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Ausgabe 97-1/2004

DER HERR DER RINGE – DIE RÜCKKEHR DES KÖNIGS

LORD OF THE RINGS: THE RETURN OF THE KING

Produktion: Wingnut Films / New Line Cinema; USA 2003 – Regie: Peter Jackson – Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson, nach dem Roman von J.R.R. Tolkien – Kamera: Andrew Lesnie – Spezial Make-Up, Kreaturen, Miniaturen, Digitaleffekte: Weta Ltd. – Visual Effects: Jim Rygiel – Schnitt: Jamie Selkirk – Musik: Howard Shore – Darsteller: Elijah Wood (Frodo Beutlin), Ian McKellen (Gandalf), Viggo Mortensen (Aragorn), Sean Astin (Sam Gamdschie), Andy Serkis (Gollum), Andreas Fröhlich (deutsche Stimme von Gollum) – Länge: 210 Minuten – Farbe – FSK: ab 12 – Verleih: Warner – Altersempfehlung: ab 14 J.

Nun konnte man ihn endlich sehen – den von Millionen Menschen auf der Welt heiß ersehnten dritten und (definitiv) letzten Teil der Trilogie um den Großen Ringkrieg: Die Zeit der Entscheidungen ist gekommen. Während Frodo und Sam begleitet von Gollum immer weiter gen Mordor ziehen, bereiten die Völker Mittelerdes sich auf die große Schlacht vor. Denn die Schlacht bei Helms Klamm war nur der Vorgeschmack dessen, was sich auf der großen Ebene vor der Hauptstadt Gondors, Minas Tirith, ereignen wird. Weil Gandalf das weiß, zieht es ihn noch vor den Gefährten (zusammen mit Pippin) dorthin, wo er dem Truchsess Denethor begegnet, der in seiner Isolation schon fast dem Wahnsinn verfallen ist. Ein Wahnsinn, der mitten in der Schlacht ausbrechen wird, wenn er seinen verwundeten Sohn und sich dem Feuer überantworten will. Derweil versucht Aragorn alles, die Rohirrim zum Kampf an der Seite Gondors zu bewegen; muss sie aber genau in dem Moment verlassen, als sie ihn am nötigsten brauchen. Denn eine Prophezeiung riet ihm, sich auf die Pfade der Toten unter das Gebirge zu begeben. Nur dort kann er Hilfe gegen die Streitmächte Saurons gewinnen, die inzwischen von Süden gegen Gondor rücken. Einst schworen die Toten gegen Sauron anzutreten, brachen ihren Schwur und wurden deshalb von Gondors König zu ewiglicher Verdammnis verurteilt, die erst endet, wenn sie ihren Schwur einlösen. Und Aragorn ist (als legitimer Nachfahre und neuer König Gondors) der einzige, der sie zur Einlösung des alten Schwures zwingen kann.

Es kommt zur großen Schlacht auf der Ebene vor Gondors Weißer Stadt, die die Rohan mit ihrem plötzlichen Erscheinen zu Gunsten des Guten wenden können. Allerdings zu einem hohen Preis: Theoden fällt im Kampfe, Eowyn und Merry werden bei der Tötung des Herrschers der Ringgeister schwer verwundet und Minas Tirith ist zur Hälfte zerstört. Derweil fallen Frodo und Sam den Intrigen des finsteren Gollum zum Opfer, der immer mehr zum Bösen neigt, je näher sie Mordor kommen. Es gelingt dem kleinen Plagegeist, die Freunde gegeneinander aufzuhetzen und voneinander zu trennen, so dass er mit Frodo allein den Pass nach Mordor überquert. In der Höhle über dem Pass wird Frodo von einer riesigen Spinne attackiert und gelähmt. Sam findet ihn kurze Zeit später, hält ihn für tot und will allein weiterziehen, muss aber erkennen, dass er einen Fehler begangen hat. Ganz auf sich gestellt befreit er Frodo aus der Hand der Orks und gibt ihm den Ring zurück, den er an sich nahm, um die Mission zu vollenden. Am Schicksalsberg angekommen, will Frodo den Ring nicht mehr ins Feuer werfen, unterliegt stattdessen vollständig der bösen Macht und will selber zum Herrscher werden. Doch ausgerechnet Gollum ist es, der auf seine Weise für die glückliche Vollendung der Mission sorgt.

