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Ausgabe 81-1/2000

PROPAGANDA

Produktion: Plato Film; Türkei 1999 – Regie und Buch: Sinan Cetin – Kamera: Rebekka Haas – Schnitt: Aylin Tinel – Musik: Sezen Aksu – Darsteller: Kemal Sunal, Metin Akpinar, Meltem Cumbul, Rafet el Roman u. a. – Länge: 110 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Warner – Altersempfehlung: ab 10 J.

Der Titel mag nur wenig zutreffen, denn diesen Film kann man eher als eine poetisch anmutende Persiflage über politische Grenzen und ihre zerstörerischen Auswirkungen ansehen. Seine Geschichte beruht auf einer wahren Begebenheit.

1948 wird in Hislihisar die erste Grenze zwischen der Türkei und Syrien errichtet. Der türkische Grenzbeamte Mehti weiht am beschrankten Übergang eine Zollstation ein und trennt damit auch die Bewohner eines Teils seines kleinen Heimatortes ab. Darunter ist sein bester Freund und Mitkämpfer aus dem Unabhängigkeitskrieg, der – nichtstudierte – Arzt Rahim, dessen Tochter Filiz von Mehtis Sohn Adem ein Kind erwartet. Mehti und Rahim sind die beiden gegensätzlichen Protagonisten dieses Films – ein wenig an Don Camillo und Peppone erinnernd – die sich zu entfremden drohen angesichts von Stacheldraht und Passzwang. Sklavisch gehorchende Soldaten folgen Schießbefehlen auf Leute, die noch Nachbarn sind, das Liebespaar wird zwischen den Grenzen zermürbt und auch Mehtis Frau droht ihn zu verlassen. Höhepunkt ist der Schießbefehl des Vaters auf seinen Sohn, um ihn verwundet am Grenzübertritt zu hindern. Der einzige "Legale", der einen Pass besitzt und die Grenze überschreiten darf, ist bezeichnenderweise der Gauner des Ortes. Rahim gelingt es schließlich, seinen alten Kriegskameraden Mehti, der nun seine Uniform auszieht und in Unterwäsche, aber mit angestecktem Orden vor ihm steht, zu überreden. Und die Soldaten weigern sich zu schießen, als der LKW Rahims die Schranke durchbricht.

Es ist die stilistische Eigenart dieses Films, die Geschehnisse wie in einem Kammerspiel auf wenige Personen zu konzentrieren und Handlungen wie Dialoge ironisch zu überhöhen. Gerade dadurch werden essenzielle Erkenntnisse über den Unsinn bürokratischer Vorschriften und staatsautoritären Handelns rasch vermittelt. Der politische Stoff dieser Parabel dürfte sich jüngeren Kindern nur indirekt erschließen. Was sie jedoch mit Gewinn entnehmen können, sind urmenschliche Verhaltensweisen angesichts eines kaum verständlichen Zwangs, der von einer fremden Autorität – dem Staat – ausgeht. Alle Personen dieses Films geraten vor allem über ihre von der intensiven Kameraführung zur Wirkung gebrachten Gesichter in eine Nähe, die Anteilnahme weckt. Obwohl auf den ersten Blick von einer seltsamen Vordergründigkeit, gewinnt der Film zusehends an Differenzierung, macht Mentalität deutlich und setzt dort Humor und Witz ein, wo sich Bürokratie und blinder Gehorsam selbst decouvrieren. Einige wenige gewalthaltige Szenen lösen sich im Zuge der auf nur einen Schauplatz beschränkten Handlung rasch auf: Entscheidend bleiben bei diesem Film sein im Grunde positiver Stimmungsgehalt und die Einsicht in vorrangige menschliche Werte.

Wolfgang Brudny

 

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