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Ausgabe 93-1/2003

25 Jahre KJF

Gespräch mit Horst Schäfer, dem Leiter des Kinder- und Jugendfilmzentrums in Deutschland (KJF), anlässlich des Jubiläums

Interview

Im Jahr 1977 wurde das Kinder- und Jugendfilmzentrum in der Bundesrepublik Deutschland (KJF) gegründet. Seinerzeit bündelten sich in der Neugründung Initiativen, denen es zum einen um die Förderung eines neuen deutschen Kinderfilms ging, zum anderen um die Errichtung von Kinderkinos und anderen Abspielstätten als Alternative zu der damals desolaten Kinosituation. Die Bereitstellung von audiovisuellen Medien für außerschulische, nichtgewerbliche Belange gehörte schon vor 25 Jahren zu den zentralen Aufgaben des KJF. Zusammen mit dem 16mm-Vertriebspartner, dem Institut für Film und Bild in Wissenschaft und Unterricht (FWU), wurden Filme unterschiedlicher Genres und Formate herausgebracht, die das Vertriebs- und Verleihangebot erweiterten, neue Impulse setzten und der Programmarbeit den Rücken stärkten. Wenn heute der deutsche Kinderfilm sich auch filmwirtschaftlich wieder rentiert und ein breites Angebot an kommerziellen und nichtkommerziellen Kinos mit Kinderprogrammen vorhanden ist, dann hat dazu auch das KJF beigetragen.

KJK: Was war der Anlass für die Gründung des KJF?
Horst Schäfer: "Die Vorbereitungen der Gründung auf Initiative des Bundesjugendministeriums haben etwas länger gedauert, weil das KJF von der Aufgabenbeschreibung her eine Sache der Länder ist, die für Kultur, Jugend und Medien zuständig sind. Und um ein solches Zentrum zu gründen, das zum Beispiel Bundeswettbewerbe oder Lizenzeinkäufe organisiert, die nicht jedes Land einzeln machen sollte, musste man eine Abstimmung mit allen Obersten Landesjugendbehörden erreichen. Von der Idee bis zur Gründung gab es also zwei Jahre Vorlauf. 1977 wurde das KJF dann als Bundeseinrichtung installiert. Man hat sich für die Akademie Remscheid als Rechtsträger entschieden, weil die Akademie schon zu je 50 Prozent vom Bund und vom Land NRW bezahlt wurde. Es war daher nicht nötig, ein Institut in einer Stadt neu zu installieren."

Was waren die Schwerpunkte damals?
"Eine zentrale Aufgabe war, die aufkommende Kinderfilmszene zu beleben und zu bereichern. In diesem Zeitraum lag die Gründungsphase des Fördervereins Deutscher Kinderfilm, es entstanden Initiativen wie das Kinderkino München. Das Bundesinnenministerium förderte die Kinderfilmproduktion. Das KJF belebte in der Gründungsphase diese Vorstöße dadurch, dass es in der Akademie regelmäßige Tagungen zu praktischen Organisationsfragen wie etwa 'Wie mache ich Kinderkino?' oder zu Kinderfilmkulturwochen organisierte und übergreifende Kataloge und Arbeitshilfen angefertigt hat.
Ein weiterer Schwerpunkt war die Bereicherung des Vertriebs. Wir haben mit dem FWU in den Folgejahren zahlreiche Titel für nichtgewerbliche Nutzer auf den Markt gebracht. Darunter internationale Spielfilme aus dem Programm des Frankfurter Lucas-Festivals, aber auch Kurzfilme für die Medienarbeit. Im Grunde waren der Vertrieb und die medienpädagogische Arbeit Kernpunkte im Entstehungsjahr des KJF."

Wurde nicht auch recht früh der Deutsche Jugendfotopreis übernommen?
"Ja; als visuelles Medium ist er dem KJF zugeordnet worden. Es war in der Gründungsphase der einzige Wettbewerb und der Preis ist im Jahr 2002 schon 40 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass haben wir den Katalog 'Fotofieber' erstellt. Außerdem gibt es eine Wanderausstellung, in der es nicht nur um eine Fotoausstellung, sondern um 40 Jahre Jugendkultur in Deutschland geht."

