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Ausgabe 89-1/2002

MOMO – 2001

Produktion: Cecchi Gori Group Tiger Cinematografica / Taurus; Italien / Deutschland 2001 – Regie: Enzo D'Alò – Buch: Enzo D'Alò, Umberto Marino, nach dem gleichnamigen Roman von Michael Ende – Schnitt: Simona Paggi – Musik: Gianna Nannini – Länge: 86 Min. – Farbe – FSK: o. A. – Verleih: MFA (35mm) – Altersempfehlung: ab 10 J.

Die antiken Ruinen am Rande einer italienischen Kleinstadt sind das Paradies der Kinder. Hier bekommt ihre Phantasie Segel und Flügel. Gigi ist der Einfallsreichste. Als eines Tages ein Mädchen von Nirgendwo auftaucht und sich als Momo vorstellt, nimmt Gigi die kleine Süße sofort unter seine Fittiche. Auch Beppo, der gemütliche Straßenkehrer, schließt mit Momo Freundschaft und schenkt ihr eine Puppe. Überhaupt läuft hier das Leben beschaulich, so wie im Frisiersalon. Da steht das Gespräch im Vordergrund und nicht der Haarschnitt. Diese Idylle wird bedroht.

Zuerst sind es nur vorüberhuschende Schatten, von den Menschen noch nicht wahrgenommen. Aber dann nehmen die Schatten Gestalt an, gleichförmig in Dunkelgrau gekleidete Männer, mit glühenden Zigarren, an denen sie von Zeit zu Zeit gierig ziehen, als sei es ihr Lebensmotor. Und so ist es! Die Zigarren nämlich bestehen aus der Zeit, die die Männer den Menschen abgehandelt haben. Sie brauchen immer mehr und jetzt ist diese Kleinstadt das Opfer der Zeitdiebe. Nach erfolgreichem Friseurbesuch wollen sie auch Momo die Zeit stehlen. Doch da haben sie sich verrechnet. Momo lässt sich nichts vormachen. Unbefangen fragt sie den grauen Herrn über seine Ziele und erfährt mehr, als bekannt werden darf. Momo versucht allen ihren Freunden zu erklären, dass sie betrogen werden, doch vergeblich. Sie eilen schon davon. Die weise Schildkröte Kassiopeia weiß was zu tun ist. Sie führt Momo zu Meister Hora, dem Hüter und Verwalter aller menschlichen Zeit. Der schenkt ihr für ihre wichtige Mission die Stundenblume.

Als sie zurück kommt ist ein Jahr vergangen und alles hat sich verändert. Nicht nur das Straßenbild, sondern auch die Freunde von einst. Der Friseur schneidet im Akkord, Beppo fegt wie der Blitz und Gigi ist Popstar geworden, umjubelt von Fans, umgarnt von TV-Produzenten. Er freut sich, Momo wieder zu sehen, aber er hat keine Zeit für ein Gespräch. Wie auch alle anderen nicht. Die erfolgreichen grauen Herren spüren die Gefahr, die von Momo ausgeht. Und Momo weiß, wie sie sie ausschalten kann. Dazu hat sie nur eine Stunde Zeit ... Am glücklichen Ende sind alle wieder so, wie sie waren und haben alle Zeit der Welt füreinander.

Dieser neuen Momo-Verfilmung liegt der Märchenroman von Michael Ende "Momo oder die seltsame Geschichte von den Zeitdieben und dem Kind, das den Menschen die gestohlene Zeit zurückbrachte" (1973) zu Grunde. Die erste Verfilmung unter der Regie von Johannes Schaaf 1986 mit Starbesetzung (Mario Adorf, Armin Müller-Stahl, John Huston und Radost Bokel als Momo) verschlang 20 Millionen Mark und verfehlte ihre Wirkung beim Publikum. Enzo D'Alò, Meister des italienischen Animationsfilms ("Der blaue Pfeil", "Kater Zorbas") nahm sich jetzt der komplizierten Geschichte an. Kompliziert deshalb, weil Kindern die Bedeutung der Zeit unbedeutend ist, sie ein anderes Zeitgefühl als Erwachsene haben und schon gar nicht die Begrenztheit als Lebensbedrohung erleben.

Die Figuren und farbigen Hintergründe, die Choreografie der grauen Männer, die Dynamik der Verwandlung sind unverwechselbar und zeugen von dem Können Enzo D'Alós. Die Musik von Rockstar Gianna Nannini passt perfekt. Und doch: Das große Kinoerlebnis bleibt aus, und das liegt an der Geschichte, die sich vielleicht wirklich nicht zur Verfilmung eignet, wie Michael Ende schon ahnte, als die erste Verfilmung geplant war. Die Verhandlungen damals gestalteten sich als höchst kompliziert. Kompliziert ist die Geschichte, die auf zwei weit auseinander liegenden Ebenen spielt, auch in dieser neuen Verfilmung geblieben. So ist Momo im Stil eines kleinen Findlings gezeichnet, einfach zu naiv scheinend, um die Brisanz des Geschehens zu erfassen. Sie wendet sich eindeutig an ein Kleinkindpublikum, das von ihr an die Hand genommen wird – durch die Geschichte, aber nicht in die Geschichte. Im Gegensatz dazu steht die Philosophie von der zeitlosen Glückseligkeit, die sich an ein reflektierendes, auf jeden Fall älteres Publikum wendet. Dennoch, der Film hat starke Momente für Kinder und für Erwachsene, dazu zählen besonders die Massenszenen der grauen Männer.

Von der FSK wurde "Momo" ohne Altersbeschränkung freigegeben. Auf Grund unserer Erfahrung ist der Film selbst für filmerfahrene Kinder ab acht Jahren keine einfache Kinokost. Zum besseren Verstehen dieser Zeit-Geist-Satire empfiehlt sich die Lektüre von Michael Endes Buch "Momo" – vor oder nach dem Filmbesuch.

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

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