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Ausgabe 95-3/2003

"Ich bin liebend gern zum Kinderfilm zurückgekommen "

Gespräch mit Arend Agthe

(Interview zum Film FLUSSFAHRT MIT HUHN und zum Film KARAKUM)

Anlässlich der Wiederaufführung von "Flussfahrt mit Huhn" beim KinderFilmfest München (28.6.-5.7.2003) in der "Edition Klassiker des Kinderfilms" sprachen wir mit dem Regisseur und Drehbuchautor Arend Agthe.

KJK: Eigentlich sollte Ihr Film "Flussfahrt mit Huhn" im Herbst 2003 seine Rückkehr ins Kino erleben. Jetzt hören wir, dass dies auf Frühjahr 2004 verschoben wurde. Warum?
Arend Agthe: "Weil ein Internegativ fehlte, obwohl die Hamburger Filmförderung für diese Fälle eine Spezialförderung bereithält. Der Start wäre also möglich gewesen, wenn der Verleih sich rechtzeitig darum gekümmert hätte."

Was ist Ihr nächstes Projekt?
"Ein Kinder- und Jugendkrimi. Die Darsteller sind zwölf, dreizehn Jahre alt. Wir werden sie aber aus jugendarbeitstechnischen Gründen älter besetzen. Außerdem zeigt es sich immer mehr, dass ältere Kinder bessere Identifikationsflächen für jüngere Kinder bieten. Der Film sollte schon für Kinder ab sechs empfehlenswert sein. Es wird spannend, man kann der Geschichte folgen. Der Film wird 'Der Schatten der Diebe' heißen, nicht wie das Buch 'Die Beschützer der Diebe'. Die Filmstory hat nicht mehr den Homer'schen Bezug wie die Buchvorlage von Andreas Steinhöfel. Der Schatten sind drei Kinder, die einem Kunstraub auf die Spur kommen. Zufällig werden sie Zeugen, gehen zur Polizei, aber die glaubt ihnen nicht. Die Kinder folgen selbst der Spur und verstricken sich immer mehr. Drehort des Geschehens ist die Museumsinsel in Berlin, im Film aber ein fiktiver Ort. Wir werden einen Mischmasch drehen, die Eröffnungsszene im Pergamon-Museum und dann in einer fiktiven unterirdischen Landschaft. Es wird so getan als wäre alles unterkellert."

Wer hat den Stoff ausgewählt?
"Zustande gekommen ist das Projekt über Dagmar Ungureit vom ZDF, Redaktion Kinder und Jugend. Sie hat sich die Rechte gesichert, ein heiß umkämpftes Buch auf dem Kinderfilmsektor. Verschiedene Produktionen wollten den Stoff haben, u. a. auch Elke Ried für Zieglerfilm." (Elke Ried hat für Zieglerfilm "Der zehnte Sommer" produziert, der im September 2003 ins Kino kommt)

Könnten die Produzenten nicht kooperieren?
"Nein, denn nur ein Produzent verdient. Dagmar Ungureit hat den Stoff für den Film entdeckt und die Produktionsfirma studio tv Berlin, die u. a. 'Löwenzahn' produziert, mit der Realisierung beauftragt und die wiederum haben mich gefragt. Ich kenne sie gut, denn seit 1979 mache ich ohne Unterbrechung jedes Jahr 'Löwenzahn', erst Buch und Regie, inzwischen nur noch Drehbuch."

Was macht mehr Spaß – Schreiben oder Drehen?
"Schreiben immer mehr. Ich schreibe lieber Exposés und Treatments, das Ausdenken ist das Allerschönste. Dann kommt das notwendige Handwerk. Ich bin langsam dahin gekommen. Hintergrund für diese Entwicklung waren die Jahre 1993/94, als 'Karakum' herauskam und so schlecht verliehen wurde. Der Mensch, der den Film für viel Geld eingekauft hatte, ist damals in seiner Firma geschasst worden. Für den Nachfolger galt 'Karakum' als Altlast und statt der das offen legt und sagt: Sucht einen neuen Verleih, bleibt der Film einfach liegen und nicht einmal die Vertriebsgelder werden abgerufen. Wir hätten 36 Kopien ziehen dürfen. Aber der Produzent Ottokar Runze hat nichts unternommen. Zum Kinostart gab es dann nur sechs Kopien. Jetzt ist der Film bei Basis Filmverleih."

Ist diese Nichtachtung des Kinder- und Jugendfilms nicht zum Verzweifeln?
"Es war ein Debakel. Erstens, dass 'Karakum' im Kino so schlecht lief, und zweitens, dass der Film auch einen vermurksten Fernsehstart bekam, an einem Sonntagmorgen um 7.45 Uhr! Das Irre ist, wie der Film von den Fernsehanstalten, die über eine Million Mark dazu gegeben haben, mit einem solchen Sendetermin missachtet wurde. Das ganze Projekt brauchte schon mal drei Jahre bis wir drehten. Nach 'Karakum' hatte ich die Schnauze voll vom Kinderfilm und habe hauptsächlich in Fernsehserien gearbeitet, arbeiten müssen."

