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Ausgabe 85-1/2001

EMIL UND DIE DETEKTIVE – 2000

EMIL UND DIE DETEKTIVE – 2000

Produktion: Bavaria Filmverleih- und Produktions GmbH / Lunaris Film / ZDF; Deutschland 2000 – Regie und Buch: Franziska Buch, nach dem gleichnamigen Roman von Erich Kästner – Kamera: Hannes Hubach – Musik: Biber Gullatz und Ekkes Malz – Darsteller: Tobias Retzlaff (Emil), Anja Sommavilla (Pony Hütchen), Jürgen Vogel (Max Grundeis), Maria Schrader (Pastorin Hummel), Kai Wiesinger (Knut Tischbein, Emils Vater) – Länge: ca. 90 Minuten – Verleih: Constantin Film (35 mm) – FSK: o. A. – Altersempfehlung: ab 8 J.

Emil Tischbein, 12 Jahre, lebt bei seinem Vater in einer ostdeutschen Kleinstadt, seine Mutter ist nach Amerika gegangen und schickt zum Geburtstag immer Geld, das Emils Vater als "Zukunftskasse" aufhebt. Endlich soll sich für die Tischbeins das Leben ändern, weil der Vater einen Job hat. Aber vor lauter Begeisterung baut er einen Autounfall und muss ins Krankenhaus. Emils Lehrer will dem Jungen helfen und schickt ihn deshalb zu seiner Schwester, einer Pastorin, nach Berlin. Emil nimmt seine Zukunftskasse mit, weil er von einem Freund gehört hat, in Berlin könne man alles, sogar Führerscheine, kaufen. Und das will er tun, weil er weiß, dass der Vater seinen Führerschein verloren hat und ohne diesen seine Arbeit als Staubsaugervertreter nicht antreten kann. Im Zug lernt Emil – natürlich – den Ganoven Max Grundeis kennen, der Emil sagt, er könne ihm einen falschen Führerschein für seinen Vater besorgen. Wie viel Geld er denn habe? Emil zeigt ihm die 1500 Mark, seine gesamte Zukunftskasse. Grundeis betäubt den Jungen und nimmt ihm das Geld ab. Emil verfolgt ihn durch Berlin und dank einer Gruppe von Kindern, die mit ihm zusammen Detektiv spielen, wird Grundeis schließlich dingfest gemacht.

Wenn man einmal davon absieht, dass man sich die in Berlin ablaufende Geschichte kaum als real vorstellen kann, so bleibt aber ein insgesamt spannender, ganz netter Film übrig, der Kästner kongenial in die Gegenwart versetzt, zugleich aber auf anheimelnde Weise trotz aller Modernismen antiquierte Attitüden hat. Ein wenig bedauerlich: Die Logik der ursprünglichen Geschichte wird in einem entscheidenden Punkt unterlaufen. Denn Emils ursprünglicher Nachweis, dass das gestohlene Geld sein Geld ist, geht hier eigentlich unter, weil zu viele Nebenhandlungen eingebaut sind und es gar nicht mehr darum geht, dass Emil "sein" Eigentum zurückbekommt, sondern die Detektive einen Gauner dingfest machen, der zufällig auch Emil bestohlen hat. Vielleicht ist das der Preis, den man bei der Übertragung in die Gegenwart in Kauf nehmen muss – heute dominieren andere Werte als zur Entstehungszeit des Romans. Schauspieler und Regie sind allesamt lobenswert. In die Handlung ist stellenweise – wohlmeinend – etwas zu viel gepackt und – vor allem in den Massenszenen – viel zu dick, fast schon musicalhaft fett krass aufgetragen. Aber das mag man hinnehmen, weil die Geschichte insgesamt rund ist. Diese Fassung von "Emil und die Detektive" kann sich nicht nur neben den bisherigen Fassungen sehen lassen, sie kann daneben auch gut bestehen.

Wolfgang J. Fuchs

Reaktionen von Kindern nach der Voraufführung

Dass Gustav ohne Hupe zum Sohn der Pastorin Hummel umgeschrieben wurde, Gipsy an Emils Stelle bei ihnen einzieht und das Haus auf den Kopf stellt, dass Emils Vater einen Unfall baut aus Freude über den neuen Job und manche andere Ergänzung im neuen Drehbuch hat die Kinder nicht sonderlich beeindruckt. Fasziniert sind sie von Max Grundeis (Jürgen Vogel) und vor allem von Pony Hütchen, der kessen Bandenchefin (Anja Sommavilla), die eine wunderbare Nummer im Nobelhotel Adlon hinlegt. Die stärkste Szene für die Kinder ist die Verfolgung des Gangsters Grundeis in den Straßen von Berlin: 800 Kinder heften sich an seine Fersen – und als sie zeitgleich mit ihm die Richtung wechseln und somit vor ihm herlaufen, kennt das Vergnügen keine Grenzen. Wie im Jahre 1931, als der erste 'Emil'-Film (Regie: Gerhard Lamprecht) in Berlin seine Premiere erlebte. Diese Choreographie funktioniert heute, siebzig Jahre später, noch genauso.

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 83-1/2000 - Interview - "Kinder sind authentisch, spontan, unfrustriert – einfach Klasse"
KJK 82-1/2000 - Interview - "Welcher Name garantiert heute schon Erfolg?"

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.EMIL UND DIE DETEKTIVE – 2000 im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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