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Ausgabe 84-4/2000

LUCKY'S GROSSE ABENTEUER

RUNNING FREE

Produktion: Reperage (Jean-Jacques Annaud); USA 2000 – Regie: Sergei Bodrov – Drehbuch: Jeanne Rosenberg, nach einer Geschichte von Jean-Jacques Annaud und Jeanne Rosenberg – Kamera: Dan Laustsen – Schnitt: Ray Lovejoy – Musik: Nicola Piovani – Darsteller: Chase Moore (Richard als Junge), Jan Decleir (Boss Man), Arie Verveen (Richard als Erwachsener), Maria Geelbooi (Nyka) u. a. – Länge: 84 Min. – Farbe – FSK: o. A., ffr. – Verleih: Columbia TriStar (35 mm) – Altersempfehlung: ab 6 J.

Wer die eigentlichen Stars in diesem Tierfilm sind, wird bereits aus den Credits ersichtlich, in denen ebenbürtig zu einer Hand voll Schauspielern aufgelistet wird, welche Pferde im Film welche Rollen übernommen haben. "Lucky's große Abenteuer" erzählt die dramatische Geschichte eines Hengstes in Afrika, der dort Jugendliche als Freunde findet, aber vor allem seine Freiheit.

Anfang des vergangenen Jahrhunderts wurden viele Pferde aus Europa nach Deutsch-Südwestafrika – dem heutigen Namibia – verschifft, um in den Wüstenregionen des Landes als Arbeitspferde in den Kupfer- und Diamantminen zu dienen. Nach Ausbruch des Ersten Weltkrieges wurden solche Siedlungen evakuiert und die Pferde zum Teil ihrem Schicksal überlassen. Einigen der Tiere gelang es, sich der fremden Umgebung anzupassen und in den Dünen der Namib-Wüste zu überleben. Vor diesem historischen Hintergrund spielt der allein schon durch seine grandiosen Natur- und Tieraufnahmen beeindruckende Film. Er erzählt seine fiktive, aber durchaus mögliche Geschichte ganz aus der Sicht eines Pferdes und erinnert in seiner Machart wie durch seinen Handlungsort weit weniger an amerikanische Cowboy-Filme, als etwa an "Die Wüste lebt" oder "Der englische Patient".

1914 kommt das Fohlen Lucky auf einem deutschen Dampfer zur Welt, der seine Mutter und andere Arbeitspferde nach Afrika bringen soll. Gleich nach der Ankunft an der Küste wird Lucky von seiner Mutter getrennt und überlebt den Transport mit der Eisenbahn unter glühender Sonne ins Landesinnere nur mit knapper Not. In der Wüstenstadt nimmt sich der Waisenjunge Richard, der im Reitstall des herrischen Bergwerksdirektors die Pferde versorgt, seiner an. Das weckt nicht nur den Neid des blondköpfigen Chefsohns, sondern auch den Widerstand des edlen Zuchtpferdes Caesar, das seinen Stall nicht mit diesem einfachen Fohlen teilen möchte und mit Gewalt zu verhindern sucht, dass sich Lucky mit Caesars Tochter Beauty anfreundet. Richard und Lucky lernen bei einem gemeinsamen Ausreißversuch das Buschmädchen Nyka kennen, das dem Pferd später beibringt, nach Wasser zu suchen und in der Wüste zu überleben. Denn Richard und alle anderen Bewohner des Ortes werden nach einem Luftangriff der Engländer evakuiert und Lucky durch Caesar vom menschenverlassenen Gehöft gejagt. Doch schließlich findet er sein Paradies und eine neue Bleibe in der Wüste und auch ein Wiedersehen mit Richard wird es geben.

Es menschelt sehr in diesem Pferdefilm, denn die Emotionen der Tiere wurden in monatelanger Dreharbeit an Originalschauplätzen in Namibia nicht nur optisch perfekt und absolut authentisch wirkend in Szene gesetzt, sondern unterscheiden sich auch nur wenig von den Menschen: Wenn Fohlen beispielsweise Träume haben, dann träumen sie von einer harmonischen Mutter-Kind-Beziehung und Leithengst Caesar entspricht in seinem Charakter weitgehend dem des Direktors von der Sorte eines deutschen "Herrenmenschen". Von solchen Klischees abgesehen ist der Film in seinen Tieraufnahmen wie unter den Menschen sehr sensibel inszeniert, etwa in der Begegnung Richards (er stammt aus Südafrika) mit dem realen Buschmädchen Nyka, das tatsächlich in ihrer eigenen Sprache ohne Untertitel reden darf.

Der Film "Lucky's große Abenteuer" wurde produziert von Jean-Jacques Annaud, der schon mit "Der Bär" sein Gespür für authentische Tierfilme bewies. Regie führte der gebürtige Russe Sergei Bodrov, der vor allem mit "Freiheit ist ein Paradies" (1989) und dem Oscar-nominierten "Prisoner of the Mountains" (1996) international bekannt wurde und auch in diesem Tierfilm für die ganze Familie seinen Hauptthemen Freiheit, Freundschaft und Verrat treu geblieben ist.

Holger Twele

 

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