiner Rolle als Nachtgespenst. Mit der Hilfe von drei Kindern gelingt ihm schließlich das Kunststück. Der Film erzählt die Geschichte sehr schnell und in sich geschlossen und verzichtet auf Phasen langatmigen Schilderns.

Die Figur des kleinen Gespenstes ist eine neue, eigenständige Comic-Gestalt, die für ein sehr junges Kinopublikum vielfältige Reize bietet. Da sind die ständig wechselnden, weichen Konturen – von der kaulquappenähnlichen Form bis zum aufgeblasenen Geist. Die Bewegungen wirken elegant, ob es fliegt, sich räkelt oder plötzlich zum Dämon wandelt. Für Kinder birgt dieser witzige, illustre Charakter ein anregendes Sehvergnügen. Eine der ersten Szenen fasziniert besonders, als das Gespenst in seinem Schloss die alten Ritterrüstungen zu einem wilden Konzert animiert. Musik spielt während des ganzen Films eine wichtige Rolle. Sie ist zu jeder Stimmung passend arrangiert und unterstützt den schnellen, turbulenten Lauf der Ereignisse.

Leider gibt sich der Zeichenstil nicht durchgehend so geschmeidig. Die Menschen, die vom Strich her eher kantig und nicht ausgefeilt erscheinen, sind in ihren Bewegungen abgehackt. Schwache Figuren, mit denen man sich nicht identifizieren kann, zumal ihnen auch eine aufgesetzte und unnatürliche Sprechweise übergestülpt wurden. Dieser Qualitätsabfall versetzt dem Film einen empfindlichen Schlag und lässt ihn zeitweise wie einen konventionellen, wenig einfallsreichen Comic-Strip wirken.

Der Regisseur war mutig, doch womöglich hat er sich zuviel zugetraut. Wer mit dem hinreißenden Buch aufgewachsen ist, wird vom Film enttäuscht sein. Curt Linda war zwar bemüht, denselben Zauber einzufangen, was ihm aber leider nicht vollständig gelungen ist. Vielleicht hätte es dem Film nicht geschadet, wenn er sich nicht so strikt an die Vorlage gehalten hätte, sondern sich durch neue, anreichernde Ideen der Magie des Buches genähert hätte.

Katja Nele Bode

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 51-3/1992 - Interview - "Ich betrachte das Schreiben von Geschichten für Kinder nicht als literarische Tätigkeit zweiten oder fünften Ranges"
KJK 49-3/1992 - Interview - 30 Jahre kreatives Filmschaffen

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DAS KLEINE GESPENST im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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