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Ausgabe 88-4/2001

ATLANTIS – DAS GEHEIMNIS DER VERLORENEN STADT

ATLANTIS – THE LOST EMPIRE

Produktion: Disney Studios / Don Hahn; USA 2001 – Regie: Gary Trousdale, Kirk Wise – Buch: Tab Murphy – Schnitt: Ellen Keneshea – Produktionsdesign: David Goetz – Musik: James Newton Howard – Länge: 95 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Buena Vista (35mm) Alterseignung: ab 12 J.

Washington 1914. Der junge Milo Thatch, Linguist und Bücherwurm, verdient trotz exzellenter Kenntnisse der Kartographie seine Brötchen als Hausmeister in einem Museum. Wie sein Großvater, ein berühmter Entdecker, ist auch Milo fasziniert vom Mythos des im Meer versunkenen Atlantis und träumt davon, dessen Forschungen fortzuführen. Als ein mysteriöses Buch, das Hinweise auf den möglichen Fundort enthält, mit Hilfe des exzentrischen Milliardärs Preston Whitmore gefunden wird, heuert Milo für eine Expedition an, die im Auftrag Whitmores in den Tiefen des Ozeans nach der verlorenen Zivilisation suchen soll.

Unter der Führung von Captain Rourke bricht eine bunte Expertentruppe mit einem großen U-Boot auf. Doch schon nach kurzer Zeit wird das Boot von einem riesigen Monster angegriffen und zerstört. Die wichtigsten Insassen können sich retten und gelangen in eine Luftblase. Nach einigen weiteren Abenteuern stoßen sie tatsächlich auf die versunkene Stadt Atlantis, deren Bewohner von einem magischen Kristall mit Heilkräften am Leben erhalten werden. Von den Atlantis-Bewohnern freundlich empfangen, findet Milo rasch Gefallen an der schönen Prinzessin Kida. Allerdings muss der naive junge Mann erkennen, dass die meisten seiner Mitstreiter bloß habgierige Söldner sind, die den Kristall rauben und zur Erdoberfläche bringen wollen. Im Kampf ums Überleben der Urkultur schlägt er sich auf die Seite der Atlantis-Bewohner und wächst dabei über sich selbst hinaus.

Der 40. abendfüllende Disney-Zeichentrickfilm kommt mit einer ganzen Reihe von Neuerungen daher. Es gibt keine sprechenden Tiere, keine witzigen Sidekicks und auch keine auflockernden Songs oder Tanznummern mehr. Kinder spielen praktisch keine Rolle und auch die althergebrachte Trennung in gute und böse Charaktere scheint wie weggeblasen. Stattdessen setzt das Regie-Duo Gary Trousdale und Kirk Wise, das für die Disney-Filme "Die Schöne und das Biest" und "Der Glöckner von Notre Dame" verantwortlich zeichnet, auf Spannung und Action, wobei es sich in vielerlei Hinsicht an Realfilmspektakel wie "Krieg der Sterne", "Indiana Jones" oder die legendären Jules Verne-Verfilmungen anlehnt.

Dementsprechend füllen mehrere Schießereien mit Robotermonstern und ausgerasteten Kapitalisten das außergewöhnlich humorarme 'action-adventure-movie', das zum Ende hin mit einem gigantischen Erdbeben und allerlei esoterischen Zutaten aufwartet. Abgesehen von derlei New Age-Brimborium stören vor allem etliche Löcher in der Story-Logik, etwa wenn Captain Rourke auf unerklärliche Weise die unermessliche Kraft des geheimnisvollen Kristalls erläutern kann oder plötzlich quasi aus dem Nichts arglistige Schergen auftauchen, um den verräterischen Söldnern bei der Flucht zu helfen.

Für Disney-Verhältnisse wagen sich Wise/Trousdale in ihrem CinemaScope-Film vor allem bei Milos Expeditionsteam ungewöhnlich weit auf das Terrain jenseits der 'political correctness': Gehört zu der Mannschaft doch eine Kettenraucherin, ein Pyromane und ein abgedrehter französischer Sonderling mit einer Obsession für Schmutz. Und etliche Atlantis-Girls sparen auch nicht gerade mit Sex-Appeal.

Abgesehen davon, dass die Suche nach der versunkenen Inselstadt schon etliche Male verfilmt wurde, schreitet das Studio auf seinem Weg zum Animationsfilm für Erwachsene fort, wobei es das Kinderpublikum allmählich zu verlieren droht. Eingestreute action-rides auf superschnellen Steinfischen, die mit Kristallantrieb durch die unterseeischen Gefilde flitzen, fungieren als offenkundiger Augenkitzel für junge Video- und Computerspielfans und bestätigen als Ausnahme eher den allgemeinen Trend. Symptomatisch dafür ist, dass beim Angriff eines See-Monsters auf das U-Boot des Helden, dessen Gestaltung aus der hauseigenen Produktion "20.000 Meilen unter dem Meer" von 1954 entlehnt wurde, mal eben 200 Menschen ertrinken, denen danach nur in einer Zeremonie kurz gedacht wird.

Erwartungsgemäß ist die handwerkliche Umsetzung exzellent, auch die Kombination traditioneller zweidimensionaler Zeichnungen und hochmoderner digitaler Effekte überzeugt. Leider bleiben jedoch die Hauptfiguren zu farblos wie Milo oder zu steril wie Kida, um die Zuschauer emotional zu fesseln. Dazu kommt, dass die 'bad guys' unter anderem dank ihrer Überzahl den Film streckenweise dominieren. Daran ändert auch die Multikulti-Zusammensetzung des Expeditionsteams kaum etwas, zumal man sie als Konsum fördernde Maßnahme für den Weltmarkt interpretieren darf, der zur Refinanzierung derart aufwändiger Produktionen für den Konzern immer wichtiger wird. Beflügelt von der aufkeimenden Liebe zwischen Milo und Kida kriegt das jüngste Disney-Opus am Ende aber doch noch die Kurve zu einem versöhnlichen Appell zu Toleranz und Völkerverständigung.

Reinhard Kleber

 

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