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Ausgabe 85-1/2001

DER LEBENSBORN

PRAMEN ZIVOTA

Produktion: Happy Celluloid s.r.o. Prag / Ceská Televize Ostrava; Tschechische Republik 2000 – Regie: Milan Cieslar – Buch: Vladimír Körner, Milan Cieslar – Kamera: Marek Jícha – Schnitt: Miloslav Liska – Musik: Jan Cerny – Darsteller: Monika Hilmerová, Michal Sieczkowski, Johanna Tesarová, Vilma Cibulková, Karel Dobry u. a. – Länge: 107 Min. – Farbe – Vertrieb: Ceská Televize – Telexport, Kavcí hory, 14070 Praha 4, Tschechische Republik, Tel. 0042-02-61137438, Fax 0042-02-61211354 – Altersempfehlung: ab 14 J.

Mit mehreren gut ausgestatteten Filmen versuchen sich in letzter Zeit einige tschechische Regisseure auch wieder jenem Teil der Vergangenheit zu widmen, der jenseits der kommunistisch genannten lag. Ohne allzu schnell eindeutige Schuldkarten zu verteilen, erzählen sie in berührenden Episoden über die Verwebung von Schicksalen der oft nebeneinander lebenden deutschen und tschechischen Bevölkerung. Der heute 40-jährige Cieslar, bereits der zweiten Nachkriegsgeneration entstammend und Schüler von Vera Chytilová und Petr Tucek, wagt sich hierbei an ein diffiziles, nach zuweilen vordergründiger Erotik rufendes Thema heran, ohne es indes lüstern auszuschlachten.

Ein kleines Dorf im Sudetenland 1939: Das tschechische Mädchen Gretka Weisser, von den deutschen Bewohnern "Gretchen" genannt, ist von engelhafter Schönheit. Die einmarschierenden Nazis fahnden nach solchen "reinrassigen" Jugendlichen, um sie für ihr "Lebensborn"-Programm zu missbrauchen. Gretka wird auserwählt, ahnt aber noch nicht, dass sie für dieses "Elite-Projekt" wahnwitziger Nazi-Ideologen vorgesehen ist. Im romantisch-anmutenden Sanatorium "Isolde" trifft sie mit anderen jungen Mädchen zusammen, die für die "Züchtung von Herrenmenschen" bereit zu stehen haben. Das Leben spielt sich hier ab wie in einer geheimen Sekte und in einem Freudenhaus zugleich: Die Oberärztin kommandiert und unternimmt die notwendigen medizinischen Verrichtungen, die ältere Klara beaufsichtigt als Vorsitzende der "Rassenkommission" das Geschehen. Mit fanatisch-religiöser Andacht wird das schmutzige Geschehen verschleiert.

Doch irgendwo, einem Schattendasein gleich, lebt da auch Leo, der Sohn der geflohenen, ehemaligen jüdischen Besitzer des Sanatoriums. Gretka verliebt sich in ihn, aber sein Abtransport ins KZ steht kurz bevor. In der Nacht, in der sie erstmals einem "edlen" deutschen SS-Mann zur Verfügung stehen soll, geschieht das Unfassbare ... Gretka treibt mit ihrer aufrichtigen Tat das skurril-grausame Spiel der deutschen Ahnenhüter ins Absurde. Zum bitteren Ende verbleibt ihr nur das eigene Leben und die Erinnerung an eine einmalige Liebe. Als gereifte und gezeichnete Frau kehrt sie nach dem Krieg in ihr Dorf zurück, wo immerhin eine kleine Hoffnung auf sie wartet.

Immer wieder werden die idyllischen Bilder als vermeintliche Spiegel einer auf "Blutreinheit" abzielenden Ideologie konfrontiert mit den wahren Gräueltaten der Nationalsozialisten. Mit einer durchaus konstruiert scheinenden, aber schlüssigen Geschichte greift der Film ein bisher kaum beachtetes Kapitel aus dem blutigen Buch des sogenannten Dritten Reiches auf. Leider hofiert der Film in einigen Szenen unübersehbar einer larmoyanten Mainstream-Ästhetik und findet trotz mehrerer, eindeutig dargestellter Schicksalsbrüche kein wirkliches Ende. Zuweilen wirken die von ausschließlich tschechischen Darstellern im starken Akzent vorgetragenen deutschen Sprachpassagen unverständlich und störend.

Beim tschechischen Kinder- und Jugendfilmfestival in Zlín 2000 erhielt der Film den Hauptpreis in der Kategorie Jugendfilm; im Wettbewerb Kinder- und Jugendfilm des FilmFestivals Cottbus 2000 wurde ihm eine lobende Anerkennung der Schülerjury zugesprochen.

Volker Petzold

 

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