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Ausgabe 59-3/1994

HUGO, DAS DSCHUNGELTIER

JUNGLEDYRET HUGO

Produktion: A-Film I/S, Dänemark 1993 – Regie: Flemming Quist Moller, Stefan Fjeldmark – Buch: Flemming Quist Moller, nach seinem gleichnamigen Kinderbilderbuch – Kamera: Jan-Erik Sandberg – Musik: Anders Koppel, Soren Kragh-Jacobsen; Hans Henrik Ley (Texte) – Animation: Jorgen Leerdam, Michael Helmuth Hansen, Dan Harder u. a. – Hintergründe: Peter Kielland – Länge: 78 Min. – Farbe – Verleih: Impuls (35m) – Altersempfehlung: ab 8 J.

Der dänische Zeichentrickfilm ist im Aufwind. Das Dänische Filminstitut hat in den letzten Jahren, vor allem durch den früheren Kinderfilmkonsulenten Hans Hansen, ganz bewusst auf dieses Genre gesetzt und etliche aufwendige Produktionen gefördert. So konnte auch Flemming Quist Moller, der Regisseur von "Bennys Badewanne" (1971, mit Jannik Hastrup), nach längerer Pause wieder einen abendfüllenden Zeichentrickfilm drehen und sein in Dänemark erfolgreiches Comic-Buch über "Jungledyret Hugo" ("Hugo, das Dschungeltier") verfilmen, das mehrfach auf den dänischen Bestsellerlisten stand. Als Produzentin stieg die "A-Film" mit Stefan Fjeldmark als Co-Regisseur ein – eine glückliche Entscheidung, denn dem Film kommen so die Erfahrungen zugute, die A-Film seit einigen Jahren durch ihre Beteiligung an internationalen Produktionen gewonnen hat.

Hugo, der Star dieses Trickfilms, sieht aus wie eine Kreuzung von Äffchen und Eichhörnchen. Er lebt im südamerikanischen Urwald und gehört zu einer Spezies von Dschungeltieren, die den Menschen bislang noch unbekannt war. Dieser putzige Geselle vergnügt sich, wenn er nicht gerade mit vollem Magen zum Schläfchen in einer Palme hängt, mit seinen Affenfreunden Zig und Zag bei harmlosen Streichen, deren Opfer vor allem die dummen Papageien sind. Aus seinem Urwald-Paradies wird Hugo plötzlich herausgerissen: Der Multimillionär Conrad stellt ihm nach, weil dessen ziemlich überspannte Frau, die Filmschauspielerin Izabella Scorpio, ein richtiges Kuscheltier für ihren nächsten Film haben will. Die Dschungel-Jagd auf das "seltenste Tier der Welt" droht mit der Gefangennahme des nichts ahnenden Hugo zu enden, der seinen Häschern jedoch entkommen kann – und im Kopenhagener Zoo landet.

Aus der Sicherheit des Zoos entweicht das seine Freiheit gewohnte Tier in die "Freiheit" der Großstadt und erlebt dort einen gnadenlosen Kampf aller gegen alle um die kleinsten Essensreste. Dem vertrauten Dschungel des Urwaldes entrissen, muss er nun erst lernen, im Dschungel der Großstadt zu überleben. Die kleine Füchsin Rita, die sich darin auskennt, hilft ihm dabei, und so entgeht Hugo den Verfolgungen der verwilderten Katzen und der fressgierigen Hunde – und der Detektive, die Izabella Scorpio auf seine Spur gesetzt hat. Doch die Großstadt ist auf die Dauer nicht das rechte Pflaster für Hugo. Als echtes Urwaldtier gehört er dort nun mal nicht hin und sehnt sich heim, zu den Papageien und zu seinen Affenfreunden Zig und Zag. Er möchte wieder sorglos in den Palmen schaukeln, in einer ihm vertrauten Umgebung. Das versteht auch seine Freundin Rita. Als Großstadtfüchsin würde sie ja auch nicht in den Urwald passen. Mit der Trennung muss ihre Freundschaft zu Hugo nicht enden: "Du kannst mich immer besuchen kommen!"

Die Geschichte ist leicht zu verstehen: Weg von zuhause – Abenteuer und Bewährung in der Fremde – und zurück nach Hause. Der Held, aus dem Stande der verspielt-glücklichen Unschuld gerissen und den Gefahren des Lebens ausgesetzt, besteht alle Proben. Dieses einfache Grundmuster wird angereichert durch aktuelle Bezüge: die Bedrohung der letzten Paradiese dieser Welt (im etwas zu idyllischen Urwald), die Käfighaltung von Tieren (im Zoo), die Schattenseiten und Abgründe der Zivilisation (im altbekannten "Sumpf der Großstadt"), die Auswüchse des Medienrummels, der immer überspannterer Sensationen bedarf (und sei es das seltenste Tier der Welt als Maskottchen). Das alles wird ohne Tiefgründigkeit mit leichter Hand präsentiert, nicht platt, sondern frech, flott und beschwingt. Dafür sorgen in diesem Beinahe-Musical vor allem die Musik und die Lieder. "Das swingt und rockt, dass es eine Freude ist", schrieb ein dänischer Kritiker. Dafür sorgen aber auch die lebendige und farbenreiche – zum Glück nicht überdrehte oder knallige – Animation, die den Kindern ein gutes Quantum Vergnügen an den drolligen Streichen des kleinen Hugo vermittelt.

Am Schluss darf Hugo wieder sorglos im Urwald herumtollen, braucht nicht erwachsen zu werden und sich seiner Liebe stellen. Hat er also die letzte, größte Probe nicht bestanden? Oder hat er nur einfach die Realität erkannt und akzeptiert, dass nicht zusammenwächst, was nicht zusammengehört? Der Film verzichtet auf ein dickes Happy End und wählt eine realistische Lösung. Die Kinder werden sie wohl hinnehmen und die Erwachsenen sollen sich darüber nicht weiter den Kopf zerbrechen. Sie kommen auch sonst auf ihre Kosten, vor allem durch die satirischen Dialoge, die mit Bedacht ausgefeilt sind (und bei denen abzuwarten ist, was die deutsche Synchronisation aus ihnen macht).

Insgesamt dauerte die Produktion fünf Jahre und kostete 15 Millionen Kronen (4 Millionen DM), die in internationaler Co-Produktion aufgebracht wurden. Außer der A-Film beteiligten sich die dänische Per Holst Film, die Egmont Film AB (Schweden) und die Egmont Film A/S (Norwegen). Fördermittel flossen außer vom Dänischen Filminstitut von dem Nordischen Film- & TV-Fond und der Hamburger Filmförderung.

Hauke Lange-Fuchs

 

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