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Ausgabe 57-1/1994

Die Verwertungskette vorher planen

Gespräch mit der Filmproduzentin Marcia Falkenberg zum Film "Mein Name ist Viktor" ("Je m'appelle Victor")

(Interview zum Film MEIN NAME IST VICTOR)

Im Wettbewerb des 19. Internationalen Filmfestivals in Frankfurt/Main fiel der Film "Mein Name ist Viktor" (R.: Guy Jacques, B.: Guy Jacques und Emmanuel List, D.: Jeanne Moreau u. a.;) durch die sorgfältige Produktion, ein ausgefeiltes Drehbuch und die anspruchsvolle Erzählweise auf. Die französisch-belgisch-deutsche Koproduktion wurde von etlichen nationalen wie internationalen Einrichtungen gefördert. Über die Erfahrungen bei dieser europäischen Kooperation sprach KJK-Mitarbeiter Reinhard Kleber mit der deutschen Koproduzentin Marcia Falkenberg von der Kölner Firma Fidibus Film. Das Gespräch fand Ende September 1993 in Köln statt.

KJK: Wie sind Sie mit dem Projekt "Viktor" in Berührung gekommen?
Marcia Falkenberg: "Ich war Koproduzentin bei 'Toto, der Held'. Mein Geschäftspartner war eine belgische Firma, die bei diesem Film die Federführung hatte. An der Produktion war auch der französische Produzent Dussart beteiligt. Er ist zu uns gekommen mit seinem neuen Stoff von Guy Jacques, der ihm als erste Drehbuchfassung angeboten worden war. Wir haben den Regisseur und seinen Co-Autor Emmanuel List im Rahmen eines Drehbuch-Workshops mit Frank Daniel zusammengebracht. Die bearbeiteten dann das Buch zweimal. Es war sehr schön zu beobachten, wie sich die Geschichte dabei entwickelt hat."

Gab es eine literarische Vorlage?
"Nein, es ist ein Originaldrehbuch. Guy hat bis zu "Viktor" Kurzfilme realisiert – mit großem Erfolg und vielen Preisen. Der renommierteste heißt "Uhloz", eine Kurzgeschichte mit Kindern als Hauptdarsteller. Da würde ich eher sagen, das ist auch ein Kinderstoff. Es geht um ein Kind, das sich an seinem Vater rächt und das phantasiert, wie Spielzeugraketen durch die Wohnung fliegen und alles kleinschlagen."

Wie haben Sie den Film "Mein Name ist Viktor" finanziert?
"Wir haben viel Glück gehabt mit der Filmstiftung Nordrhein-Westfalen und dem WDR. Die waren mit den frühen Kurzfilmen von Guy und dem Drehbuch zufrieden und haben mitfinanziert. Die Finanzierung war übrigens in allen beteiligten Ländern relativ leicht. Das ist ungewöhnlich. Eurimages hat sofort zugesagt, die belgische Kulturbehörde, das belgische Fernsehen, RTL-TVI. Es gab jede Menge französische Quellen wie Antenne 2 und Canal Plus."

Wie hoch war der deutsche Anteil?
"Deutschland ist mit 20 Prozent vertreten bei einem Budget von etwa sechs Millionen Mark. Das ist nicht wenig für einen Erstlingsfilm und liegt über dem deutschen Durchschnitt eines Filmbudgets."

Hat "Viktor" schon Vertriebsförderung bekommen?
"Der Film ist gerade erst in Frankreich gestartet. Wir verhandeln mit einem deutschen Verleiher. Die deutsche Fassung ist vor kurzem fertig geworden. In diesem Zusammenhang möchte ich sagen, dass ich es für unsere Zukunft als besonders wichtig ansehe, die Verwertungskette vorher zu planen und möglichst zu schauen, dass Verleiher und Weltvertrieb an der Finanzierung mitbeteiligt sind, damit man etwas klarer sieht, wie man den Zugang zu den erforderlichen Leinwänden schafft, wie man das Publikum annonciert, wie man die Werbe- und Pressekampagne angeht."

Welche Rolle können denn Festivals in diesem Prozess spielen?
"Es ist phantastisch, dass es auch Festivals gibt, wo das hinterher passieren kann. Aber da sind die Chancen, einen Zugang zu den Leinwänden zu schaffen, einfach sehr viel niedriger."

Wie konnte Jeanne Moreau für diesen Debütfilm gewonnen werden?
"Das lief über einen Kontakt zwischen Guy Jacques und Jeanne Moreau. Sie hat das Drehbuch gelesen und ihm geschrieben: Bitte sag mir Bescheid, wenn du drehen willst. Das möchte ich gern machen."

