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Ausgabe 87-3/2001

"Kinder müssen lernen dürfen"

Gespräch mit Claus Strigel zu seinem neuen Film "Die grüne Wolke"

(Interview zum Film DIE GRÜNE WOLKE)

Die Verfilmung von Alexander Sutherland Neills Abenteuer-Bestseller "The Last Man Alive" (deutsch: "Die Unversteuerten") hat bereits im Vorfeld der Premiere für Polemiken gesorgt wegen der stoischen Weigerung der FSK, den Film ab sechs Jahren freizugeben. Schließlich ist die Freigabe erfolgt. Der Film, der bereits eine Nominierung für den Goldenen Spatz beim Festival in Gera hatte und beim Filmfest München gezeigt wurde, ist seit dem 12. Juli in unseren Kinos zu sehen.

KJK: Hat die FSK Schnitte verlangt?
Claus Strigel: "Ich habe ein paar kleine Schnitte gemacht, die den Charakter des Films aber überhaupt nicht tangiert geschweige denn verändert haben. 'Die grüne Wolke' ist nach wie vor der Film, den ich machen wollte."

Was war Ihre Motivation, dieses Buch des legendären Summerhill-Erfinders und -Gründers zu verfilmen?
"Ich war schon als Jugendlicher ein Summerhill-Fan, wäre dort am liebsten gewesen. 'The Last Man Alive' habe ich mit 18 gelesen und das Buch hat sich in mir festgefressen. Als ich für die Verfilmungsrechte bei Rowohlt optimierte, lernte ich einen Gleichgesinnten kennen, den Autor Martin Ostreichen. Gemeinsam schrieben wir das Drehbuch, ich als sein Co-Autor. Neills Buch galt immer als unverfilmbar, aber wir fanden einen Schlüssel: Neill hat die seinerzeit bekannten Groschen- und Gangsterromane zitiert, die auch die Kinder damals drauf hatten. Also haben wir ausgehend von dieser Grundidee uns nicht sklavisch an das Original gehalten, sondern versucht, uns in Neills Geist und Humor zu versetzen und mit heutigen Genres und Themen gearbeitet. Neill hat das damals sehr schön beschrieben: 'Der Sinn stand nach Blut und Donnergrollen.' Also haben wir uns auf den Geschmack der heutigen Kinder konzentriert und ebenfalls deftig und ohne moralische Auflagen erzählt. Denn auch Neill hat erklärtermaßen seine Geschichte nicht als erzieherisch betrachtet, wollte die Kinder unterhalten, ihnen Spaß machen."

Gilt nicht Neill als Erfinder der antiautoritären Erziehung?
"Als der wird er missverstanden. Er hatte vielmehr ein sehr simples Prinzip – er hat sich nicht über die Kinder gestellt und vor allem nicht die Kinder über sich gestellt. Von ihnen erwartete er die gleiche Wertschätzung, die er ihnen entgegen brachte. Bei den Dreharbeiten haben wir die Kinder genauso behandelt – und das hat fabelhaft funktioniert. Wenn ich Kindern einen Ernst und eine Wertschätzung entgegen bringe, bekomme ich die auch zurück. Neill selbst nannte seine Methode die 'nicht autoritäre Erziehung'. Es ist das Prinzip der selbstsicheren Erwachsenen, das in Summerhill lebt. Und der Humor ist außerdem sehr wichtig."

Waren Sie selbst anlässlich der Arbeit an dem Film in Summerhill?
"Nein, leider habe ich es nicht geschafft. Aber ich möchte den Film jetzt den Leuten dort zeigen, vor allem Neills Tochter Zoe Redhead, die das Institut heute leitet. Seit den 20er-Jahren leidet Summerhill immer wieder unter Schließungs-Androhungen, die letzte war vor zwei Jahren. Auch in England gibt es wie bei uns eine staatliche Schulhoheit und Privatschulen müssen bestimmten Kriterien entsprechen. Der interessanteste Streitpunkt war und ist weiter die Tatsache, dass Summerhill keinen Unterrichtszwang hat. Das heißt, Kinder, die dort hinkommen, dürfen den Unterricht besuchen, müssen nicht."

Das klingt wunderbar – nach Freiheit?
"Ja, nach Forderung der Persönlichkeit. Unser Schulsystem, finde ich, stellt das Wesentliche auf den Kopf: Schulpflicht bedeutet, Kinder müssen lernen – worin bereits die Prämisse liegt, dass Kinder nicht lernen wollen. Was überhaupt nicht stimmt, denn Kinder sind neugierig, wollen die Welt erobern und verstehen, wollen mitmischen in der Welt und wissen genau: Dafür möchte ich lesen und schreiben können, all das können, was dafür nötig ist. Das heißt: Kinder wollen lernen und sie müssen es dürfen. Der Weg zum Dürfen und zum Wollen ist einem jedoch verstellt, wenn man muss. Diese einfache Erkenntnis, die Neill wieder auf die Beine gestellt hat, hat sich interessanterweise auch heute noch nicht so wirklich durchgesetzt."

Wie schwierig war es, "Die grüne Wolke" finanziell zu realisieren?
"Wir hatten ein Budget von neun Millionen Mark für den Film und die TV-Serie, 9 mal 30 Minuten. Es gibt sehr viele digitale Effekte, für den Kinofilm ging eine halbe Stunde durch den Computer – da hat uns Das Werk in München entscheidend unterstützt, sonst wäre es überhaupt nicht gegangen. Wir hatten 100 Drehtage und etwa 50 Prozent Studio-Dreh. Förderung bekamen wir unter anderem vom Kuratorium junger deutscher Film, FilmFernsehFonds Bayern, der Filmförderung Hamburg, von Media II, MDM, BKM, FBB. Und im letzten Moment, als wir fast hätten den gesamten Dreh absagen müssen, ist Bernd Eichinger mit der Constantin professionell realistisch eingestiegen."

Mit dem Regisseur sprach die Münchner Filmjournalistin Frauke Hanck

 

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