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Ausgabe 96-4/2003

DAS SAMS IN GEFAHR

DAS SAMS IN GEFAHR

Produktion: collina Filmproduktion GmbH / Constantin Film; Deutschland 2003 – Regie: Ben Verbong – Buch: Paul Maar, Ulrich Limmer – Kamera: Jan Fehse – Schnitt: Alexander Berner – Musik: Nicola Piovani – Darsteller: Ulrich Noethen (Bruno Taschenbier), ChrisTine Urspruch (Sams/Frau Schneider), Ina Weisse (Margarete Taschenbier), Constantin Gastmann (Martin Taschenbier), Dominique Horwitz (Fitzgerald Daume), Armin Rohde (Anton Mon), Eva Mattes (Annemarie Rotkohl) u. a. – Länge: 95 Min. – Farbe – Verleih: Constantin (35mm) Altersempfehlung: ab 6 J.

Bilder aus dem Familienalbum: Herr Taschenbier und Fräulein März mit dem Sams, jenem rotschopfigen kleinen Wesen mit der Rüsselnase, das einst vom Himmel fiel direkt in Herrn Taschenbiers Einkaufskorb und sein Leben vollständig veränderte. Das Familienglück ist perfekt, als Nachwuchs bei Taschenbiers kommt – alle strahlen, Sams gerät in den Hintergrund.

Mit einem fotografischen Rückblick auf den ersten Sams-Film beginnt der neue. Sams hat sich verabschiedet aus dem Leben der Taschenbiers, hat Platz für Martin, den Erdensohn, gelassen. Das ist über zehn Jahre her. Wir lernen Martin Taschenbier kennen, einen schüchternen Jungen, der aussieht wie ein Streber. Aber nicht mal das: Seine Leistungen sind schwach und im Sportunterricht lässt Lehrer Daume all seine Fiesheit an dem rothaarigen, ordentlich gescheiteltem Knaben aus, führt ihn vor, macht ihn lächerlich. Nur Vater Taschenbier, technischer Assistent des Schuldirektors und auch zuständig für den Mondlandschaftsnachbau, kann Schlimmstes verhindern. Doch an Martins elftem Geburtstag zeigt sich all das Elend seines jungen Lebens. Er sitzt allein am gedeckten Geburtstagstisch in einer Dekoration, mit der sich die Eltern wieder mal viel Mühe gegeben haben. Jetzt erinnert sich Herr Taschenbier an das grüne Fläschchen mit der Aufschrift "S.R.Tr." = SamsRückhol-Tropfen. Nach Sausen und Brausen, Zischen und Stampfen steht Sams im Raum, fröhlich, frech, alt- und neunmalklug reimend.

Martin findet in Sams einen Freund und damit es ein richtiger, ganz normaler ist, besteht die Mutter auf Verwünschung der Wunschpunkte. Wünsche werden verschleudert, dass es überhaupt keine Freude ist. Aber Martin und Sams erneuern die Wunschpunkte nach der nur wenigen Menschen bekannten Geheimrezeptur. Der erste Wunsch zeigt schon, dass Martin mehr vom Wünschen versteht als sein Vater: Die Zauberpunkte werden versteckt. So beginnt ein erfolgreiches Kapitel in Martins Schulkarriere und das beschauliche Kleinstadtleben wird kräftig durcheinander gewirbelt. Daume erkennt sich selbst nicht wieder. Aus dem Kinderquäler wird ein lammfrommer Pädagoge. So hätte es munter weitergehen können, wäre Daume nicht hinter das Geheimnis gekommen. Kurzerhand entführt er das Sams und wünscht sich, was er selbst niemals erreichen könnte: den Schuldirektorsposten, schicke Villa, tollen Straßenkreuzer und Fräulein Müller-Klessheim, die Mathematik-Lehrerin. Die Lage für die Taschenbiers und all die anderen guten Leute wie Frau Rotkohl und Herrn Mon sieht finster aus. Aber natürlich kommt alles wie in jedem richtigen Märchen zu einem glücklichen Ende.

Nach "Sams – der Film", den 1,8 Millionen Zuschauer gesehen haben, kommt am 11. Dezember 2003 die Fortsetzung ins Kino. Für Kontinuität sorgen Ulrich Limmer (Produktion und Drehbuch), Ben Verbong (Regie) und Paul Maar (Drehbuch), der auch die Kinderbücher geschrieben hat. Entstanden ist die schon bekannte Sams-Welt, farbenfroh und wundervoll, auf phantastische Ebenen gehoben ohne jedoch den realistischen Boden ganz zu verlieren. "Sams in Gefahr" ist teilweise so skurril wie einst Danny de Vitos "Matilda", obwohl seine Grundstimmung eher von rührender Märchenhaftigkeit und Poesie getragen ist.

"Family-Entertainment" verspricht der Verleih, eine gängige Umschreibung für Kinderfilm. Niemand käme auf die Idee, Paul Maars Sams-Bücher als Familienbücher zu preisen. Es wäre wirklich schön, wenn der Kinder- und Jugendfilm den Stellenwert hätte wie das Kinder- und Jugendbuch – das nur nebenbei.

Es gibt auch ein Wiedersehen mit vielen Schauspielern aus dem ersten Film. Nur das hinreißende Fräulein März (Aglaia Szyzckowitz), inzwischen Frau Taschenbier, wird von Ina Weisse gespielt, zwar nicht ganz so süß – sie ist ja inzwischen auch älter geworden – aber ebenfalls überzeugend. Grandios wie Dominique Horwitz den Fiesling Fitzgerald Daume verkörpert, den eitlen dummen Sportlehrer, der – einmal an der Macht – das Motto der Schule "Am Anfang steht das Wort" in "Am Anfang steht der Sport" ändert. ChrisTine Urspruch hat in diesem Film eine Doppelrolle: als Sams und als Referendarin an Martins Schule. In ihrer echten kleinen Menschengestalt hat sie einen großen Auftritt in der Turnhalle und lässt Daume ziemlich klein aussehen.

Die Guten und die Bösen sind klar erkennbar. Alle Fürsorge gilt dem Unglücksknaben Martin Taschenbier, der durch das Sams auf die Siegerseite gelangt. Das beliebte märchenhafte Motiv, wonach benachteiligte Kinder schließlich auch ohne Zauberkraft den Alltag bestehen (wie zum Beispiel im Kinderkino-Klassiker "Philipp der Kleine") wird hier nicht inszeniert, denn das würde ja das Ende von Sams bedeuten. Martin wird auch in Zukunft das Sams brauchen, ebenso wie der liebenswerte aber schwache Herr Taschenbier.

Kinder haben ihren Spaß an den turbulenten Szenen, an der Respektlosigkeit und Unbekümmertheit des Sams, Erwachsene können sich über ironische Anspielungen auf angestrebte Posten und gesellschaftliche Statussymbole amüsieren – 95 Minuten lang. Weniger wäre allerdings mehr gewesen, eine Kürzung hätte der Geschichte keinen Abbruch getan. Ob diese Sechs-Millionen-Euro-Produktion an den Erfolg des ersten Sams-Films anknüpfen kann, wird das Kinderpublikum entscheiden.

Gudrun Lukasz-Aden

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 129-4/2012 - Interview - "Ich gehe ziemlich liebevoll mit meinen Figuren um"

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DAS SAMS IN GEFAHR im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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