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Ausgabe 52-4/1992

DIE KLEINEN KANAILLEN

LES PETITS CANAILLES

Produktion: Cinemagroup / San Francisco Film, Italien 1992 – Regie und Buch: Ruggero Deodato – Kamera: Roberto Forges Davanzati – Schnitt: Gianfranco Amicucci – Musik: Mario Raja – Darsteller: Christopher Masterson, Carolina Brea, Elisabeth Kemp; die Kinder: Dolly Carrol, Aleksi Hecht, Yves Aripe, Giovanni Rodriguez u. a. – Länge: 87 Min. – Farbe – Altersempfehlung: ab 8 J.

Schon beim Lesen des Filmtitels fallen einem spontan "Die kleinen Strolche" ein und man ist dabei auch nicht allzu weit entfernt von der ähnelnden Konzeption dieses berühmten Klassikers. Denn bei den "kleinen Kanaillen" handelt es sich gleichfalls um eine bunt zusammengewürfelte Clique elternloser Straßenkinder, deren Heimat Caracas, die Hauptstadt des südamerikanischen Landes Venezuela, ist. Vor dieser Kulisse spielt sich die aktionsgeladene Geschichte um einen rätselhaften Diamantenfund und seine fatalen Folgen ab. Die Geschwister David und Pearl aus den USA sind mit ihrer Mutter in den Urlaub nach Venezuela gefahren. Am Tag ihrer Abreise bekommt die kleine Pearl am Flughafen von einem Straßenverkäufer eine selbst gemachte Puppe geschenkt, die es buchstäblich in sich hat: Der pedantisch kontrollierende Zoll entdeckt in ihrem Inneren einen üppigen Diamantenschatz. Sofort wird die Mutter der Kinder verhaftet und wandert vorübergehend ins Gefängnis. Pearl und Danny aber sollen bis zur Gerichtsverhandlung in die Obhut der amerikanischen Botschaft. Doch das passt dem unternehmungslustigen Danny überhaupt nicht. Mit einem Trick entwischt er seiner Aufsicht und taucht im Großstadtgetümmel unter. Hier gerät er eher zufällig an eine Bande verwegener Mädchen und Jungen im Alter zwischen 8 und 14. Nach anfänglichen Animositäten kommt es zu gegenseitigen Sympathiebekundungen. Man beschließt, Danny bei der Suche nach dem wahren Diamantenschmuggler zu helfen.

Und damit beginnt dann auch der eigentlich Rhythmus des Films, der sofort eine positive Eigendynamik entwickelt, die sich schnell auf den Zuschauer überträgt. Wie "Emil und die Detektive" gehen Danny und seine Freunde schrittweise vor und beginnen dort, wo der ganze Schlamassel begann – am Flughafen. Damit bringen sie unweigerlich eine Lawine ins Rollen, deren Opfer nicht die Kinder werden, sondern die der Gerechtigkeit wegen zu überführenden Erwachsenen.

"Die kleinen Kanaillen" sind in ihrer darstellerischen Leistung derart überzeugend, dass man zeitweise den Eindruck gewinnt, hier wird etwas Dokumentarisches erzählt. Ohne Scheu, völlig unbefangen und natürlich agieren die Kinder vor der Kamera. Auch als die Schurken auf der Bildfläche erscheinen und ins Rampenlicht treten, kommt es nie zu wirklich gewalttätigen Szenen. Das ist wohltuend und passt sich der Leichtigkeit, mit der dieser Film inszeniert wurde, völlig an. Wenn schließlich die südamerikanischen, pulsierenden Songs die Kinder bei ihrer Spurensuche begleiten, dann gerät dieser italienische Kinderfilm mit seiner so untypischen internationalen Besetzung derart in Schwung, dass man am Schluss das Gefühl hat, gerade aus dem Flugzeug gestiegen zu sein.

Der Film wird bei den 8. Berliner Kinderkinotagen (14.-22.11.92) präsentiert.

Boris Erdtmann

 

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