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Ausgabe 85-1/2001

"Nur Wolken bewegen die Sterne"

BARE SKYER BEVEGER STJERNENE

(Hintergrund zum Film NUR WOLKEN BEWEGEN DIE STERNE)

Norwegen 1999 – Regie und Buch: Torun Lian – Länge: 98 Min. – Farbe

Dokumentation der Filmvorführung (01.07.2000) beim 18. Kinderfilmfest München (Auszug)

Inhalt

Nachdem der Bruder der elfjährigen Maria an Krebs stirbt, verändert sich ihr Leben. Während ihre Mutter in eine Depression stürzt und auch der Vater mit der Situation überfordert ist, wird Maria zu den Großeltern geschickt. Auch dort fehlt es an Verständnis und Hilfe und Maria zieht sich immer mehr von der Außenwelt zurück. Erst als sie den aufgeweckten zwölfjährigen Jakob kennen lernt, gewinnt sie ihre Lebensfreude zurück. Die Unternehmungen und Unterhaltungen der beiden Kinder führen sie nicht nur immer näher zusammen, sondern geben auch Maria neuen Mut und schließlich auch die Kraft, das Gespräch mit der Mutter wieder aufzunehmen.

Reaktion der Kinder während der Filmvorführung

Vor Beginn der Vorführung waren die Kinder noch sehr still und diszipliniert, vereinzelt gab es Unterhaltungen. Die Stimmung war konzentriert und gespannt, was wohl auch an den vielen Betreuern und Erwachsenen lag.

Insgesamt war die Reaktion der Kinder meist angemessen zu dem Geschehen auf der Leinwand. Gegen Ende des Filmes wurden die jüngeren Kinder (ca. 6 bis 9 Jahre) unkonzentrierter, dies ist u. U. auf Verständnisprobleme zurückzuführen, die es nach den Reaktionen der Kinder vor allem bei den Jüngeren gab:

Die Beerdigungsszene am Anfang wurde noch sehr ruhig und mitfühlend betrachtet, die Kinder wirkten betroffen und flüsterten leise. Später wurden die Szenen ab und zu kommentiert ("da sind Wassertropfen am Fenster" – "Oh das ist schön"). Die Kinder ließen sich auf die lustigen Szenen ein und lachten (z. B. als Maria den Jakob im Treppenhaus trifft und Maria sich nicht auf eine Unterhaltung einlassen will).

Wie immer gehörten den Tieren die Herzen der Kinder – zur Katze kamen Kommentare wie: "süß","die ist voll süß" und "oh Gott" (als Maria die Katze auf ihr Bett wirft).

Als das Wort Melancholie fiel, herrschte große Ratlosigkeit bei den Kindern, die sich gegenseitig fragten: "Was ist Melancholie?" – Vereinzelt erklärten Mütter und Betreuer das Wort: "die ist sehr, sehr traurig"

Bei den ruhigen Szenen und vor allem am Ende des Films wurden die kleineren Kinder (6-8 Jahre) unruhig und fingen an, auf ihren Stühlen zu rutschen und zu reden oder ihr Essen weiterzureichen (z. B. bei der Szene: Maria bei den Großeltern – bevor sie den Jakob trifft). Sie zappelten auf den Stühlen, reagierten aber trotzdem auf das Geschehen im Film mit Lachen und Ausrufen.

Trotz trauriger Szenen lachten einige Kinder und die Schlussszene mit Maria und ihrer Mutter empfanden die jüngeren Kinder als nervig ("hat genervt gell").

Die jüngeren Kinder verstanden die Problematik und die spätere Versöhnung zwischen Maria und ihrer Mutter nicht. Sie ließen sich zwar auf die lustigen Szenen ein und lachten und hüpften zu der Musik, als Jakob und Maria zusammen spielten und Späße machten, die Schwierigkeiten zwischen Mutter und Tochter konnten sie aber nicht erfassen. Die älteren Kinder waren dagegen begeistert und wollten Informationen über die Schauspieler und Filmplakate.

Vor allem Kinder, die mit ihren Eltern oder in Begleitung von Bezugspersonen waren, interpretierten den Film sensibler und mehr auf die Problematik bezogen. Trotzdem stand für alle Kinder die Freundschaft zwischen Jakob und Maria im Mittelpunkt ("die Freundschaft hat mir am besten gefallen" – "das war lustig" z. B. als sie zusammen spielten).

