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Ausgabe 88-4/2001

"Eine Hexe in unserer Familie"

(Hintergrund zum Film EINE HEXE IN UNSERER FAMILIE / EINE HEXE IN DER FAMILIE)

Dokumentation der Filmvorführung am 06.07.2001 beim 19. Kinderfilmfest München (Auszug)

Inhalt

Maria ist genervt von ihrem kleinen Bruder Lillen, mit dem sie das Zimmer teilen muss. Ihr größter Wunsch ist ein eigenes Kinderzimmer, doch das Stockholmer Vororthäuschen ist zu klein für solche Extrawünsche. Am einfachsten wäre es wenn ihr kleiner Bruder einfach verschwinden würde. Makka, ein neues Mädchen in der Nachbarschaft mit Zauberbuch und Kristallkugel, glaubt helfen zu können und zieht Maria immer mehr in ihre Hexentheorien hinein. Als Marias Eltern die neue Babysitterin Gerda für Maria und ihren Bruder engagieren, ist für die Mädchen klar, dass eine Hexe in die Familie gekommen ist und sind sich sicher, dass Gerda gekommen ist um Lillen zu holen. Als Lillen jedoch tatsächlich mit ihr verschwindet, bereut Maria ihre Verwünschung bitter und versucht verzweifelt ihren Bruder zu retten. Maria und Makka kämpfen mit allen Mitteln gegen Gerda, die sich am Ende jedoch als harmlos entpuppt. Maria hat ihren kleinen Bruder Lillen wieder und ist, trotz lästigen Kleinigkeiten, froh einen kleinen Bruder zu haben.

Reaktion der Kinder während der Filmvorführung

Die Kinder verfolgten den Verlauf des Filmes vom Anfang bis zum Ende mit großer Aufmerksamkeit. Sie waren völlig in die spannende Geschichte vertieft, was an ihren Reaktionen erkennbar war:
- Schon anfangs verfolgten die Kinder den Ablauf gespannt, z.B. als Gerda noch nicht bekannt war und Makka zum ersten Mal auf der Leinwand erschien, rätselten die zuschauenden Kinder: "Vielleicht is' des die Hexe!"
- Die Kinder fühlten mit der Hauptdarstellerin des Filmes mit und durchlebten dieselben Ängste, z. B. sagte ein kleiner Junge, als die Wunschkugel als letzte Rettung für Lillen zerbrach: "Ach, Scheiße!"
- Bei ekligen Szenen riefen die Kinder "Iihh!", rümpften die Nasen und schauten sich ungläubig an (z. B. als Gerda die Wespe aß, als die Kinder die Fliege teilten und aßen, als Lillen die Barbie seiner Schwester kopfüber in einen Farbtopf tauchte)
- Bei lauten Geräuschen erschraken die angespannten Kinder (z. B. bei dem Donnerschlag, der auf Marias Wunsch folgte, keinen kleinen Bruder mehr zu haben); ein Kind stieß noch dazu den Ruf aus: "Oh Gott!"
- Bei sehr spannenden Szenen verharrten die Kinder beim (mitgebrachten) Essen, starrten auf die Leinwand und warteten auf eine Erlösung
- Die Kinder wollten den Filmkindern Maria und Makka irgendwie helfen, dieses Abenteuer zu überstehen und einige wiederholten den Satz "Hexe weg, in den Sack, Huckepack!", den sie im Film gehört hatten, immer wieder
- Gegen Ende, als der Film immer spannender wurde, beobachtete ich, als sich zwei Mädchen einander festhielten, um die Spannung nicht allein ertragen zu müssen; sie hielten die Luft an, duckten sich und hielten sich die Hände vors Gesicht; das alles aber nicht ohne sich immer wieder anzugrinsen; die Spannung war also nicht unerträglich, sondern noch in einem angenehmen Rahmen
- Ein kleinerer Junge wollte bei spannenden Szenen auf den Schoß der Mutter, wollte aber dennoch nichts verpassen und konnte nicht von der Leinwand ablassen
- Bei gruseligen Szenen reagierten die Kinder mit Ausrufen und Unterhaltungen; sie wollten nicht allein sein mit ihrer Anspannung; z. B. sagte bei der Szene, in der Maria und Makka bei Kerzenlicht saßen und versuchten die Hexe zu verwünschen, ein Mädchen: "Oh Gott, was machen die denn?", und ein kleiner Junge: "Ich hab' Angst!"
- Gegen Ende lehnten sich die Kinder auf ihren Plätzen immer weiter vor, da sie nicht mehr ruhig sitzen konnten.

All diese Reaktionen zeigen, wie vertieft die Kinder in die spannende Geschichte waren. Sie zeigten ihr Mitgefühl und ihre Ängste offen durch Handlungen und Ausrufe. Wenn kleinere Kinder der Handlung manchmal nicht ganz folgen konnten, erkundigten sie sich gleich bei ihren Eltern: "Was macht die da?", "Warum hat die geweint?" Da der Film viele humorvolle Szenen enthält, lachten die Kinder oft. Am Ende des Filmes wurde eine allgemeine Erleichterung bemerkbar. Der Film hatte das gewünschte Happy End und wurde mit begeistertem Beifall belohnt.

