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Ausgabe 96-4/2003

KLEINE HELDEN / MARCELLO & FATIMA

BAST I SVERIGE

Produktion: Sandrew Metronome International / Götafilm AB; Schweden 2002 – Regie: Ulf Malmros – Buch: Peter Birro – Kamera: Mats Olofson – Schnitt: Ulf Malmros – Musik: Johan Söderqvist – Darsteller: Ariel Petsonk (Marcello), Zamand Hägg (Fatima), Michael Nyqvist (Giuseppe), Anna Pettersson (Gunilla), Ralph Carlsson (Lehrer) u. a. – Länge: 87 Min. – Farbe- Weltvertrieb: Sandrew Metronome International, Stockholm, Tel. +46 8-7621700, e-mail: gotafilm@gotafilm.se – Altersempfehlung: ab 8 J.

Publikum und Kinderjury waren sich einig bei den diesjährigen Stuttgarter Kinderfilmtagen: "Kleine Helden" erhielt sowohl den mit 1.000 Euro dotierten Publikumspreis wie auch den "Charly", den Veranstalterpreis in Höhe von 5.000 Euro. Die Geschichte sei gut zu verstehen und mit viel Witz erzählt, Marcello, einer der Hauptdarsteller, entscheide sich für seinen eigenen Traum und nicht für die Wünsche seiner Eltern und Fatima setze sich gegen die Vorstellungen ihrer arabischen Familie durch. So die Begründung der Jury. Und die beiden anwesenden Hauptdarsteller Ariel Petsonk und Zamand Hägg waren glücklich.

Die Geschichte: Marcello hat mit seinen zehn Jahren enorm viel Fantasie. Leider nicht ebenso viel Begabung fürs Fußballspielen. Dann verstünde er sich nämlich mit seinem Vater besser. "Du spielst ja wie ein Mädchen", hält der ihm immer wieder vor. Auch die Leidenschaft seiner Mutter für die Kirche kann Marcello nicht teilen. Und so singt er im Knabenchor absichtlich völlig falsch, um irgendwann davon befreit zu werden. Sein Traum: Er möchte fliegen! Aber davon wollen seine Eltern nichts wissen. Und Marcello ist nicht schwindelfrei.

Als die selbstbewusste Fatima aus dem Libanon in Marcellos Klasse kommt, ändert sich sein Leben. Endlich hat er eine Freundin, die ihn versteht. Doch auch Fatima braucht Marcello, denn in ihrem Traum spielt Fußball eine Rolle. Das wiederum finden weder ihre beiden Brüder noch ihr an den Rollstuhl gefesselter Vater gut. Mädchen spielen keinen Fußball und gegen den Kontakt mit Marcello haben sie auch was. Ein echtes Dilemma also. Vergeblich versucht Fatima in aller Heimlichkeit auf dem Dach eines Hochhauses, Marcello die Höhenangst zu nehmen. Hier oben kommt es auch zu einer Begegnung mit Oskar, dem Klassenstärksten, der die beiden immer wieder schikaniert.

Als Fatimas Brüder das Modellflugzeug Oscars zerstören, fordert dieser von ihr 900 Kronen, sonst werde ihrem behinderten Vater etwas zustoßen. Auf wundersame Weise beschafft Marcello das Geld für seine Freundin. Er hat nämlich einen heimlichen Verbündeten in der Kirche. Der dort aufgebahrte Gekreuzigte spricht ihm immer wieder Mut zu und tatsächlich: In seinem Zimmer regnet es Geld! Alles scheint in Butter zu sein. Da kündigt Oskar in der Schule an, er habe einen Gleitflieger bestellt und werde demnächst damit fliegen. Mit einem Trick leiten Fatima und Marcello die Lieferung des Gleitfliegers um und nach mehrfacher Überwindung fliegt Marcello damit vom Dach des Hochhauses los – endlich! Und auch Fatima kann Vater und Brüder überzeugen, dass sie Fußballspielen will und kann!

Ulf Malmros, geboren 1965, drehte schon im Alter von 13 Jahren seinen ersten Film. Mittlerweile ist er Regisseur bei vielen Fernsehfilmen und schrieb zahlreiche Drehbücher, vor allem auch zu Jugendthemen. Bekannt wurde er mit seinem Spielfilm "Ein toller Sommer" der im Jahr 2000 beim Kinder- und Jugendfilmfestival in Frankfurt den CIFEJ-Preis und bei den 42. Nordischen Filmtagen in Lübeck den Kinderfilmpreis der Nordischen Filminstitute erhielt. Mit "Kleine Helden" (Kinderfilmpreis der Nordischen Filminstitute 2002) zeigt Malmros erneut seine Fähigkeit, mit seinen Geschichten Kinder zu begeistern.

Da steht irgendwie alles auf dem Kopf. So beginnt auch der Film. Wie ein Sack hängt Marcello am Fußballtor, fühlt sich als Außenseiter, eine Fehlnummer. Niemand versteht ihn, ausschließlich seine kleine Schwester hält zu ihm, eine zärtliche Beziehung unter Geschwistern. Fatima muss sich dagegen mit den Normen in ihrer Familie auseinander setzen: Ihre Brüder bestimmen, was sie darf und mit wem sie verkehrt. Sowohl Marcello wie Fatima sind einfach anders als die anderen, anders, als ihre Eltern sie möchten, und beide kämpfen für ihren Traum. Dabei gibt es viel zu lachen, ebenso witzige und skurrile wie anrührende Szenen. Und obwohl Marcello als Feigling und Waschlappen gilt, beweist er durchaus Mut. Die Besetzung der Hauptrollen mit Ariel Petsonk und Zamand Hägg ist ein Glücksfall. Die beiden spielen so hinreißend, dass man den Eindruck gewinnt, auch im "richtigen Leben" sind ihnen ihre jeweiligen Rollen durchaus sehr nahe.

Martin Dellit

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 99-4/2004 - Hintergrund - "Zwei kleine Helden"

 

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