Verwendbarkeit des Films für die Kinderkulturarbeit

Der erste Langspielfilm der norwegischen Autorin und Regisseurin Torun Lian ist faszinierend schön, poetisch und traurig zugleich.

Die beiden Hauptdarsteller bestechen durch ihr ehrliches und überzeugendes Spiel, so dass man ihnen alles glaubt, auch die fast zu kluge, philosophische Antwort von dem elfjährigen Jakob über die Wolken, die die Sterne bewegen. Aber es sind genau diese Unterhaltungen zwischen den beiden Kindern, die berühren.

Dabei ist die Thematik des Films keineswegs schön oder poetisch. Nach dem Tod des kleinen Bruders wird jedes Familienmitglied mit seinen Schmerzen allein gelassen und es herrscht eine Ratlosigkeit über den Umgang mit der Situation. Maria, das früher fröhliche und lustige Mädchen wird introvertiert und fast melancholisch, und als sie Jakob erzählt, dass sie keine Mutter mehr hat, versteht man, dass für Maria auch ihre Mutter gestorben ist.

Die Rollenverteilung der Geschlechter entspricht nicht den typischen Mustern und so vermittelt Jakob, der sensible, fast zärtliche Junge, eine untypische Rolle, ebenso wie auch Maria, die den introvertierten, kühleren Part übernimmt. Der Film lässt somit neue Rollenidentifikationen mit anderen nicht typischen Protagonisten zu.

Mit viel Sensibilität und Verständnis für die Gedanken und Probleme von jungen Menschen wagt sich Torun Lian an ein Thema, dass nicht nur für Kinder schwierig ist. Wie geht man mit dem Verlust eines Familienmitgliedes um und wie hilft man sich gegenseitig bei der Verarbeitung der Trauer, des Schmerzes. Der Film vermittelt, wie wichtig es ist den Schmerz zuzulassen, denn das Leben geht weiter und gemeinsam ist man stärker bei der Überwindung der Trauer. Zum Beispiel am Ende des Films, als Maria endlich wieder mit ihrer Mutter spricht und sie aus ihrer starken Depression und Isolation befreit, indem sie ihr klarmacht, dass es Menschen gibt, die sie sehr dringend brauchen und noch leben.

Am Schluss des Films sprach mich eine ältere Dame an: Es ist der beste Film, den sie seit langem gesehen hat, aber ihrer Meinung nach absolut kein Kinderfilm, da die Thematik viel zu schwer ist, wie sie an dem Unverständnis ihrer Enkelin bemerkt hat. Daraufhin befragte ich die Enkelin, was ihr im Film am besten gefallen hat. Und die Antwort war genauso befriedigend wie der Gesichtsausdruck des Mädchens, denn am besten hat ihr die Freundschaft zwischen Jakob und Maria gefallen und dass der Jakob der Maria geholfen hat, sich wieder mit ihrer Mutter zu verstehen.

Dies ist auch der Grund, weshalb der Film auf jeden Fall in das Kinderkinoprogramm aufgenommen werden sollte, denn ein Film, der auf so poetische wie anspruchsvolle Weise die Stärke von Freundschaft und Familie darstellt, gehört in das Programm. Die Problematik des Todesfalls und seine Folgen ist für die Kinder keine wichtige Aussage des Films, letztendlich zählt die Freundschaft zwischen Maria und Jakob und die Versöhnung mit der Mutter. Trotzdem kann die Thematik angesprochen werden. Der Film kann auch als Ergänzung zur pädagogischen Arbeit mit diesem Thema sehr gut genützt werden.

Die Bewertung durch die Eintrittskarten war besser, als die Reaktionen einiger Kinder nach dem Film. 55 Prozent der Kinder und Erwachsenen stimmten für 'sehr gut', 29 Prozent für 'gut', 12 Prozent für 'mittelmäßig' und 4 Prozent für 'nicht gefallen'. – Bei diesem Film ist es besonders wichtig die Altersempfehlung von 10 Jahren zu beachten.

Julia Gebefügi

 

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