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Ausgabe 81-1/2000

KÄPT'N BLAUBÄR

Produktion: Senator Film / ARD / Degeto; Deutschland 1999 – Ausführender Produzent: Michael Schaack – Regie: Hayo Freitag – Buch und Figuren: Walter Moers – Kamera: Graham Tiernan – Animation: Peter Bohl – Art Direction: Gyula Szabo, Christoph Baum – Musik: Wolfgang von Henko, Fred Timm, Joachim Schlüter – Stimmen: Wolfgang Völz (Käpt'n Blaubär), Edgar Hoppe (Hein Blöd), Helge Schneider (Feinfinger und sein Zepter), Sabine Bohlmann, Felix Beyerbach, Kurt Stukenberg (Bärchen) – Länge: 80 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: Senator (35mm) – Altersempfehlung: ab 6 J.

Käpt'n Blaubär befindet sich in einer prekären Situation: Feinfinger, der verrückte Professor mit Welteroberungsfantasien, will den blauen Seebären samt seinem getreuen Gefährten Hein Blöd vernichten. Höhnisch lachend sieht er zu, wie die beiden ins Piranha-Becken sinken. Stopp! Drei kleine Bärchen in den Farben rosa, gelb und grün fühlen sich in ihren Sesseln nach dieser neuen TV-Folge ihrem Großvater, der sein Seemannsgarn offenbar erfolgreich ans Fernsehen verkauft hat, mal wieder sehr überlegen. Glauben tun sie ihm sowieso nicht alles, obwohl sie immer wieder mehr davon hören und sehen wollen. Doch bald beginnt das große Abenteuer, von dem sie selbst sagen werden: Das glaubt uns kein Mensch. Es beginnt mit einem Albtraum, der sich am Morgen fortsetzt. Die Bärchen sind verschwunden – das kann nur Feinfingers Werk sein, denn der hat auch nach Jahrzehnten nicht vergessen, dass ihn Käpt'n Blaubär einst lächerlich gemacht hat. Währenddessen schwimmt der auf einem Felsen gestrandete Kutter mit Blaubär und seinem Leichtmatrosen und Schiffskoch Hein Blöd mitten im kapitalistischen Ozean. Bald wird es ausspioniert und angegriffen – von Krokodilpiraten und Immobilienhaien. Blitz und Donner, Sturm und Springflut, aber auch tödliche Flaute unter sengender Sonne fordern das ganze vergessene Können des alt gewordenen Käpt'n und seines Gehilfen heraus. Die Bärchen erleben auch Schreckliches bei Feinfinger. Der Herrscher von Schloss Grauenfels, einst Absolvent der wissenschaftlichen Schurkenschule, findet es besonders perfide, die drei Blaubär-Enkel umzuformen. Das tut er auf wahrlich raffinierte Weise. Seine Gedanken schickt er mittels teuflischem Orgelklang in die Hirne der drei, die zwar vor Angst zittern können, doch clever genug sind, Feinfinger auszutricksen. Hatten sie vorher gern über das Altwerden ihres Opas gelästert, so wissen sie jetzt, dass sie nur einer aus den Fängen des Professor Feinfinger retten kann. Und so steht der alte Käpt'n Blaubär am Schluss als Held da.

"Käpt'n Blaubär – Der Film" ist der vorläufige Höhepunkt dieser populären Figur, die der Cartoonist und Autor Walter Moers 1988 erfand, die im "Sandmännchen" des Hessischen Rundfunks einem großen Publikum bekannt wurde, in der "Sendung mit der Maus" und im "Blaubär-Club" richtig Karriere machte. Während sich Moers anderen Projekten (u. a. "Kleines Arschloch") zuwandte, entwickelten sich seine Figuren um Blaubär weiter, zur Freude der Kinder. Ein WDR-Team produzierte über 100 kurze Episoden im ursprünglichen Sinne des Erfinders. In dem Buch "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" (Eichborn 1999) ließ der Autor den Helden erwachsen werden wie auch im Film. Der Seebär ist herangereift zu einer Figur mit vielen Facetten. Dennoch: Die Weisheit des Alters hindert ihn nicht, sich noch einmal ins Getümmel zu stürzen, alle Register seines Könnens und auch die seines Nicht-Könnens zu ziehen. Die drei Enkel stehen auf der Höhe der Zeit – jung, kess und noch keine Ahnung vom Leben, aber verbal jede Menge drauf. Das bekommt ihr eigentlich von Herzen geliebter Opa immer wieder zu spüren. Witzig zum Beispiel die Szene, in der die drei Bärchen auf altkluge Weise über die Befindlichkeit des Großvaters psychologisieren, um es dann auf den Punkt zu bringen: Opa hat Schwierigkeiten mit dem Älterwerden. Jede Figur hat starke und schwache Seiten. Auch Professor Feinfinger, der seine Feinde für sein Ego braucht und schluchzt, als die sich von ihm abwenden.

Es gibt eine Fülle von Details zu entdecken: Zitate aus der Filmgeschichte ebenso wie anspielungsreiche Dialoge und Dekors. Wenn auch Käpt'n Blaubär und die anderen fünf Akteure Meister des Wortes sind und dementsprechend den Dialogen großes Gewicht zukommt, haben es die Zeichner und Animateure verstanden, die Geschichte künstlerisch zu visualisieren, den Figuren Leben und Seele zu geben. Für kleine Kinder mag es zuweilen nicht einfach sein, die Ebenen von Wahrheit und Lüge, Albtraum und Wirklichkeit zu unterscheiden, aber das tut dem Vergnügen am Film keinen Abbruch. Die Grenzen sind fließend, logisch geht es bei Käpt'n Blaubär sowieso nicht zu und auch die Perspektiven stimmen nicht – und das alles mit Absicht. Ein Animationsfilm voller Ironie, der Erwachsenen wie Kindern großen Spaß macht.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 81-1/2000 - Interview - "Man muss wie ein Flohzirkusdirektor aufpassen, dass alles funktioniert"

 

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