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Ausgabe 95-3/2003

TILL EULENSPIEGEL

Produktion: Munich Animation Film GmbH / CP-Medien / De Familie Janssen; Deutschland 2003 – Regie: Eberhard Junkersdorf – Buch: Christopher Vogler, Eberhard Junkersdorf, Peter Carpentier – Animationsregie: Jonathan McClenahan – Charakter Design: Carlos Grangel – Schnitt: Uli Schoen – Musik: Sören Hyldgaard – Sprecher der dt. Fassung: Benedikt Weber (Till), Veronica Ferres (Nele), Mario Adorf (Bürgermeister), Dieter Landuris (Hauptmann), Katharina Thalbach (Katharina) u. a. – Länge: 78 Min. – Farbe – Verleih: Solo Film (35mm) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Nach "Die furchtlosen Vier", einer sehr freien Adaption des berühmten Märchens von den Bremer Stadtmusikanten, und der dänisch-irisch-deutschen Co-Produktion "Hilfe, ich bin ein Fisch" präsentiert Eberhard Junkersdorf, seit nunmehr 30 Jahren erfolgreich als Produzent tätig, sein bisher aufwändigstes und teuerstes Zeichentrickprojekt. Für "Till Eulenspiegel" machte Junkersdorf, der mit seiner Firma Bioskop-Film in den 70er-Jahren vor allem die sogenannten Neuen Deutschen Filme von Volker Schlöndorff und Margarethe von Trotta realisierte, nicht nur ein Budget von 15 Millionen Euro locker, er fungiert auch als Produzent und Regisseur in Personalunion.

Die Abenteuer von Till Eulenspiegel, jenes anarchisch-frechen Clowns, der – so will es die Legende – im 14. Jahrhundert um Braunschweig herum seine derben Streiche trieb, waren schon mehrfach Grundlage für eine Realverfilmung. Unter anderem adaptierte DEFA-Regisseur Rainer Simon 1975 den Stoff mit Winfried Glatzeder in der Titelrolle für die Leinwand und der Franzose Gérard Philipe inszenierte als Regisseur, Co-Autor und Hauptdarsteller bereits 1956 sich selbst nach dem Roman von Charles de Coster in "Till Eulenspiegel, der lachende Rebell". Junkersdorf hatte nach eigenen Angaben die Wahl zwischen einem Werk über Münchhausen oder einem über Eulenspiegel. Er entschied sich wegen des anarchischen Potenzials für letzteren. Nun darf er für sich beanspruchen, mit seiner Firma Munich Animation der erste zu sein, der der populären Sagengestalt ein Zeichentrick-Denkmal setzt.

Wie schon bei "Die furchtlosen Vier", der es 1997 in den deutschen Kinos auf achtbare 800.000 Besucher brachte, begnügt sich der vom Realfilm-Produzenten zum Animations-Experten umgesattelte Filmemacher nicht mit einer Aneinanderreihung von möglichst vielen lustigen Streichen Eulenspiegels. Der renommierte US-Drehbuchberater und Dramaturg Christopher Vogler versah vielmehr das Skript mit einem klaren Handlungsstrang: Till Eulenspiegel will in Boomstadt seinen Großvater Marcus besuchen. Doch er scheitert schon an den Wachen, weil er die überzogenen Steuern nicht zahlen will bzw. kann. Als der trickreiche Till endlich in der Verkleidung eines Zirkuspferdes das Stadttor passieren kann, muss er erfahren, dass Marcus spurlos verschwunden ist. Auf der Suche nach seinem Großvater wird der clevere Schelm nicht nur in eine handfeste Palast-Intrige verwickelt, er lernt auch die Liebe in Gestalt der lieblichen Bürgermeistertochter Nele kennen und muss obendrein auch noch drei Aufgaben, die ihm der Magische Spiegel gestellt hat, lösen.

Schon von Anfang an wird klar, dass wir es bei diesem Till mit einer Art gewaltfreien Robin Hood zu tun haben. Erst prellt er zwar die Wache um zwei Goldstücke, aber nur um diese ganz selbstlos an der nächsten Ecke einer Bettlerin und ihren Kindern zuzuwerfen. Dieser sympathische Zug der Identifikationsfigur wird noch durch Tills Aussehen verstärkt. Der rote Haarschopf, die Sommersprossen – fast glaubt man, man hätte es mit einer Art männlicher Pippi Langstrumpf zu tun. Während die Physiognomie der des britischen Komikers Lee Evans entspricht. Das verwundert nicht, wenn man weiß, dass Evans in der englischen Drehfassung der Titelfigur seine Stimme leiht und bereits vor Produktionsbeginn als Synchronsprecher feststand. Ein Verfahren, das in den großen Studios Disney und Dreamworks längst angewendet wird, zuletzt bei "Sinbad – Der Herr der sieben Meere", in der Brad Pitt nicht nur stimmlich, sondern auch körperlich Sinbad mehr oder weniger entspricht. Diese Vorgehensweise ist auch ein Indiz dafür, auf welch hohem Niveau Junkersdorf inzwischen arbeitet.

Auf den internationalen Markt ausgerichtet, verblüfft "Till Eulenspiegel" obendrein mit originellen Kamerafahrten (zum Beispiel am Anfang eine schöne Wegfahrt aus Boomtown), farbenfroh, aber nie übertrieben bunt gezeichneten Figuren und dem Spagat, eine Geschichte für Erwachsene wie Kinder gleichermaßen interessant aufzuarbeiten. Denn während die Älteren sich an Tills Anarcho-Humor und einem Hauch Gesellschafts-Kritik erfreuen können, dürfen die Jüngeren über die Eule Cornelius, den tollpatschig-gutmütigen Hünen Lamme oder das putzige Küken Ducky lachen. Obendrein können sich die Kinder mit König Rupert, selbst noch ein kleiner Junge, identifizieren und mit ihm mitfiebern, wenn es darum geht, dessen Rivalin Katharina, die ihm vom Thron verdrängen will, auszuschalten.

Thomas Lassonczyk

 

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