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Ausgabe 95-3/2003

UNTER WASSER

ABBA SHAHOR LAVAN

Produktion: Tamuz Productions / ICP Israel Cable Programming Co. Ltd.; Israel 2002 – Regie: Eitan Londner – Buch: Hagai Tevet und Eitan Londner, nach einer Idee von Hagai Tevet – Kamera: Yaron Sherf – Schnitt: Ido Mochrik – Musik: Assaf Amdursky – Darsteller: Agam Rudberg (Michal), Dan Toren (Yonathan, Michals Vater), Hyla Alpert (Anat, Michals Mutter), Ofer Seker (Dror, Michals Freund), Tom Gal (Elisha, Michals jüngster Stiefbruder) u. a. – Länge: 90 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Cinephil Ltd., Tel Aviv, e-mail: info@cinephil.co.il – Altersempfehlung: ab 12 J.

Auch in seinem dritten Film erzählt der 1961 in Haifa geborene israelische Regisseur Eitan Londner von einem halbwüchsigen Mädchen. In "Kalinka Maya" (1998) ging es um eine russische Immigrantin, in "The Ballad of Ari VeDerchi" (2001) um eine schwangere Schülerin, jetzt um die 14-jährige Michal, die gerade vor der Landesausscheidung der Schwimmmeisterschaft steht. Doch Michal ist unzufrieden: Fehlstarts und schwankende Leistung, dazu ihre schärfste Konkurrentin Efrat, die ihr dauernd vorführt, wie wenig beliebt sie ist. Phantastisches Potenzial hätte sie, meint ihr Trainer, aber ein großes Problem mit ihrer Psyche. Sie sollte darüber reden. Aber genau das kann Michal nicht. Nicht mit ihm, nicht mit ihrer flippigen Mutter, die gerade mal wieder eine Affäre hat, und auch nicht mit ihrem Freund Dror. Und nun muss sie auch noch das Training unterbrechen, weil die Oma gestorben ist.

"Meinst du, er kommt", fragt Michal Anat, ihre Mutter, bevor sie zur Beerdigung fahren. "Keine Ahnung." "Es war seine Mutter." "Und du bist seine Tochter. Na und ...?" In diesem Dialog offenbart sich die Anspannung, unter der Michal steht, seit sich ihre Eltern vor zehn Jahren getrennt haben, weil ihr Vater sich plötzlich zum orthodoxen Judentum hingezogen fühlte und darüber Frau und Kind vernachlässigte. Seither verdient Anat den Lebensunterhalt mit Modeschmuck und Kartenlegen. Michal, die Tochter eines "Pinguins" und einer "Hexe", wird Efrat vor dem entscheidenden Wettkampf höhnen und damit eine Katastrophe auslösen.

Yonathan, Michals Vater, erscheint tatsächlich, zusammen mit seiner zweiten Frau und drei Kindern, um am Grab seiner Mutter ein "richtiges" Trauergebet zu sprechen. Doch wird er von seinem Vater, der seinem Sohn auch jetzt nicht vergeben kann, dass er für seinen Glauben seine Familie verlassen hat, vehement daran gehindert und muss unverrichteter Dinge abziehen. Danach kommt es zu einer neuen Begegnung zwischen Vater und Tochter. Yonathan rechtfertigt sich. Er habe viele Fehler gemacht, aber sei inzwischen ein anderer und nicht er, sondern ihre Mutter habe vor sechs Jahren den Kontakt endgültig abgebrochen. Gegen den Willen seiner Frau lädt er Michal zum Schabbath ein. Die Gesänge, die langen Gebete sind ihr fremd, Yonathans Interpretation der Bibelgeschichte vom Opfer des Isaac aber provoziert sie zu einer eigenen Auslegung, mit der sie – stur wie Vater und Großvater – die ganze Familie schockt. Immerhin werden weitere Verabredungen getroffen. Yonathan, der ja selbst mal geschwommen ist, will seiner Tochter vor der Meisterschaft noch ein paar Tipps geben. Den verabredeten Termin vergisst er jedoch. Michal ist tief enttäuscht und diese Ent-Täuschung kulminiert in einer Kurzschlusshandlung, deren Opfer beinahe Michals Halbbruder Elisha wird. Am Ende aber stößt sie nicht ihn ins Wasser, sondern sucht selbst Ruhe da unten.

Hart, mit atemberaubender Konsequenz und einer in den zehn letzten Minuten des Films fast unerträglichen Intensität wird gezeigt, wie Michal mit all ihrer Kraft versucht, etwas zu bekommen, was sie nicht haben kann, und sich dabei total verrennt. Dass im letzten Augenblick (!?) der Vater zu seiner Tochter ins Wasser springt und beide Familien samt Dror an der Unglücksstelle auftauchen, ändert an der Tragödie wenig.

Ein starker Film mit starken Charakteren und viel Situationskomik, der vom Kontrast zwischen dem modernen, liberalen Israel und der Welt des orthodoxen Judentums lebt, durchzogen von einem Humor, der versöhnlich stimmt. Ein Film ohne Schuldzuweisungen, Menschen werden gezeigt mit all ihren Schwächen. Unvergesslich Dan Toren, der Michals Vater in seiner inneren Zerrissenheit glaubwürdig verkörpert, unvergesslich die junge Agam Rudberg in ihrer verbissenen Courage und Verletzlichkeit.

Uta Beth

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 95-3/2003 - Interview - "Ich bin viele Umwege gegangen"

 

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