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Ausgabe 87-3/2001

SONNY DER ENTENDETEKTIV

SOLAN, LUDVIG OG GURIN MED REVEROMPA

Produktion: Filmkamaratene AS/AB Svensk Filmindustri / Norsk Filminstitutt V; Norwegen 1998 – Regie: John M. Jacobsen, Nille Tystad – Buch: Kjell Aukrust und Vibeke Idsøe, nach dem Kinderbuch "Gurin med reverompa" von Kjell Aukrust – Schnitt: Einar Egeland – Musik: Kjetil Bjerkestrand – Darsteller: – Länge: 76 Min. – Farbe – Verleih: MFA (35mm) – FSK: o. A., ffr. – Altersempfehlung: ab 6 J.

Zunächst fühlt man sich in die 40er-Jahre versetzt. Entendetektiv Sonny sitzt am Schreibtisch, pafft eine Zigarre, trinkt aus einem riesigen Cognacschwenker und erzählt von einem merkwürdigen Fall, den er erlebte, nachdem er ein Vermögen gemacht und verloren hatte. Und damit ist man mitten in der eigentlichen Geschichte vom Gnom oder Stallwicht Gurin, der in der Küche so viele Pfannkuchen stibitzt hat, dass ihm zur Strafe ein Fuchsschwanz gewachsen ist. Und diesen Fuchsschwanz kriegt er nicht ab. Nicht mit einer Schere, einer Axt, einem Fuchsschwanz, einer Zange. Er wird gehänselt und leidet unter dem ungewohnten Aussehen. Es spricht sich aber in ganz Norwegen herum, dass es da einen Jungen gibt, der einen Fuchsschwanz hat. Und die Witwe Stengelfön ist es, die diesen ungewöhnlichen Fuchsschwanz als Stola haben möchte. Sie will den Detektiv Sonny beauftragen, Gurin zu finden. Der lehnt ab, will den Jungen aber trotzdem finden, um ihn vor der Witwe zu retten. Direktor Bitterwurz bietet seinerseits der Witwe Hilfe an. Und so verfolgen die Beiden Sonny und seinen Assistenten Ludwig, weil sie hoffen, so Gurin schneller zu finden. Der Zufall spielt ihnen Gurin in die Hand, ein anderer Zufall hilft Ludwig, Sonnys Assistent, Gurin zu befreien. Es wird bitter kalt im Norden Norwegens – da geschieht ein kleines Wunder. Während ringsum alles gefriert, ist es bei Gurin im Häuschen warm. Sein Fuchsschwanz wärmt. Alle, die ihn gehänselt haben, ob Mensch oder Tier, kommen und lassen sich von Gurin aufwärmen. Und weil Gurin alle gerettet hat, bringt ihn Sonny zum norwegischen Königspalast. Als er wieder geht, wird sein Fuchsschwanz in der Tür eingeklemmt und bleibt dort hängen. Im Schlussbild sieht man das Königspaar auf dem Balkon stehen und die Königin trägt eine besonders schöne Fuchsstola um den Hals.

Eigentlich eine ganz niedliche und irgendwo anheimelnde Geschichte, auch wenn man sich fragt, warum eine im Winter spielende Geschichte bei uns ausgerechnet im Sommer in die Kinos kommt. Aber sei's drum. In Norwegen haben 700.000 Besucher den Film gesehen, das sind knapp 20 Prozent der Bevölkerung. Für Norwegen ein gigantischer Erfolg, der nicht zuletzt damit zusammenhängt, dass das Kinderbuch von Kjell Aukrust, nach dem der Film entstand, überaus populär ist.

In Konkurrenz zu vielen anderen Angeboten hat es der Entendetektiv Sonny in Deutschland vergleichsweise viel schwerer, obwohl die Figuren gut charakterisiert sind, die Handlung einiges für optische Gags bietet und die Hintergründe von einem eigenen Charme sind, den man in kommerziellen Produkten meist vermisst. Nachteilig könnte sich für den Film auswirken, dass trotz der vielen guten Ansätze und der an "Pinocchio" erinnernden Geschichte – Strafe für kindliches Fehlverhalten in Form eines körperlichen Auswuchses, folgende schwere Erlebnisse und schließlich wundersame Errettung nach positiver Tat – der zündende Funke fehlt. Das Konstrukt, die Geschichte vom Entendetektiv Sonny erzählen zu lassen, erweist sich stellenweise als hinderlich, da es nicht konsequent genug in den Handlungsfaden eingewoben ist. Außerdem fließt die Geschichte manchmal etwas zu lange und etwas zu ruhig dahin, bis wieder etwas Aufregendes oder Witziges passiert. Überraschend ist auch, dass manche Teile der Geschichte überaus detailliert erzählt werden, während andere Teile zu fehlen scheinen und sich erst im Nachhinein aus einigen Nebensätzen ergeben. Das erweckt gelegentlich den Eindruck als sähe man die Kurzfassung eines mehrteiligen Fernsehfilms. Und das ist schade, weil die Grundidee der Geschichte gut ist, und weil der Film optisch überaus anspruchsvoll und mit Liebe zum Detail gemacht ist.

Fazit: Ein mit viel Liebe gemachter, märchenhafter Kinder-Zeichentrickfilm mit Anklängen an "Pinocchio". Trotz der charaktervollen Bilder, akzeptablen Charaktere und einer Prise Humor trüben aber leider einige Längen und unvermittelte Handlungssprünge den Genuss. Der Tiefgang, den die Geschichte eigentlich hat, kommt dabei nicht so recht zum Tragen. So bleibt ein netter Film, der belegt, dass man in Skandinavien die Zeichentricktechnik beherrscht, bei den Drehbüchern aber noch Schwachstellen zu finden sind.

Wolfgang J. Fuchs

 

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