"Und sie lebten glücklich bis an ihr Lebensende", heißt es am Schluss aller Märchen dieser Welt. Hier ist das nicht so, denn die Helden haben sich verändert. Am stärksten gilt das für Frodo, der zuviel gesehen und erlebt hat, was ihn soweit von seinem früheren Ich entfernt, dass er mit den anderen Mächtigen Mittelerde verlässt und mit den Elben gen Westen zieht.

Jacksons dritter Teil versöhnt ganz nebenbei mit einigen Ungereimtheiten des zweiten Films. So ist der Zwerg Gimli wieder deutlicher als gefährlicher Krieger zu erkennen, der zwar auch komische Elemente hat, den man aber besser nicht zum Gegner haben sollte. Auch diesmal erweisen sich Jacksons bewusste Abweichungen von der Vorlage als Glücksgriff: So hat er den Konflikt zwischen Sam und Frodo stärker akzentuiert, was aber die Figur des Sam noch bedeutender macht. Schließlich folgt er Frodo und Gollum, obwohl sein Freund ihn weggestoßen hat, als sei er ein lästiges Insekt. Damit dürfte Jacksons Version auch all jenen gefallen, die schon immer behauptet haben, Sam sei die am meisten unterschätzte Figur der Trilogie; ist er doch der einzige (neben Bilbo), der den Ring jemals freiwillig wieder zurückgab, nachdem er ihn einige Zeit besaß. Schade nur, dass uns Jackson – wie auch das deutsche Hörspiel – um die Befriedung des Auenlandes betrügt, das bei Tolkien von Menschen besetzt war und von den vier Hobbits befreit werden muss. Bei den vielen Schluss-Szenen am Ende (die fast 30 Minuten dauern), wäre dafür auch noch Zeit gewesen.

Der eigentliche Höhepunkt des Films ist sicherlich die Schlacht auf den Feldern vor Minas Tirith, wo Jackson keinen Aufwand scheute, um Tolkiens grandiose Visionen in glaubhafte Bilder umzusetzen. Es ist aber nicht nur die schiere Zahl der Kämpfer und die teilweise recht heftige Action, die den Reiz dieser Sequenzen ausmachen. Jackson beweist auch psychologisches Gespür. Wenn er den großen Auftritt der Reiterarmee der Rohirrim inszeniert, dann meint man, die Angst des Gegners dieser geballten Macht förmlich zu spüren. Angst nicht nur vor der Zahl der Reiter, sondern auch vor deren Entschlossenheit, lieber zu sterben als unter Saurons Joch zu leben. Wie überhaupt eine ganze Zeit lang eine Entschlossenheit, ja Todessehnsucht den Film durchzieht, die ich so zuletzt in den großen japanischen Samurai-Epen eines Akira Kurosawa erlebt habe. Neuseeland liegt eben doch näher an Japan als an Europa. Und natürlich sind Jacksons monumentale Schlacht- und Kampfszenen auch eine Verbeugung vor dem göttlichen Meister Kurosawa, dem er hier eindeutig sehr viel zu verdanken hat.

Auch sonst wendet sich im dritten Teil vieles zum Besseren: Das gilt vor allem für Howard Shores Musik, die endlich stets den richtigen Ton findet und auch die Elben nicht mehr so verkitscht wie zuvor. Jetzt nach drei Teilen kann ich nur wiederholen, was ich schon zum ersten Teil geschrieben habe: "Damit gelang Jackson etwas, was bei Literaturverfilmungen die große Ausnahme ist: Er erfasste die Essenz des Buches und setzte sie in Bilder um, die man so schnell nicht vergessen wird." Peter Jacksons "Herr der Ringe-Trilogie" ist ein Meilenstein des Fantasy-Films, der auch noch nach Jahren Bestand haben wird; keine drei Fortsetzungsfilme, sondern ein großer Film, den man nur ob seiner Länge (mit den langen Fassungen über 12 Stunden) leider nicht am Stück sehen kann.

Lutz Gräfe

 

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