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Ausgabe 89-1/2002

DER HERR DER RINGE – DIE GEFÄHRTEN

LORD OF THE RINGS I: THE FELLOWSHIP OF THE RINGS

Produktion: New Line Cinema / Warner Bros. / Wingut Films; USA 2001 – Regie: Peter Jackson – Buch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson, nach dem Roman von J.R.R. Tolkien – Kamera: Andrew Lesnie – Schnitt: John Gilbert – Musik: Howard Shore – Darsteller: Elijah Wood (Frodo Beutlin), Ian McKellen (Gandalf), Viggo Mortensen (Aragorn), Sean Astin (Sam Gamdschie), Christopher Lee (Saruman), Liv Tyler (Arwen), Cate Blanchett (Galadriel) u. a. – Länge: 178 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – Verleih: Warner Bros. (35mm) – Altersempfehlung: ab 14 J.

2001 bot das große Comeback des Fantasyfilms: Das begann im Januar mit Ang Lees furiosem Martial Arts-Märchen "Tiger and Dragon", setzte sich im Sommer mit dem phänomenalen Erfolg des französischen Films "Die fabelhafte Welt der Amelie" fort und fand zum Jahresende seinen Höhepunkt mit den Starts von "Harry Potter und der Stein der Weisen" sowie dem lang erwarteten (ja von vielen heißersehnten) ersten Teil von Tolkiens berühmter Erzählung vom Großen Ring-Krieg: "Der Herr der Ringe – Die Gefährten".

"One Ring to rule them all, One Ring to find them, One Ring to bring them all and in the darkness bind them in the Land of Mordor where the Shadows lie." – "Ein Ring, sie zu knechten, sie alle zu finden, ins Dunkel zu treiben und ewig zu binden im Lande Mordor, wo die Schatten droh'n."

Zeilen, die für viele Leser von Tolkiens Epos eine magische Welt beschwören, deren düsterer Zauber sie nicht mehr loslässt. Für die, die sie noch nicht kennen, folgt nun die Geschichte in gebotener Kürze: Einst schmiedete Sauron, die Inkarnation des Bösen, einen magischen Ring, der alle anderen magischen Ringe – selbst die der unsterblichen Elben – beherrschen konnte. Doch im ersten Großen Ringkrieg wurde ihm der Ring samt Finger abgeschnitten und versank danach im Dunkeln. Mehrere Jahrhunderte später gelangte der Ring in den Besitz von Bilbo Beutlin, einem abenteuerlustigen Hobbit aus dem Auenland. Dieser übergibt ihn – wenn auch widerwillig – an seinem 111. Geburtstag an seinen Lieblingsneffen Frodo, der noch nicht ahnt, welche Bürde ihm damit auferlegt wurde. Einzig Gandalf, Zauberer und Freund des Hauses Beutlin, beginnt um die fürchterliche Macht des Ringes zu ahnen. Eines Tages konfrontiert er Frodo mit der düsteren Geschichte des Großen Ringes und seiner finsteren Macht. Denn der Ring ist gefährlich: Er vermag seinen Träger zu beeinflussen und je weniger er verwendet wird, umso besser. Und er muss zerstört werden: Denn wenn Sauron, dessen Macht im finsteren Mordor stetig wächst, ihn zurückbekommt, wird die Dunkelheit über Mittelerde hereinbrechen und selbst das beschauliche Auenland wird in Finsternis versinken. Frodo bleibt nur ein Ausweg: Er muss das Auenland verlassen und den Ring nach Mordor bringen und ihn dort in die Schicksalsklüfte werfen, wo er einst geschmiedet wurde. Nur mit Müh' und Not und schwer verletzt erreicht er mit Hilfe von Streicher, einem geheimnisvollen Fremden, das Haus des Elben Elrond. Dort entscheidet ein Rat aus Elben, Menschen, Zwergen und Hobbits, dass eine Gemeinschaft aus neun gebildet wird, Frodo auf seiner gefahrvollen Reise zu begleiten. Doch die Macht des Ringes vermag sogar in der Gemeinschaft Zwietracht zu säen. Und so brechen Frodo und sein treuer Diener Sam am Ende des Films alleine nach Mordor auf.