Für welches Publikum ist "Viktor" gedacht?
"'Viktor' war als art & essai-Film gedacht. Mit einer spannenden Erzählstruktur, aber mit sehr vielen Experimenten und Einfällen, wie man etwas erzählt."

Will sich Ihre Firma auf den Bereich Kinder- und Jugendfilm spezialisieren?
"Ich glaube, dass 'Toto' und 'Viktor' nicht primär für den Jugendmarkt sind. Es ist wunderbar, wenn ältere Jugendliche das mitkriegen, aber die sind mit einem Fuß schon in der Erwachsenenwelt. Ich war übrigens auch erstaunt, dass wir vom Kinderfilmfestival in Frankfurt überhaupt angerufen worden sind."

Würden Sie eine solche europäische Koproduktion wieder machen?
"Ja, natürlich. Es ist auch das zweite Mal, dass ich mit diesem Kreis von Leuten zu tun habe. Die Franzosen und Belgier haben schon zum dritten Mal zusammen produziert; mit einem Luxemburger Unternehmen haben sie 'Abracadabra' gemacht."

Sehen Sie in europäischen Koproduktionen eine Möglichkeit, Hollywood etwas entgegen zu setzen?
"Was den Zugang zu Produktionsgeldern angeht, vor allem in Deutschland, so ging es seit langem noch nie so gut. Hier sind 200 Millionen Mark Fördergelder im Jahr verfügbar. Wir machen manchmal gute Filme damit. Nur: Was wir nicht geschafft haben, aber die Amerikaner immer schaffen, ist die Marketingphase, die ganz früh anfangen muss. Wir vergessen nie das geringste Stabmitglied, den geringsten Meter Filmmaterial, aber wir vergessen radikal diese Etappe und verlassen uns allzu häufig – und ich sage: mea culpa – auf die Festivals."

Welche Konsequenzen ziehen Sie daraus?
"Unsere nächste Koproduktion ist die 'Bobbsey-Twins'-Geschichte mit 'New York Production Partners'. Ich freue mich, mit diesem amerikanischen Independent arbeiten zu können. Wichtig ist die Vorarbeit, so dass ein Weltvertrieb sieht: Dieses Material lohnt sich, um auf das Risiko Garantien zu bringen. Weil wir wissen: Dieses Buch ist nicht nur schön, sondern wir verstehen auch, an welches Publikum es sich richtet."

Worum geht es bei 'Bobbsey Twins'?
"Es ist eine Bücherserie aus Amerika, die 1904 begann, und seitdem wurden 50 Millionen Exemplare der verschiedenen Ausgaben verkauft. Es geht um zwei Zwillingspaare: zwei Siebenjährige und zwei Zwölfjährige. Sie sind oft mit Problemen konfrontiert, die sie lösen müssen, bei denen die Erwachsenen aber nicht helfen können. Die Kinder müssen dann über ihren Schatten springen und mit ihren Ängsten fertig werden, um das wichtigere Problem zu lösen."

Ist die Verfilmung für das Kino oder das Fernsehen bestimmt?
"Zunächst geht es um den Zugang der Rechte zu diesem Stoff und den Charakteren. New York Production Partners hat sich die umfassenden Rechte beschafft, für Kino, Fernsehen, Pay TV, Video und Merchandising, um möglichst auch diesen Charakter weiterzuentwickeln, ob es einen zweiten Film betrifft oder eine Fernsehserie zum Beispiel. Der erste 'Bobbsey-Twins'-Film ist fürs Kino. Da werden die Twins auf einen großen Immobilienskandal in ihrer Stadt aufmerksam. Die Kinder wollen sie irgendwie retten. Weil die Stadt ein Darlehen nicht rechtzeitig zurückzahlen kann, muss jemand gefunden werden, der bis Weihnachten zwei Millionen Dollar geben kann. Die siebenjährige Flossie schreibt nun einfach an ihren Lieblings-Popstar, damit er zu einem Benefiz-Konzert kommt ... Es gibt auch schon Verhandlungen mit Popstars, die diese Rolle spielen könnten."

Warum wurde ein so erfolgreicher Stoff eigentlich noch nicht verfilmt?"
"Die Copyright-Inhaber in den USA sind sich seit längerem bewusst, dass solche Rechte sehr viel wert sind, aber nur, wenn das richtige Konzept dafür entwickelt wird. Martin Schwartz von New York Production Partners hat es geschafft, die Rechteinhaber davon zu überzeugen, dass er so ein Konzept hat und eine Storyline, die nicht nur ein einzelnes Buch adaptiert, sondern auf der grundlegenden moralischen Märchen-Erzählstruktur und diesen entzückenden Charakteren basiert."

Interview: Reinhard Kleber

 

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