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Ausgabe 95-3/2003

BECASSINE UND DIE JAGD NACH DEM WIKINGERSCHATZ

BECASSINE – LE TRESOR VIKING

Produktion: Ellipse Animation / HomeMadeMovies / Image; Frankreich 2001 – Regie: Philippe Vidal – Buch: Yves Coulon, Béatrice Marthouret, nach den Comics von Pinchon und Caumery – Musik: Jack Bally, Arnold Turboust – Länge: 85 Min. – Farbe – FSK: o. A. -Verleih: Atlas Film + Medien (35mm) – Altersempfehlung: ab 6 J.

Die zuckersüße Verfilmung einer populären französischen Comic-Reihe durch Philippe Vidal schildert die Abenteuer des schrulligen Kindermädchens Becassine und der aufgeweckten kleinen Charlotte.

Charlotte lebt mit ihrer Mutter Loulotte, einer exzentrischen Bildhauerin, und ihrem Vater Edmond, einem mutigen Abenteuerfotografen, in Paris. Als die Mutter zu einer Ausstellungseröffnung nach Venedig muss und der Vater von einer Expedition nach Lappland noch nicht zurückgekehrt ist, wird Becassine, das frühere Kindermädchen Loulottes, gerufen. Die gute Seele kommt mit dem turbulenten Pariser Leben schwer zurecht, doch Charlotte hilft ihr und sie freunden sich rasch an. Bei der Rückkehr aus Lappland wird Edmond von seinem Freund, dem Antiquitätenhändler Gaspar empfangen. Als der von dem wertvollen Fund Edmonds erfährt, erwacht seine Besitzgier. Um an die Schatzkarte heranzukommen, lässt er Edmond von zwei Banditen überfallen und in einen Zug nach Marseille verfrachten. Nach dem Anruf des entführten Vaters eilen Charlotte und Becassine zu Hilfe, doch sie werden von den beiden Banditen verfolgt. Die Ereignisse überschlagen sich: Erst landen Becassine und Charlotte mit einem Schiff in Ibiza und schließlich im Flugzeug des Billionärs Horace am Nordpol. In einer Höhle stoßen die beiden auf den Wikingerschatz, den Edmond entdeckt hat. Aber auch Gaspar hat die Spur bereits gefunden.

Die Figur der Becassine entstammt einer Comic-Reihe des Zeichners Joseph-Porphyre Pinchon und des Autors Caumery (= Maurice Languereau), deren erste Folge 1905 in der französischen Zeitschrift "La Semaine de Suzette" veröffentlicht wurde. Bis 1939 erschienen 24 Hefte mit den Erlebnissen des bodenständigen bretonischen Bauernmädchens auf Reisen. Die erfolgreiche Figur führte zu mehr als 70 Buchpublikationen und vielen Spielzeugadaptionen. Becassine ist jenseits des Rheins so populär, dass sie sogar in Lehrbüchern auftaucht.

Der Regisseur Philippe Vidal hat für die Eskapaden des Kindermädchens, das nicht nur dank des Regenschirms an Mary Poppins erinnert, eine Mischung aus naiver Abenteuerlust und unbeschwerter Fröhlichkeit geschaffen, die an die nostalgisch-heitere Filmwelt eines Vincente Minelli erinnert. Dazu trägt der gesamte visuelle Look maßgeblich bei, der stilistisch den 50er- und 60er- Jahren nahe steht. Dagegen lädt der bretonische Eigensinn Becassines zu Vergleichen mit der Dickköpfigkeit ihrer antiken Landsmänner Asterix & Obelix ein.

Während die Buchautoren den inzwischen etwas angestaubten Stoff vorsichtig modernisieren, ansonsten aber den Geist der fröhlichen Printvorlagen fortschreiben, trugen die Animatoren dick auf: Statt der ursprünglichen Aquarelltöne schwelgt die Palette nun in saturierten Bonbonfarben mit eigenwilligen Akzentsetzungen. Da genügt es nicht, dass jeder Handlungsort seine spezielle Farbe erhält, nein, der Himmel über Paris muss schweinchenrosa sein und der über Marseille grasgrün. Um den Ton des Films noch gefälliger und weicher zu halten, wurden auch die schwarzen Umrandungen der Figuren aus dem Comic entfernt. Zusammen mit den fünf sentimentalen Liedern, die in den Plot eingebaut wurden, ergibt das eine Zuckermischung, die Kino-Youngsters sicher munden wird, älteren Kindern und Erwachsenen aber eher zu aufdringlich sein wird.

Reinhard Kleber

 

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