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Ausgabe 88-4/2001

MALUNDE

Produktion: Traumwerk Filmproduktion; Deutschland 2000 – Regie und Buch: Stefanie Sycholt – Kamera: Jürgen Jürges – Schnitt: Ulrike Tortora – Musik: Anette Focks – Darsteller: Ian Roberts (Kobus), Kagiso Mtetwa (Wonderboy), Musa Kaiser (Breakfast), Wilmien Russouw (Diane Malan) – Länge: 119 Min. – Farbe – Verleih: ottfilm www.info@ottfilm.de (35mm) – Altersempfehlung: ab 12 J.

Wie kann man eine politische Message in unterhaltende Form packen? Nicht nur den Intellekt und das soziale Bewusstsein ansprechen, sondern auch das Herz? Stefanie Sycholt hat diesen schwierigen Spagat bravourös geschafft. Die Absolventin der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München erzählt die Annäherung zwischen einem schwarzen Straßenjungen und einem weißen Kriegsveteran in Südafrika, der der alten Ordnung nachtrauert, in der er etwas "darstellte" und sein sicheres Einkommen hatte. Bei den nationalen südafrikanischen "Avanti Awards" wurde "Malunde" in der Kategorie "Spielfilm" in sechs Kategorien ausgezeichnet: Bester Film, Beste Regie, Beste Nebenrolle (Musa Kaiser), ex aequo ging der Preis für den Besten Hauptdarsteller an Ian Roberts als frustrierten Buren und den elfjährigen Kagiso Mtetwa als aufgewecktes Kerlchen, Kameramann Jürgen Jürges erhielt eine Auszeichnung für seine besondere Einzelleistung.

Stefanie Sycholt weiß, wovon sie redet. Sie wurde 1963 in Pretoria, Südafrika geboren, war während ihres Studiums in der Anti-Apartheid Bewegung aktiv, drehte nach ihrem Studium an der HFF (Abschlussfilm der Dokumentarfilm "Mbube: Die Nacht des Löwen" über Südafrikas bekannte A-Capella Gruppe "Ladysmith Black Mambazo") eine Reihe von Kurzfilmen und schrieb mehrere Drehbücher. In ihrem ersten langen Spielfilm wirft sie einen liebevollen Blick auf das Leben nach dem Ende der Apartheid, auf ein Land im Umbruch. Die Karten sind neu verteilt. Diejenigen, die vom rassistischen Regime profitierten, müssen sich jetzt neu orientieren, für die schwarze Mehrheit gibt es zunehmend mehr Chancen. Der Graben zwischen den Rassen ist immer noch spürbar.

Einer der "Verlierer" des alten Systems ist Kobus (Ian Roberts), ein früherer Soldat, der mit Nostalgie an die guten alten Zeiten zurückdenkt. Heute hangelt er sich von Job zu Job, verdient als Vertreter von "Regenbogen Wachs", dem "Glanz der Zukunft", seine Brötchen mehr schlecht als recht. An einer Kreuzung wischt Wonderboy (Kagiso Mtetwa), ein cleverer zwölfjähriger Schwarzer, seine Windschutzscheibe und springt plötzlich in den Wagen, als eine Gang mit der Waffe im Anschlag vorbeifährt. Kobus glaubt an einen Überfall und gibt Gas. Eigentlich mögen sich die beiden nicht, und der Fahrer setzt den ungebetenen Gast bald wieder an der Landstraße ab. Doch die Wege kreuzen sich wieder, als Wonderboy vor dem nächsten Motel ein paar Räuber von Kobus' Lieferwagen verjagt. Die beiden raufen sich zusammen: Der Mann verspricht, den Kleinen mit nach Kapstadt zu nehmen, der bewacht im Gegenzug die Ladung. Aber nicht nur das, geschäftstüchtig verscherbelt er auch das Wachs und macht ganz nebenbei einen Schuhputzservice damit auf, bald verbindet das gegensätzliche Duo eine tiefer gehende Freundschaft, die Hass und Vorurteile überwindet. Gemeinsam fahren sie durch ein Land, das sich erst langsam vom Gestern trennt und das Morgen noch nicht erreicht hat, in der Gegenwart ist das Misstrauen zwischen den Rassen fast physisch spürbar, aber auch die keimende Hoffnung auf ein friedliches Zusammenleben.

Interessant zeichnet Sycholt vor allem die Wandlung des Erwachsenen vom abweisenden Rüpel zum sensiblen Mann, der sich langsam öffnet und Emotionen sukzessive zulässt, auch wenn er nur hilflos damit umgehen kann. Da besucht er Frau und Tochter und kriegt nur harsche Vorwürfe zu hören (u. a. dass er das "Kafferkind" besser behandelt als sein eigenes), zieht sich getroffen zurück. Da tröstet er Wonderboy und macht ihm Mut, die Mutter, von der der Junge nur noch einen Brief in Händen hält, wiederzufinden. Da feiert er mit ihm Geburtstag, vermittelt ihm das Gefühl, geliebt zu werden. "Malunde" strahlt eine ungeheure Lebenskraft aus, verbreitet einen Hauch von Optimismus in schweren Zeiten. Und wer hört sie nicht gern, die melancholisch-anrührende Botschaft, die ohne falsche Schönfärberei heißt: Versöhnung ist möglich.

Margret Köhler

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 88-4/2001 - Interview - "Eigentlich wollte ich Schauspielerin werden"

 

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