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Ausgabe 81-1/2000

"Man muss wie ein Flohzirkusdirektor aufpassen, dass alles funktioniert"

Gespräch mit Hayo Freitag, Regisseur des Films "Käpt'n Blaubär"

(Interview zum Film KÄPT'N BLAUBÄR)

KJK: Käpt'n Blaubär, ein witziger Film, der Erwachsene amüsiert und trotzdem kindgerecht ist, weil er sich auf wenige Figuren konzentriert ...
Hayo Freitag: "... das war auch unser großes Interesse. Ich bin zwar überzeugt, dass viele Anspielungen von Kindern nicht verstanden werden. Ich habe damals bei meinem Lieblingsbuch 'Alice im Wunderland' auch nicht alles verstanden. Gute Bücher verändern sich mit dem Lesen und funktionieren sowohl als Kinder- wie auch als Erwachsenenbücher. Beim Film ist es genauso."

Wer hat die Entscheidung für den Kinofilm getroffen?
"Michael Schaack, ausführender Produzent, hat eine goldene Nase für Stoffe."

Und wie sind Sie dazu gekommen?
"Weil der Produzent das wollte. Ich wurde gefragt und habe mich sehr darüber gefreut, weil ich ein Fan von Walter Moers bin. Hinzu kommt, dass Walter Moers seine Figuren emanzipieren, erwachsener machen wollte. Das war auch mein Bestreben."

Im Film ist der Blaubär in die Jahre gekommen, will es aber noch mal wissen, seinen Enkelkindern zeigen. Das ist ja auch Mut machend.
"Ich glaube, dass jeder von uns tausend Lebensabschnitte hinter sich hat, wo es Mut gebraucht hat – insofern ist der Film auch eine schöne Parabel."

Die aktuellen gesellschaftlichen Bezüge ironisch auf den Punkt gebracht – lag das schon vor?
"Das Drehbuch war so lang, dass wir einen Vier-Stunden-Film hätten machen können. Mein erster Schritt war, hier radikal zu kürzen. Walter Moers war zunächst höchst erbost, dass ich solche Eingriffe wagte, dann hat er aber gemerkt, dass die Kürzungen die Geschichte straffen, dass nichts an Reiz verloren geht. Er hat das Drehbuch dann noch einmal überarbeitet und sich auch an den zeitlichen Rahmen – normale Kinofilmlänge – gehalten. Mit dieser Arbeit habe ich nicht nur mich, sondern auch ihn ins kalte Wasser geworfen."

Moers und Freitag – zwei Gegenspieler wie Blaubär und Feinfinger? Wer waren Sie?
"Wie gern wäre ich Käpt'n Blaubär, aber ich fürchte, dass ich zumindest in diesem Film zu Feinfinger geworden bin."

Wie ging es nach der Fertigstellung des Drehbuchs weiter?
"Als Erstes sprach ich die Dialoge mit der Stoppuhr in der Hand, Wort für Wort. Dabei überkommt es einen wie eine Vision. Ich hatte diesen Film im Kopf."

Heißt das, die Sprache stand am Anfang?
"Ja, es ging los mit Sprachaufnahmen im Tonstudio. Deshalb ist dieser Film auch so wunderbar synchron. Die Sprachaufnahmen werden richtig sorgfältig aufgeteilt, in Vokale und Konsonanten zerlegt, so dass die Zeichner wissen, in welchem der 24 Bilder pro Sekunde der einzelne Laut herauskommen muss. Bei Disney wurde das von Anfang an so gemacht, und auch ich bin ein Zeichentrickmonomane, so muss man das machen. Das Storyboard ist die szenische Aufteilung des Ganzen. Ich gebe meine Ideen und Vorstellungen weiter, lasse was Tolles drum herum entwerfen und bauen, spiele den Animatoren sogar vor, wie die Figuren sich bewegen sollen. Mein Enthusiasmus hat sich auf die gesamte Crew ausgebreitet."

Die Schwarz-Weiß-Sequenzen, ein Rückblick auf die Kindheit der beiden Kontrahenten Blaubär und Feinfinger, sind von überzeugender Einfachheit und eine sehr schöne Reminiszenz an die frühen Trickfilme.
"Die stammen von Börge Ring, einem Freund von mir, der für einen seiner Zeichentrickfilme einen Oscar bekam. Er ist heute 72 Jahre alt und hat sich sehr gefreut. Für mich ist das eine Referenz an den Dinosaurier des Zeichentrickfilms eins zu eins auf die Leinwand gebracht. Ich finde, er hat das toll gemacht."

Wo und wie entstanden die Animationen?
"Der Art-Director ist mit den Mappen nach Hamburg gereist, seine Crew malte in Köln, ein ständiges Hin und Her. Auf vielen Ebenen passieren tausend Sachen. Man muss wie ein Flohzirkusdirektor aufpassen, dass alles funktioniert. Animiert wurde in Taipeh/Taiwan, das Elend des Erdbebens dort kam zum Schluss erschwerend hinzu."

Gab es Einschränkungen?
"Nein. Die ganze Crew, die ich bekommen habe, stand auf meinem Wunschzettel. Michael Schaack erfüllte alle meine Wünsche, es war wie Weihnachten. Ich mache ja schon länger Filme fürs Fernsehen, Kurzfilme. 'Käpt'n Blaubär' ist mein erster abendfüllender Film. Ich hatte mich vorher nicht getraut, weil man die Vision des Scheiterns hat, wenn man nicht die Leute bekommt, die man will. Ich habe die Leute bekommen, die ich haben wollte. Es war kein Gefühl des Sich-einschränken-Müssens. Ich hatte die Mittel, meine Visionen umzusetzen – wie im Schlaraffenland."

Wie viel hat der Film letztendlich gekostet?
"Ich habe so viele verschiedene Versionen gehört, dass ich ehrlich sagen kann, ich weiß es nicht."

Mit Hayo Freitag sprachen Christel Strobel und Gudrun Lukasz-Aden

Kurzbiografie:

Hayo Freitag, 1950 in Wilhelmshaven geboren, studierte zunächst Literatur und entdeckte seine Leidenschaft für Parodie, Illustration und Animation. Sein erster Super 8-Film ist für ihn ein "rauschhaftes Erlebnis", das in den animierten Kurzfilm "Mein Bruder" (1985) mündet, ausgezeichnet in Zagreb und mit dem Deutschen Kurzfilmpreis geehrt. Danach Autor, Animator, Designer und Regisseur zahlreicher Werbefilme, Trailer und Kurzfilme für Kino und Fernsehen. Mitarbeit beim Film "Werner – beinhart" als Charakterdesigner und Animator. "Käpt'n Blaubär" ist sein Debüt als Regisseur eines abendfüllenden Animationsfilms.

 

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