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Ausgabe 97-1/2004

SCHWERER ABSCHIED: MEIN VATER

DISKOLI APOCHERETISMI: O BABAS MOU

Produktion: CL Productions Athen / Twenty Twenty Vision Berlin; Griechenland / Deutschland 2002 – Regie und Buch: Penny Panayotopoulou – Kamera: Dimitris Katsaitis – Schnitt: Petar Markovic, Angelos Angelopoulos – Musik: Stavros Sofianopoulos – Darsteller: Giorgos Karayannis (Elias), Stelios Mainas (Vater von Elias), Ioanna Tsirigouli (Mutter von Elias), Christos Stergioglou, Christos Bougiotas u. a. – Länge: 113 Min. – Farbe – Verleih: Pegasos – Altersempfehlung: ab 10 J.

Der neunjährige Elias aus Athen verliert durch einen Autounfall seinen geliebten Vater. Es ist der Sommer des Jahres 1969 und der Vater hatte Elias versprochen, mit ihm gemeinsam die erste Mondlandung der "Apollo" im Fernsehen anzusehen, sobald er von seiner Geschäftsreise zurück sei. Als die Nachricht von seinem Tod eintrifft, sind Mutter und der ältere Bruder geschockt. Nur Elias verweigert sich der Realität. In der Schule leugnet er den Tod seines Vaters, zieht seine Sachen an und schreibt die Briefe des Vaters an die Großmutter weiter. In seiner Fantasie spielt er die spannenden Jules-Verne-Spiele mit seinem Vater weiter und übernimmt dabei auch dessen Rolle. Unnahbar für Mutter, Bruder und alle Verwandten zieht er sich vollkommen in seine eigene Welt zurück und ignoriert dabei auch die Beerdigung des Toten. Erst am Tag der Mondlandung findet Elias seinen eigenen Weg, sich auf seine Weise vom Vater zu verabschieden und zu akzeptieren, dass sein eigenes Leben auch ohne den Vater weitergehen wird.

Die Trauerarbeit eines Kindes um den plötzlichen Verlust eines geliebten Menschen, von dem man sich wie in diesem Fall nicht einmal verabschieden konnte, ist kein leichtes Thema für einen Kinderfilm. Penny Panayotopoulou, die den Film ihren Eltern gewidmet hat, stellte sich diesem Tabuthema vieler Erwachsener mit Bravour und setzte es mit einer ruhigen, sehr poetischen und traumhaften Bildsprache ansprechend und einfühlsam (auch bei der wiederholt aufgegriffenen, jedoch nie im Detail gezeigten Unfallszene) um. An "Ponette" von Jacques Doillon, in dem es um die Trauerarbeit einer Fünfjährigen um ihre Mutter geht, reicht der erste Langspielfilm der griechischen Regisseurin zwar nicht ganz heran. Aber ihr "Pendant" auf der Vater-Sohn-Ebene ist nicht minder eindringlich gespielt und durch den mal unschuldig naiv, dann wieder trotzig und verbockt oder auch träumerisch verspielt agierenden Kinderdarsteller überzeugend vermittelt. Giorgos Karayannis als Elias hat für seine Leistung auf dem Filmfestival von Locarno 2002 einen Preis als bester Darsteller erhalten.

Das sehr verhaltene Erzähltempo des Films und einige Längen werden wettgemacht durch eine unaufdringliche Kamera, die bewusste Vermeidung allzu melodramatischer Szenen und vor allem durch die optisch gelungene Umsetzung der Gefühls- und Traumwelt eines Kindes. Die gezielt angewendete Farbgebung trennt Traumszenen von der realistischen Erzählebene, weist insbesondere der Farbe Blau eine geschickt genutzte dramaturgische Funktion zu. Beispielsweise wird ein blaues Auto, das ständig im Kreis fährt und zum Teil in der Vogelperspektive gefilmt ist, zur Metapher für die Gedankenwelt des Jungen und seine Beziehung zum Vater. Solche Momente gehören zu den stärksten des Films, machen aus ihm noch kein Meisterwerk, ihn auf jeden Fall aber sehenswert.

Holger Twele

 

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