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Ausgabe 96-4/2003

SINBAD – DER HERR DER SIEBEN MEERE

SINBAD: LEGEND OF THE SEVEN SEAS

Produktion: Dreamworks; USA 2003 – Regie: Patrick Gilmore, Tim Johnson – Buch: John Logan – Animation: Jakob Hjort Jensen, William Salazar, Dan Wagner, Rodolphe Guenoden, Bruce Ferriz, Serguei Kochnerov – Schnitt: Tom Finan – Musik: Harry Gregson-Williams – Länge: 90 Min. – Farbe – FBW: wertvoll – FSK: ab 6 – Verleih: UIP (35mm) – Alterseignung: ab 8 J.

Auch den kreativen Köpfen von Dreamworks, jenem Hollywood-Studio, das dem Animations-Giganten Disney seit geraumer Zeit Marktanteile heftig streitig macht, kann natürlich nicht jedes Jahr so etwas Einmalig-Originelles wie "Shrek – Der tollkühne Held" einfallen. Also griff man bei der aktuellen Zeichentrick-Produktion auf Altbewährtes zurück, nämlich auf Sindbad, den Helden aus "1001 Nacht". Zwar wurden die Abenteuer um den kühnen Seefahrer schon mehrfach verfilmt – erinnert sei nur an die tricktechnisch brillante Variante "Sindbads siebente Reise" (1958) von Ray Harryhausen –, doch dass angestaubte Helden wie Tarzan, Hercules oder gar der Glöckner von Notre-Dame im Kino Kasse machen können, hatte die Konkurrenz ja schon eindrucksvoll bewiesen.

Natürlich hat Dreamworks, das Ex-Disney-Computer-Games-Entwickler Patrick Gilmore und "Antz"-Co-Regisseur Tim Johnson mit der Realisierung des Projekts beauftragte, hier und da eine Kleinigkeit geändert. Das fängt bei Marginalien wie dem Titel an, wo einfach das "d" von Sindbad unterschlagen wurde, geht weiter mit der Ausdrucksweise der Figuren, die keinen märchenhaften, sondern einen modernen Slang sprechen, und endet schließlich bei der von "Gladiator"-Autor John Logan verfassten Geschichte, die nichts mehr mit der poetischen, orientalischen Vorlage gemein hat. In "Sinbad – Der Herr der sieben Meere" erweist sich der Titelheld (in der deutschen Fassung von Benno Fürmann locker-lässig gesprochen) als schlagfertiger wie -kräftiger Held, der als Kreuzung aus wackerem Piraten im Stile eines Errol Flynn und Martial-Arts-Recken wie Jet Li daherkommt.

Eigentlich soll dieser Sinbad das ominöse Buch des Friedens finden, um die Welt vor dem totalen Chaos zu bewahren. Der jedoch will sich mit seinen Männern lieber auf den Fidschi-Inseln zur Ruhe setzen. Erst als eine mindestens so schöne wie resolute Frau namens Marina (Jasmin Tabatabai, die schon die Meg in "Hercules" synchronisierte) auf der Bildfläche erscheint, lässt sich Sinbad auf die gefährliche Mission ein. Und so stürzt er sich in halsbrecherische Abenteuer voller monströser Kraken, Verderben bringenden Sirenen und mordlustigen Raubvögeln.

Der "Sinbad" des Jahres 2003 ist ein temporeiches, actionlastiges und durchaus spannendes Filmvergnügen vor allem für diejenigen, die keine werkgetreue Umsetzung erwarten. Geschickt nutzte das Regie-Duo sowohl klassische Folientechnik als auch Computer-generierte Bilder und ließ beide Elemente ohne Reibungsverluste zu einem großen Ganzen verschmelzen. Dass die üblichen schmalzigen Songs fehlen und die Liebesgeschichte eher im Hintergrund bleibt, wird vor allem die erwachsenen Animationsfans freuen. Die Jüngeren haben dagegen, wie zuletzt bei Disneys "Der Schatzplanet", kaum etwas zu lachen. Allenfalls ein geifernder, tumb dreinblickender Hund namens Spike sorgt ab und an für kindlichen Spaß. Zu wenig, um die auch in den USA so wichtige junge Zielgruppe vor die Leinwand zu locken. Dort gilt der neue "Sinbad" bereits als Flop, steht er doch nach zwei Wochen erst bei knapp 19 Millionen Dollar Einspiel – zum Vergleich: "Terminator 3" erwirtschaftete im gleichen Zeitraum 110 Mio. Dollar. Es wird also Zeit, wieder kindgerechtere Zeichentrickfilme in die Kinos zu bringen.

Thomas Lassonczyk

 

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