Der neuseeländische Filmemacher Peter Jackson hat sich mit diesem Mammutprojekt, dessen drei Teile bereits vollständig abgedreht sind, an das Unmögliche gewagt. Denn Tolkiens düstere Fabel aus dem Land Mittelerde hat Millionen von Fans auf der ganzen Welt und galt nicht nur wegen der notwendigen Masken, Tricks und aufwendigen Massenszenen bislang als unverfilmbar. Jackson wagte das große Abenteuer und war dabei alles andere als schüchtern; schon die Auftaktszene von der großen Entscheidungsschlacht des Ersten Ringkrieges setzt Maßstäbe: Tausende von Kämpfern prallen auf einer großen Ebene aufeinander und wir werden Zeuge, wie Sauron den Ring verliert. Damit zeigt Jackson bereits zu Beginn, was dem Leser erst im Lauf der Geschichte enthüllt wird. Mit diesem Kunstgriff gelingen ihm zwei Dinge: Er etabliert nicht nur die Geschichte in ihrem großen Zusammenhang, sondern schafft gleich jene Atmosphäre düsterer Bedrohung, die Tolkiens Buch durchzieht. Damit werden die folgenden Sequenzen aus dem idyllischen Auenland nicht zum rückwärtsgewandten Kitsch, sondern man hat immer die Bedrohung, die über dieser Idylle schwebt, im Hinterkopf. Wie es sich überhaupt als Vorteil erweist, dass Jackson nicht sklavisch an der Vorlage klebt, sondern sich Freiheiten erlaubt: Manche Ereignisse und Figuren aus dem Buch fehlen völlig und wo Tolkien zeitlich versetzt erzählt, da geht Jackson ganz linear vor.

Die große Schlacht zu Beginn etabliert aber zugleich auch die Härte, die dem Buch innewohnt. Insofern ist das hier sicherlich nichts für Kinderaugen; zumal der erste Film ja nur den Vorgeschmack auf kommende Ereignisse bietet. Der große Aufwand, den Jackson hier in jeder Hinsicht betrieben hat – und den hervorzuheben die Presseabteilung von Warner sich alle Mühe gab – ist jedoch nie Selbstzweck. Er dient einzig dazu, die Geschichte im einzig möglichen Rahmen zu erzählen; als großes Epos mit archetypischen Motiven. Damit gelang Jackson, was bei Literaturverfilmungen die große Ausnahme ist: Er erfasste die Essenz des Buches und setzte sie in Bilder um, die man so schnell nicht vergessen wird.

Auch im Einsatz von Landschaften erweist Jackson sich als Meister der Atmosphäre. Sein Auenland ist die perfekte Verkörperung von Tolkiens Beschreibungen und erinnert an ein England vor der industriellen Revolution. Hinzu kommen gut ausgewählte Darsteller: Natürlich ist Elijah Wood alles andere als pausbäckig und rund (wie bei Tolkien) und dennoch ist er als Frodo ideal: Schüchtern und neugierig zugleich, verängstigt und doch mutig blickt er den Gefahren ins Auge. Und wenn die zwei Altstars McKellen und Lee aufeinander treffen, bietet der Film sogar echte Perlen der Schauspielkunst. All das inszeniert Jackson mit einer furiosen Kamera und atemberaubenden Tricks.

Schade allein, dass die Musik von Howard Shore nicht immer so meisterlich ist, wie es dieser Film verdient hätte. Vor allem seine – zeitweise stark an den Titanic-Soundtrack erinnernde – Mischung aus keltischer Folklore und Frauenchören, die er den Elben zuordnete, ist eine Spur zu kitschig und verwässert die Figuren, macht aus ebenso schönen wie mächtigen Unsterblichen kitschige Engel, die sie im Roman nicht sind.

Dennoch gelang Jackson mit seiner monumentalen Umsetzung dieses Fantasy-Klassikers ein Meilenstein im Genre des phantastischen Films, der neugierig macht auf die zwei folgenden Teile. Er macht aber neugierig auf das Buch, egal ob man es schon gelesen hat oder nicht. Und eins ist jetzt schon klar: Wenn 2004 die ersten Kinos die große "Herr der Ringe"-Nacht anbieten: Ich bin dabei.

PS: Jetzt noch ein paar Worte zum unvermeidlichen Vergleich zwischen "Herr der Ringe" und "Harry Potter": Zwei Filme, die sehr genau die Distanz zwischen sklavischer Bebilderung und kreativer Umsetzung der Vorlage illustrieren. Ganz nebenbei kann der aufmerksame Betrachter erkennen, wie sehr Frau Rowling sich bei ihrem großen Vorbild bedient hat.

Lutz Gräfe

 

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