Verwendbarkeit des Filmes für die Kinderkulturarbeit

"Eine Hexe in unserer Familie" ist eher ein ruhiger Film, der mit wenig Aufwand plötzlich sehr spannend wird. Vor allem durch Dunkelheit, durch das Spiel von Licht und Schatten und durch geeignete Musik erhält er die gewünschte Dramatik. Unterstützend wirkt hier auch die zum Teil eingesetzte Handkamera, deren wackligen Bilder der Zuschauer nicht gleich scharf erkennen kann und seine Unsicherheit dadurch verstärkt wird.

Der Film ist vom Anfang bis zum Ende sehr aufregend, wobei sich die Spannung Schritt für Schritt aufbaut. Fesselnde Szenen sind aber nicht unerträglich gestaltet, die hohe Anspannung wird meist durch plötzlich auftretende helle Farben und durch die jungen Hauptdarsteller wieder etwas verringert. Der Nervenkitzel bleibt also in einem erträglichen Rahmen.

Gerda sieht aus wie eine typische Hexe: sie hat eine Warze auf der Nase, graue zerzauste Haare, sie ist alt und pummelig, trägt eine Brille und große Stiefel. Dieses Bild kommt den Vorstellungen der Kinder über eine Hexe sehr entgegen. Dennoch, die Hexe ist nicht böse, sie ist sogar sehr mütterlich und sorgt sich um die Kinder. Dies könnte einen Teil der allgemeinen Angst vor Hexen nehmen.

Der Film regt die kindlichen Phantasien und Sehnsüchte an. Wer hat sich noch nie danach gesehnt, dass seine Wünsche in Erfüllung gehen? Ist Gerda tatsächlich eine Hexe? Hat die Kristallkugel gewirkt oder war es nur Zufall, dass Gerda aufgetaucht ist? Die Wunschkugel ist hierbei ein wichtiges Element. Jedes Kind stellt sich einmal vor, solch einen Gegenstand mit magischen Kräften zu besitzen. So märchenhaft der Film ist, er hat auch realistische Aspekte. Die Ängste, Sehnsüchte und Wünsche der Hauptdarstellerin sind vielen kindlichen Zuschauern vertraut.

Die Kinder werden auch mit der Realität konfrontiert, indem er bestimmte Aspekte des Zeitgeistes übernimmt. Genauso wie Makka haben auch viele zuschauende Kinder keinen Vater mehr und leben mit ihrer Mutter allein. Viele Mütter müssen heutzutage ebenfalls den ganzen Tag arbeiten, um den Lebensunterhalt zu verdienen. Im Film wird gezeigt, wie selbstverständlich Makka mit dieser Situation umgeht. Die Mutter hat kaum Zeit für ihre Tochter, dennoch haben sie eine gute Beziehung zueinander und halten zumindest durch das Telefon regelmäßigen Kontakt. Diese Tatsache kann Kindern in derselben Situation Mut geben. Makka fungiert hier als hervorragende Identifikationsfigur und ist ein positives Vorbild: Sie ist sehr selbstständig und übernimmt Verantwortung, sie zeigt kaum Angst und ist äußerst selbstbewusst.

In dem Film wird ein universelles Thema behandelt: ältere Schwester, jüngerer Bruder und all die Probleme, die sich daraus ergeben. Vielen Kindern ist die Situation gut bekannt. Denn ein Kind empfindet seine kleineren Geschwister oft negativ, am liebsten hätte es seine Ruhe und wäre allein. Der Film zeigt sehr schön, wie man das Verschwinden der Geschwister bereuen würde, auch wenn man von Zeit zu Zeit solch einen Wunsch verspüren mag. Eventuell kann der Film helfen, diese Erkenntnis zu erlangen und manche Schwächen seiner Geschwister besser zu ertragen.

Außerdem zeigt der Film eine schöne Mädchenfreundschaft. Die beiden Freundinnen helfen sich immer gegenseitig, kämpfen gemeinsam gegen die Hexe Gerda, halten zusammen und lassen sich nie im Stich. Aber auch hier werden Probleme nicht verschwiegen: auch Streit kann zwischen Freunden vorkommen. Die Freundschaft, und damit die beiden Filmmädchen, werden nicht perfekt dargestellt, auf welche Weise sie für die Kinder erreichbar und realistisch bleiben. Zusätzlich wird eine Lösungsmöglichkeit für diese Art von Konflikten aufgezeigt.

Im Allgemeinen ist der Film "Eine Hexe in unserer Familie" ein sehr schönes Märchen, das Spannung und Nervenkitzel verspricht. Und obwohl sich der ganze Spuk am Ende rational erklären lässt, wollte der Regisseur Harald Hamrell die Kinder wohl nicht ohne ein Quäntchen Ungewissheit entlassen: am Ende fliegt eine Hexe durch die Lüfte davon. Auch dieses Finale kurbelt die kindliche Phantasie mit Sicherheit an, ohne jedoch Ängste zu schaffen.

Der Film wurde von den Kindern durch die Abstimmung mit der Eintrittskarte einstimmig beurteilt: 100 Prozent der Kinder stimmten für sehr gut. Erstaunlicherweise fanden auch die Kinder, die große Angst während des Filmes zeigten, den Film hervorragend. Die Anspannung blieb somit wohl in einem angemessenen Rahmen. Solch eine Bewertung erlangte kein zweiter Film auf dem 19. Kinderfilmfest München. Dennoch muss eingeräumt werden, dass der Film zwar ab 6 Jahren empfohlen werden kann, die Sechsjährigen jedoch sehr tapfer und nicht zu sensibel sein sollten.

Jutta Baumann

 

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