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Ausgabe 89-1/2002

IRIS

Produktion: Arancia Cinema und TELE+; Italien 2000 – Regie und Buch: Aurelio Grimaldi – Kamera: Massimo Intoppa – Musik: Maria Soldatini – Darsteller: Arancia Cecilia Grimaldi, Guja Jelo, Salvatore Lazzaro, Barbara Gallo, Francesco Di Leva u. a. – Länge: 76 Min. – Farbe – Weltvertrieb: ACHAB FILM, Viale Gorizia 24/c, I-00198 Rom, Tel. 0039-06-8547230, Fax 0039-06-85355692 – Altersempfehlung: ab 8 J.

Mit wenigen Einstellungen zeichnet Regisseur Aurelio Grimaldi zu Beginn seines Debütfilms das typische Ambiente einer süditalienischen Insel. Treppen vom Hafen in die kleine Stadt, Gärten am Hang, das Fährschiff als einzige Verbindung zur Welt. Frauen streiten, Matrosen bereiten sich auf die Abreise vor. Dann ein Schwenk, und die siebenjährige Maria kommt ins Bild. Es wird deutlich, alles, was bisher gezeigt wurde, war mit den Augen des Mädchens gesehen.

Der Film behält diesen Blick im weiteren Verlauf konsequent bei. Maria ist verträumt, sie lässt sich durch den Alltag treiben, der Tagesablauf scheint immer wieder kehrenden Ritualen zu folgen. Doch plötzlich wird Maria daran erinnert, dass die Mutter an diesem Tag Geburtstag hat. Das Mädchen eilt zum Markt, um dort Blumen zu kaufen. Ein Strauß blauer Iris soll es sein. Doch das Geld Marias reicht nicht einmal für eine Blume. Helfen kann jetzt nur noch der Vater, doch der ist beim fernen Leuchtturm auf dem Berg beschäftigt. Maria macht sich auf den Weg. Die Frage ist, wird sie es schaffen, bevor die Markthändler ihre Stände schließen. Daraus erwächst eine Spannung, die den Zuschauer mehr und mehr in ihren Bann zieht. Maria ist neugierig auf das, was sie am Rande ihres Weges sieht, lässt sich ablenken.

Zunächst ist es eine Frau, die hektisch aber scheinbar unmotiviert irgendein Telefongespräch führen muss. Dann trifft Maria ein nettes Touristenpärchen und schließlich begegnet sie einem Matrosen, der sich auffällig für das Kind interessiert. Die Annäherung des Mannes wirkt sehr diffizil. Er erscheint nett, doch seine Worte haben auch eine Komponente, die Gefahr für das kleine Mädchen bedeuten könnte. Der Zuschauer sieht die Szene durchaus im Kontext seines Wissens um perverse Sexualverbrecher. Eindeutig werden entsprechende Bezüge aber nicht hergestellt. Insofern bleibt auch diese Szene im Rahmen der Leichtigkeit, mit der Grimaldi seine kleine Geschichte erzählt. Maria reagiert auf den Matrosen mit einer ähnlichen Mischung aus Naivität, Neugier, Unverständnis und Selbstbewusstsein, wie sie auch den anderen Erwachsenen gegenübertritt. Dies ermöglicht es ihr, Distanz zwischen sich und ihrer Umwelt zu schaffen. Letztendlich hat sie ja auch ein wichtiges Ziel, das sie bei aller Ablenkung nicht aus dem Auge verlieren möchte. Sie erreicht schließlich den Vater und kann am Ende ihre Mutter zum Geburtstag glücklich machen. Maria bemüht sich um einen kleinen Glücksmoment. Dies entwickelt sich im Verlaufe der Handlung zu einer universellen Botschaft. Das Besondere ist die Mühe, die sich das Mädchen macht, um ihre Mutter zu erfreuen. Mit der Herausforderung, die sie in diesem Zusammenhang eingeht, entwickelt sich ihre Persönlichkeit.

Der Film nimmt sein junges Publikum sehr ernst und vertraut auf dessen eigene Beobachtungen, ohne diese zu kommentieren. Es wird keine abstrakte Kinderwelt konstruiert, in der sich eine abgeschlossene Geschichte abspielt. Regisseur Grimaldi bleibt in der Realität, mit der Kinder aufwachsen, doch er versteht es, innerhalb dieser Realität die Sichtweise und die Sprache der Kinder autark herauszustellen.

Klaus-Dieter Felsmann

 

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KJK-Ausgabe 89/2002

 

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