Welche kulturpolitischen Motive haben bei der Gründung des KJF auf Bundesebene eine Rolle gespielt?
"Da gab es zwei Motive. Einmal existierten in anderen Ländern bereits solche nationale Zentren für Kinderfilm. Zum Beispiel in der DDR. Die DDR war also auf internationaler Ebene präsent, die Bundesrepublik aber nicht. Zentren dieser Art hat es damals auch in osteuropäischen und skandinavischen Ländern sowie in England, Frankreich und Italien gegeben, mit mehr oder weniger ausgeprägten Profilen. Um im Internationalen Kinderfilmverband CIFEJ vertreten zu sein, musste man in der Bundesrepublik erst eine Bundesorganisation auf die Beine stellen. In unserer Satzung steht denn auch, dass wir die Bundesrepublik in internationalen Gremien repräsentieren. Das andere Motiv war der Abschluss von Lizenzgeschäften. Es macht ja wenig Sinn, dass etwa das Saarland oder Nordrhein-Westfalen je eigene Lizenzverträge schließt. Das muss natürlich bundeseinheitlich geregelt werden."

Wie haben sich die Arbeitsschwerpunkte über die Jahre verändert?
"In den ersten fünfzehn Jahren standen die Aktivierung des Marktes und die Strukturierung des Angebots im Vordergrund. Das hat so lange gut funktioniert, wie es eine zuverlässige Struktur für den Medienvertrieb gab. Damit meine ich Multiplikatoren wie Landesfilmdienste, Landesbildstellen, kommunale Bildstellen usw. Wenn wir pro Jahr fünf bis zehn Filme mit dem FWU herausbrachten, gab es dafür in der Bundesrepublik 60 bis 80 potenzielle Käufer. Anfang der 90er-Jahre haben sich diese Strukturen jedoch verändert, die Ankaufshaushalte gingen zurück, viele Bildstellen wurden zu Medienzentralen, die in andere Zuständigkeiten abwanderten. Man musste sich daher mehr auf dem freien Markt bewegen. Gleichzeitig konnte man damals nicht mehr sagen, dass es keinen Kinderfilm oder kein Kinderkino gab. Es war ja eine Reihe von kommerziellen Anbietern wie beispielsweise die Firma Atlas für den nicht-kommerziellen Bereich vorhanden."

Welche Rolle spielt das Medium Video?
"Mitte der 80er-Jahre waren wir mit der aufkommenden Videowelle konfrontiert. Das KJF hat keine Jugendschutzfunktion, sondern einen empfehlenden, pädagogischen Auftrag. Es ging also nicht ums Verbieten, sondern im Gegenteil darum, zu sehen, was man empfehlen sollte. Die damalige Bundesregierung hat dann gesagt: Wir machen analog zum Deutschen Jugendbuchpreis als Instrument der Empfehlung den Deutschen Jugendvideopreis. Wer sich als Eltern oder Erzieher in diesem Bereich orientieren will, braucht zuverlässige Größen. Diese Idee wurde beim KJF mitentwickelt und auch verankert. Wobei wir von Anfang an zweigleisig fahren wollten. Wir wollten also parallel zum Videopreis, der die Profiprodukte auszeichnet, gerne einen Preis für die Eigenproduktion von Jugendlichen. Daraus ist dann zwei Jahre später der Wettbewerb 'Jugend und Video' entstanden."

Wie wirkt sich der technische Fortschritt auf die Arbeit aus?
"Es ist klar, dass das klassische Trägermaterial 16 mm heute so gut wie keine Rolle mehr spielt. Der noch verbleibende Stock an interessanten Filmen für Kinder und Jugendliche und auch Klassikern befindet sich in der Clubfilmothek des Bundesverbands Jugend und Film, die wir gemeinsam betreiben. Das machen wir auch noch ein Jahr weiter. Die bei uns noch vorhandenen 16mm-Lizenzen beschränken sich auf zwölf Filme. Künftig fahren wir eine andere Strategie. Da auch der Videoverleih nicht mehr interessant ist, auch wenn noch einige Leute damit arbeiten, setzen wir auf den Direktverkauf von DVDs. Die DVD ist für uns ein bestechendes Medium, weil wir Begleitmaterialien mit dem Film ideal koppeln können. Wichtig dabei ist, die Hemmnisschwelle der hohen Investition zu senken. Wir müssen die DVDs auch deshalb billiger machen, um in die Breite gehen zu können. Die Zahl der Stellen, die noch viel Geld in Ankäufe investieren können, wird ja immer weniger."

