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Ausgabe 87-3/2001

DAS SAMS – DER FILM

DAS SAMS – DER FILM

Produktion: Kinowelt Filmproduktion; Deutschland 2001 – Regie: Ben Verbong – Drehbuch: Paul Maar, Ulrich Limmer, nach den Sams-Büchern von Paul Maar – Kamera: Klaus Eichhammer – Schnitt: Norbert Herzner – Musik: Nicola Piovani – Darsteller: Christine Urspruch (Das Sams), Ulrich Noethen (Bruno Taschenbier), Aglaia Szyszkowitz (Margarete März), Armin Rohde (Anton Mon), Eva Mattes (Annemarie Rotkohl), August Zirner (Oliver Oberstein) u. a. – Länge: 100 Min. – Farbe – FSK: o. A., ffr. – Verleih: Kinowelt (35mm) – Altersempfehlung: ab 6 J.

In einem Bilderbuchstädtchen mit Kopfsteinpflaster und malerischen Gässchen (gedreht in Bamberg) scheint die Welt in Ordnung. So auch das Leben des liebenswerten Herrn Taschenbier, der bei der gestrengen Frau Rotkohl zur Untermiete wohnt. Als ideenreicher Schirmkonstrukteur wird er von seinem Chef verhöhnt, von Kollegen verspottet. Herr Taschenbier ist stets bescheiden und so höflich, dass er am Samstag auf dem Markt nur noch verschrumpelte Gemüsereste bekommt und sich von Frau Rotkohl dafür beschimpfen lassen muss. Doch an diesem Samstag passiert etwas, was sein Leben radikal verändert. "Papa Papa" ruft's aus einem Gemüsekorb, sprachlos schaut Taschenbier und mit ihm die neugierigen Marktweiber auf ein kleines rüsselnasiges, rotschopfiges sommersprossiges Wesen, das ihm in den Arm gedrückt wird. Er will es loswerden, aber das Sams – als solches hat es sich vorgestellt – lässt sich nicht abschütteln. Schließlich schmuggelt er es an Frau Rotkohl vorbei in sein Zimmer.

Sams ist das glatte Gegenteil von Taschenbier: Es ist furchtlos, vorlaut, frech, fordernd. Es ist seinem erwählten Papa in Liebe zugetan, das heißt aber nicht, dass es auch auf ihn hört. Die Situation spitzt sich zu, überall wo sie auftauchen, verursacht das Sams ein Chaos. Nachdem sich die "Sommersprossen" als Wunschpunkte herausstellen, gerät Taschenbier in einen Wunschrausch. Er verschleudert einen Wunsch nach dem anderen und macht dabei die Erfahrung, dass auch das Wünschen gelernt sein will. Seinem Chef kann er's zeigen, ebenso Frau Rotkohl, nur bei dem süßen Fräulein März, der neuen Stoffdesignerin, hat er sich erst mal "verwünscht". Sams kocht vor Eifersucht ob der sich anbahnenden Romanze, wehrt sich und sorgt für Irritationen. Als dann noch in einer Vollmondnacht auf dem Dachfirst durch Taschenbiers Ungeduld die neuen Wunschpunkte auf seinem Gesicht landen, über die nun das Sams verfügen kann, sieht es schlecht aus für Taschenbiers Glück. Natürlich ist die Liebe stärker und das Sams hat am Ende nicht nur einen netten Papa, sondern auch noch eine entzückende Mama.

Die Verfilmung basiert auf den ersten drei Sams-Büchern von Paul Maar ("Eine Woche voller Samstage", "Am Samstag kam das Sams zurück", "Neue Punkte für das Sams"). Nach Buch-, Kassetten- und CD-Erfolg, nach Theateraufführungen nun also der erste Film. Kein Zeichentrickfilm, sondern ein realer Spielfilm mit einem Sams, das als animierte Puppe beim ersten Anblick Schlimmes befürchten lässt, aber schon in der nächsten Szene zu einer starken Persönlichkeit heranwächst. Das anders aussieht als alle anderen, aber nicht deshalb Aufsehen erregt, sondern wegen seines ungebändigten Benehmens. Sams sagt, was es denkt, fordert, was es braucht und verändert damit nicht nur Taschenbiers Welt. Grandios die Szenen, in dem die Erwachsenen unter dem Einfluss der Wünsche sich verändern, wie Frau Rotkohls Schimpfkanonade mit positiven Worten angefüllt wird, wie der sich sträubende Taschenbier elegant vom Zehn-Meter-Brett springt, draufgängerisch-rhythmisch auf dem Tisch des Nobelrestaurants tanzt und wie sich seine Wünsche als stümperhaft erweisen, als er statt mit dem angebeteten Fräulein März an der Seite von Sams auf einer einsamen Insel sitzt, kein Paradies unter Palmen, sondern ein karger Steinhaufen im Meer – wunderbare Szenen über Sinn und Unsinn von Wünschen.

"Das Sams" ist rundherum gelungen, intelligent und lustig, von hoher Professionalität, mit Liebe zu seinen Figuren und zum Detail, guten Dialogen, und mit Schauspielern, die offensichtlich großes Vergnügen an ihren Rollen hatten. Die Theaterschauspielerin Christine Urspruch (31) als Sams ist eine geradezu geniale Besetzung, kein Kind, sondern ein kleiner Mensch mit großem Selbstbewusstsein und starker Stimme. Die elf Millionen Produktionsetat sieht man dem Film nicht an – und das ist als großes Kompliment gemeint. Er verzichtet auf spektakuläre laute Action-Szenen, setzt stattdessen auf Atmosphäre, und auch die mitspielenden Tiere, der sprechende Papagei und die skurril aufgeputzten Hunde des Herrn Mon, der Wunsch-Eisbär in Frau Rotkohls Küche tragen zum Vergnügen bei.

"Das Sams" wird vom Verleih als "Family Entertainment" annonciert – wir empfehlen diesen Kinderfilm für alle Menschen ab sechs.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 129-3/2012 - Interview - "Ich gehe ziemlich liebevoll mit meinen Figuren um"

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DAS SAMS – DER FILM im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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