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Ausgabe 84-4/2000

THOMAS – DIE FANTASTISCHE LOKOMOTIVE

THOMAS AND THE MAGIC RAILROAD

Produktion: Destination Films / Gullane Pictures; Großbritannien / USA 2000 – Regie und Buch: Britt Allcroft – Kamera: Paul Ryan – Spezialeffekte: Bill Neill – Schnitt: Ron Wisman – Musik: Hummie Mann – Darsteller: Alec Baldwin (Zugschaffner), Peter Fonda (Großvater Burnett Stone), Mara Wilson (Lily), Russell Means (Billy), Lori Hallier (Lilys Mutter) u. a.- Länge: 85 Min. – Farbe – FSK: o. A., ffr. – Verleih: Concorde (35mm) – Alterseignung: ab 8 J.

In der realen Welt zwischen Wolkenkratzern lebt das Mädchen Lily mit seiner Mutter: Ein Besuch bei ihrem Großvater steht bevor, doch der Hund Butt aus dem Städtchen Shining Time lockt das Mädchen auf dem Bahnhof in den falschen Zug. So landet Lily von der Realität direkt in einem zauberhaften Zwischenreich: Alles ist hier bunt, alle sind freundlich und wer wie der Zugschaffner über den entsprechenden Zauberglitzer verfügt, der kann von hier direkt in die Spielzeugminiaturwelt der Insel Soldau wechseln. Auch hier ist alles bunt, allerdings noch wundersamer als in Shining Time, denn es ist das Land der sprechenden Züge: Die guten alten Dampfloks pflegen reichlich Konversation, schließlich müssen sie sich gegen die böse Diesellok wehren, die den Dampfloks den Garaus machen will. Der Verbündete der Dampfloks ist der Zugschaffner, doch dem geht der Zauberglitzer aus. Und eine Lok ist auch verschwunden ...

Lily kommt endlich bei ihrem Großvater an, der schon seit vielen Jahren nach dem Grundsatz "Alle Berge hüten Geheimnisse" lebt: In einem alten Bergwerksstollen kümmert er sich liebevoll um eine alte Lok, alle Versuche, sie wieder in Gang zu setzen, sind bisher gescheitert. Als Lily bei einem Ausflug nach Soldau nicht nur das Geheimnis eines magischen Prellbocks entdeckt, sondern auch von dort einen Waggon Kohle mitbringt, steht einer Fahrt der alten Lok nach Soldau nichts mehr im Wege. Großvater wird zum Lokführer, Lily ist ebenfalls mit von der Partie, der Zugschaffner findet endlich die Formel, um zu neuem Zauberglitzer zu gelangen, der bösen Diesellok geht es an den Kragen – und alle sind glücklich.

In seiner knall-bunten Ausstattung von Shining Time erinnert der Film zwar an das bezaubernde Fantasy-Musical "Charlie und die Schokoladenfabrik", doch die schier unglaubliche Naivität und die nur wenig beeindruckenden Spezialeffekte lassen eher an "Rainbow – Die phantastische Reise auf dem Regenbogen" denken. Die Loks sind Holzmodelle, die zwar mit ihren Augen rollen können, aber ihre Münder bleiben stets unbeweglich und geschlossen, obwohl sie so viel mitzuteilen haben. Und wenn sich ihr Gemütszustand von freundlich zu unfreundlich wandelt, muss gleich das Modell komplett ausgetauscht werden. In Kinozeiten des Jahres 2000, in denen Disney "Dinosaurier" absolut lebensecht über die Leinwand rennen und fliegen lässt, kommen diese Tricks einer Modelleisenbahn aus der Mottenkiste.

Das Aufgebot von gleich drei Welten, zwischen denen ständig hin und her gezappt wird, wirkt wie der verzweifelte Versuch, eine eigentlich kleine Fabel immer noch mehr aufzumotzen, das Ergebnis ist allerdings alles andere als spannend und aufregend: Die verschiedenen Handlungsstränge behindern sich irgendwann nur noch gegenseitig. Und das erfordert dann ständig Erklärungen: Da reden die Loks von ihren Problemen, da sinniert der sehr statisch wirkende Peter Fonda als Großvater über die Vergangenheit und die Jahre mit seiner Lok und der Zugschaffner muss sich immer aufs Neue über seine Zauberformel auslassen. Die permanente Geschwätzigkeit des Films, der auf zwei fast zwanzig Jahre alten TV-Serien nach Kinderbüchern aus den 40er-Jahren von Reverend Wilber Awdry basiert, zerrt an den Nerven der Zuschauer. Die Lösungen, die das Filmdebüt von Britt Allcroft aufzubieten hat, sind gegen den Fortschritt gerichtet: Dampf gewinnt gegen Diesel, Märchen siegt über Realität. Der finale Merksatz dieser Mischung aus Story, Gesang und Lebensweisheiten lautet entsprechend: "Wenn wir uns gegenseitig helfen, erwecken wir alle den Zauber in uns."

Nachbemerkung:

Pressevorführungen von Kinderfilmen finden in den letzten Monaten gern am Sonntagvormittag statt, damit auch viele Kinder teilnehmen können. Die Berechnung dabei: Kinder finden Kino immer toll, das wird die Kritikerinnen und Kritiker dann milde stimmen. Und wenn es den Kindern gefällt, wird das auch die Filmkritiken beflügeln. Bei "Thomas – Die fantastische Lokomotive" ging diese Rechnung nicht auf, ziemlich unruhig war das Kinderpublikum, aber nicht vor Begeisterung, denn Überblick und Verständnis blieben immer wieder auf der Strecke.

Manfred Hobsch

 

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