Wie viele solcher DVDs wurden vom KJF bisher herausgebracht?
"Wir fangen gerade an. Im Jubiläumsjahr sind 'Ali Zaoua', 'Ein toller Sommer' und 'Weil ich gut bin!' herausgekommen. Die Produktion ist aber im Vergleich zum Video nicht gerade billig. Beim Video kann man das Ausgangsmaterial in der Regel eins zu eins übernehmen. Für eine DVD müssen erstmal alle technischen Macken des Ausgangsmaterials behoben werden. Auch die Begleitmaterialien müssen viel intensiver bearbeitet werden. Man muss Texttafeln entwickeln, Kritiken zusammenstellen, einen Grafiker einsetzen. Wegen dieses größeren Aufwands hat sich auch die geplante Kollektion mit Filmen von Arend Agthe verzögert, die wir nun im nächsten Jahr realisieren wollen."

Wie viel kosten diese DVDs?
"Wir gehen von einer Auflage von etwa 1.000 Stück pro Titel aus und verkaufen sie für 30 Euro. Das ist zwar mehr als man in der Videothek für einen Titel im Home Video-Bereich zahlt. Aber dafür kann man den Film mit gutem Gewissen auch öffentlich vorführen. Die Resonanz auf das Angebot ist übrigens sehr titelabhängig. Sie ist im Schnitt aber besser als der Vertrieb von Videos. Am meisten nachgefragt wird die DVD zu 'Ali Zaoua'."

Auf den Punkt gebracht – Gehört der DVD also die Zukunft?
"Das würde ich schon mal sagen."

Welche Projekte sind für die Zukunft geplant?
"Wir wollen den Service-Bereich unseres Angebots 'Top-Videonews.de' im kommenden Jahr im Internet ausbauen. Er erfasst alle Videos mit einer FSK-Freigabe bis 16 Jahre. Dabei wird nicht nur der Bereich Kinder und Jugend, sondern der gesamte Markt beobachtet."

Das novellierte Jugendschutzgesetz hebt die Stärkung der Medienkompetenz hervor, deren Umsetzung jedoch in einem Spannungsverhältnis zum allgemeinen öffentlichen Sparkurs steht. Wie beurteilen Sie die Chancen der Realisierung des Internetpreises?
"Ich bin sehr skeptisch angesichts der Lage der öffentlichen Haushalte, was neue Maßnahmen angeht und deren Finanzierung. Andererseits muss man einfach mal testen, ob die Politiker es wirklich ernst meinen. Medienkompetenz wird zwar überall verlautbart, aber wenn ich mich umschaue, dann ist niemand da, der auf politischer Ebene bislang überzeugende und vorbildliche Impulse gesetzt hat. Es sind bisher Lippenbekenntnisse. Man muss bei dieser Sache aber auch einen langen Atem beweisen. Andernfalls überlässt man solche Maßnahmen der Industrie, die nicht daran interessiert ist, Medienkompetenz zu vermitteln, sondern Käuferschichten zu erschließen."

Thüringen will sich als Standort von Jugendmedien stärker profilieren. Ist das ein neuer Wettbewerber für das KJF?
"Da wir selbst nicht produzieren, ist jede Initiative in Deutschland, die Filme produziert und das Angebot bereichert, nur willkommen. Je mehr kommt, desto mehr können wir vermitteln und verbreiten. Ich finde es auch gut, dass mit der Teilverlagerung des Festivals Goldener Spatz von Gera nach Erfurt der neue Standort Erfurt gestärkt wird. Das kann für die Kinderfilmszene nur von Vorteil sein."

Der Filmarchivkatalog "Tausend Titel" ist bisher nur als CD-ROM verfügbar. Ist auch eine Datenbank im Internet geplant?
"Das sieht die KJF-Jahresplanung für 2003 vor. Der Katalog, der rund 1.000 Filmkopien verzeichnet, ist noch nicht so bekannt wie er sein sollte. Er beinhaltet nicht nur unsere abgelaufenen Lizenzen, sondern auch Ankäufe von Atlas und Kopien von Progress aus den früheren Ostblock-Staaten. Die Filme sind sowohl dem populären als auch dem klassischen Programm zuzurechnen. Die Kopien sind beim Deutschen Filmmuseum in Frankfurt am Main archiviert und können für wissenschaftliche Zwecke und Retrospektiven genutzt werden. Weitere Infos sind im Internet abrufbar: www.kjf.de."

Mit Horst Schäfer sprach Reinhard Kleber

 

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