"Flussfahrt mit Huhn" funktioniert heute noch genauso gut wie damals, wie wir uns selbst beim KinderFilmfest in zwei Vorstellungen überzeugen konnten. Und die Kinder fragten, was aus den Darstellern geworden ist. Eine interessante Frage ...
"Ich würde gern zum erneuten Kinostart im nächsten Frühjahr eine Dokumentation über die ehemaligen Filmkinder machen, denn immerhin sind ja zwanzig Jahre vergangen. Ich habe es dem Fernsehen vorgeschlagen und dann wird einfach gesagt: Wen interessiert denn so etwas!"

Der Film ist 105 Minuten lang, ein bisschen zu lang?
"Wenn ich noch mal schneiden könnte, würde ich zehn Minuten problemlos herausnehmen und der Film würde gewinnen. Ich werde das auch anbieten."

Zurück zum neuen Projekt: Suchen Sie Kinderdarsteller mit Schauspielerfahrung?
"In jedem Fall. Die Kinder sind motivierter, wenn sie schon Erfahrung haben."

Wer sucht sie?
"Das machen Castingfirmen."

Wir erinnern uns, dass Sie für Ihre Filme die Darsteller selbst gesucht haben. Warum läuft heute alles über Castingfirmen?
"Casting ist allein durch die vielen Fernsehserien zum Markt geworden. Es kommt ja darauf an, was man will. Es geht mir darum, eine Geschichte optimal zu transportieren. Wenn ich die Gesichter in Casting-Agenturen finde, ist es gut. Wenn nicht, mache ich mich selbst auf die Suche."

Wie arbeiten die Firmen, erhalten sie Geld fürs Suchen oder nur fürs Finden?
"Ein Teil der Suche ist im Service der Agenturen inbegriffen."

Sie brauchen drei Kinder ...
"Zwei Mädchen und einen Jungen."

Welche Charaktere verkörpern die?
"Ein Mädchen kommt vom Land, besucht ihre Cousine in der Stadt. Die Cousine will sie überhaupt nicht haben. Dann ist da ein starker Stadtjunge, Sprayer, Skater, eine richtige Stadtratte, etwas härter als Rick im 'Sommer des Falken', und ausgerechnet der verliebt sich in das 'Landei'. Das heißt: Das starke Mädchen, mit dem sich alle identifizieren werden, kommt in der Liebesgeschichte zu kurz, hat das Nachsehen."

Wann ist Drehbeginn?
"Am 18. Juni 2004, also noch lange hin. Wir müssen mit dem Dreh durch das Nadelöhr Sommerferien."

Haben Sie noch ein Projekt im Kopf?
"Ja, aber den Stoff will ich erst zum Jahresende fertig stellen, damit ich nicht mit zwei Projekten in der Förderung vertreten bin. Ich habe mich schon geärgert, dass der 'Schatten der Diebe' nicht zur ersten BKM-Sitzung dieses Jahres eingereicht war. Dann hätte ich mit dem neuen Projekt in die Sommer-Sitzung gehen können."

Woher nehmen Sie die Anregungen für neue Stoffe?
"Die setzen sich durch Filme und andere Einflüsse zusammen. Mein neuester Filmstoff zum Beispiel kommt ein bisschen daher, dass ich immer gerne mit Tieren gearbeitet habe. Ich möchte Tiere nicht sprechen lassen, aber ich möchte einen Film entwickeln, in dem der Hauptdarsteller ein Hamster ist, der gezielt Sachen macht. Es wird die Odyssee eines Hamsters in Verbindung mit drei Kindern. Ich werde das Exposé schreiben und es für die Drehbuchförderung einreichen."

Die Lust am Kinderfilm scheint ungebrochen ...
"Fast zehn Jahre lang arbeitete ich fürs Fernsehen, von 'Adelheid und ihre Mörder' bis 'Ein Fall für zwei', immer nur als Regisseur, eine wichtige Erfahrung. Und mit dieser Erfahrung im Hintergrund mache ich gern wieder Kinderfilme. Das macht mir Spaß und das andere mache ich auch weiter. Beim Kinderfilm habe ich das Gefühl, noch ernsthafte Geschichten erzählen zu können, in denen es um etwas geht. Um Lebensfindungen, Identitäten. Ich kann sagen, dass ich liebend gern zum Kinderfilm zurückgekommen bin."

Mit Arend Agthe sprachen Gudrun Lukasz-Aden und Christel Strobel

Arend Agthe, 1949 in Rastede bei Oldenburg geboren, studierte Germanistik, Kunstgeschichte und Philosophie in Marburg. Zunächst widmete er sich dem Theater, ab 1969 machte er Kurzfilme mit F. K. Wächter und Robert Gernhardt. Gemeinsam mit Bernd Eilert gründeten sie 1972 ein Filmkollektiv. In diesem Jahr begann auch Arend Agthes Mitarbeit bei der Satirezeitschrift "Pardon". 1975 machte er sein Staatsexamen. Neben seiner Filmtätigkeit arbeitete er als Illustrator. Mit "Flussfahrt mit Huhn" (1983) gab Arend Agthe sein Spielfilmdebüt, dem u. a. die Kinder- und Jugendfilme "Küken für Kairo" (1985), "Der Sommer des Falken" (1988), "Wunderjahre" (1992), "Karakum" (1995) folgten.

 

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