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Ausgabe 96-4/2003

DER RUF DES FAYU UJMU

Produktion: Simon / Sputh-Produktion mit Unterstützung der DEFA-Stiftung (Berlin) und der Stiftung Kulturfonds (Berlin), Deutschland 2003 – Regie und Buch: Rainer Simon, in Zusammenarbeit mit Chachi-Indianern Ecuadors; Mitarbeit: Samuel Anapa, Alejandro Santill'an – Kamera: Frank Sputh – Schnitt: Markus Schmidt – Darsteller: Samuel Anapa (Vater), Humerciedo Ahapa-Melchior (Mico), Lorenzo Anapa (Großvater), Christian Kuchenbuch als Gast (Fayu Ujmu) – Länge: 43 Min. – Farbe – Verleih: Simon / Sputh-Produktion; Kontakt: Rainer Simon, Tel./Fax 0331-270 0358, e-mail: rainersimon@t-online.de / Frank Sputh, Tel./Fax 0331-715 877, e-mail: frank-sputh@gmx.de – Alterseignung ab 6 J.

Die Fabel nimmt eine Legende der Chachi-Indianer in Ecuador zum Ausgang, setzt sie ins Bild, stellt sie um, baut sie aus, bringt die darin enthaltene Metapher ins europäische Verständnis, d. i. die Ausbeutung indigener Völker, die Vernichtung ihrer Kultur, der Verlust ihrer Identität. Konsequenterweise entstand kein Film über sie, sondern es wurde mit ihnen gedreht, mit Laien also, die nicht spielen, sondern im – verabredeten – Spiel leben, sich selbst und ihr Leben einbringen. Die Fabel erhält so dokumentarischen, quasi-authentischen Charakter in einer dennoch künstlerisch angeordneten Struktur. Das Fremde, Unbekannte rückt näher. Es wird nachvollziehbar, erinnerbar zum Beispiel aus eigener Märchenerfahrung: Verlieren und Wiedergewinnen, das Böse durch die eigene couragierte Tat besiegen oder überwinden, zumindest erkennen.

Simon legt Wert auf die Feststellung, dass "nichts im Spielfilmsinne inszeniert" sei, und er hält sich daran, ebenso wie die Kamera von Frank Sputh. Ihre (Film-)Fabel erzählen sie in einfachen, bewusst reduzierten Vorgängen, verständlich schon für sehr kleine Zuschauer: Verführung, Entdeckung, Suche, Bewährung, Lösung. Wie nebenher geben sie weitere Informationen über den Alltag. So präsentiert Simons Film nicht wohlgefällig exotisches Leben, vielmehr führt er ein in die Gedanken- und Gefühlswelt von Menschen einer fernen Kultur. Er preist nicht das Unwirkliche, sondern setzt das Wirkliche ins Bild, wo es seinen selbstverständlichen Platz einnimmt. Keine Fantasy-Story, dafür Ausschnitte aus realem Leben, in dem andere Maßstäbe und Werte gelten. "Die alten Götter leben", heißt es im Kommentar. Der Film verführt nicht, er führt vor. Kein Draufblick – ein Einblick. Die Zuschauer sind aufgefordert, hinzusehen, zu entdecken, mitzudenken. Der Lohn ist Kenntnis und Verständnis, und dies sind Voraussetzungen für Teilhabe und Toleranz – überall. Darin liegt der Wert dieses ungewöhnlichen Filmprojektes.

Joachim Giera

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 96-4/2003 - Interview - Mut zum Risiko, Rat vom Schamanen, Verabredung zum Spiel

 

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