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Ausgabe 96-4/2003

DER JUNGE, DER EIN BÄR SEIN WOLLTE

DRENGEN DER VILLE GORE DET UMULIGE

Produktion: Dansk Tegnefilm 2 ApS / Les Amateurs; Dänemark / Frankreich / Norwegen 2002 – Regie: Jannik Hastrup – Buch: Bent Haller, Michel Fessler – Hauptzeichner: Asta Sigurdardottir, Georges Stoyanoff, Karin Nielsson u. a. – Spezialeffekte: Matthieu Reynoux, Gregory Couturier – Musik: Bruno Coulais – Länge: 75 Min. – Farbe – Weltvertrieb: France Television Distribution Le Barjac, Paris, Tel. +33 1-44250162, e-mail: c.rae@francetv.com – Altersempfehlung: ab 8 J.

In den Bergen des Polarkreises bringt eine Eisbärin ein totes Junges zur Welt. Einsam trauert sie auf einer Eisscholle, denn ohne ihren kleinen Bären ist das Leben für sie sinnlos geworden. Um ihr aus der verzweifelten Lage herauszuhelfen, entführt der Bärenvater das Neugeborene einer Inuit-Familie und bringt es seiner Frau. Rasch wächst der Säugling zu einem richtigen kleinen 'Bär' heran, der in der faszinierenden und auch gefährlichen Welt der Tiere zu leben lernt.

Doch auch die Menschenmutter quält der Verlust ihres Kindes. Schließlich verspricht ihr der Mann, den verlorenen Sohn zurückzubringen. Es beginnt eine wilde Jagd auf Leben und Tod. Schließlich tötet er den Bärenvater und bringt den Jungen zurück zu seiner menschlichen Mutter. Unter den Menschen kann sich der Kleine aber nicht mehr zurechtfinden, denn er fühlt sich wie ein Bär. So läuft er zurück zur Bärenhöhle, um herauszufinden, wie er ein richtiger Bär werden kann. Dort erfährt er, dass er dazu drei große Bärenprüfungen bestehen muss: Er muss dem Meer und der Kälte gewachsen sein und vor allem der Einsamkeit.

In seinem jüngsten Werk zeigt der 1941 geborene Regisseur Jannik Hastrup, der spätestens seit "Samson & Sally" aus dem Jahr 1984 als erfolgreichster dänischer Trickfilmer gilt, abermals sein handwerkliches Können. Die mit 75 Minuten für junge Kinobesucher angenehm kurze Filmerzählung setzt sich in souveräner Ruhe mit ernsten Themen wie Tod und Leid, Adoption und Freundschaft sowie der Liebe zwischen Kind und Eltern auseinander.

Wobei Hastrup den kleinen Jungen, der zwischen die Kulturen fällt, mehrmals die Grenze zwischen Mensch und Tier überspringen lässt und damit vor allem die innere Zerrissenheit des Jungen zwischen Mensch- und Bär-Sein für große Nachdenklichkeit sorgt. Der archaische Wettstreit der Elternpaare um den Sprössling erinnert an Bert Brechts 1948 uraufgeführtes Theaterstück "Der kaukasische Kreidekreis".

Jannik Hastrup konzentriert sich in der dänisch-französisch-norwegischen Koproduktion mit seiner markanten, eher groben Strichführung in bewährter Weise auf das Wesentliche. In eindringlichen Bildern und spannenden Szenen konfrontiert er im einzigen Zeichentrickfilm des diesjährigen Kinderfilmfests der Berlinale das Publikum mit der Frage nach Geborgenheit und Heimat. Die existenzielle Thematik wird allerdings abseits jeder Disney-Süßlichkeiten in luftige Aquarellzeichnungen mit leicht hingetuschten Figurenkonturen gefasst und vermeidet – sieht man einmal vom gewaltsamen Tod des Bärenvaters ab – eine Überforderung kleinerer Zuschauer. Hastrup, der seit den frühen 60er-Jahren Animationsfilme realisiert, meint dazu: "Die Geschichte ist ein Märchen und weder eine naturgeschichtliche Veröffentlichung noch eine Lehrstunde in arktischer Geographie. Wie alle guten Geschichten kann sie überall und zu allen Zeiten stattfinden."

Reinhard Kleber

 

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KJK-Ausgabe 96/2003

 

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