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Ausgabe 97-1/2004

Eine Mischung aus Humor, Zärtlichkeit und Ironie

Philippe Muyl, Regisseur des Films "Der Schmetterling"

(Interview zum Film DER SCHMETTERLING)

KJK: Warum machen Sie Filme?
Philippe Muyl: "Weil ich gerne Geschichten erzähle. Das ist meine Form, mich auszudrücken und mich so besser kennen zu lernen. Und weil ich glaube, dass die Geschichten, die ich zu erzählen habe, zu etwas 'dienen' können; in dem Sinne dass sie nicht die dunklen Seiten der Menschen reizen (es gibt schon genug Filme, die das tun!)"

Ist es das erste Mal, dass Sie das Drehbuch allein geschrieben haben?
"Nein; bei meinem Regiedebüt 'L'arbre sous la mer' nach einem griechischen Roman habe ich die Adaption ganz allein geschrieben. Auch das Drehbuch zu 'La vache et le président' habe ich zu 95 Prozent selbst geschrieben. Aber tatsächlich habe ich das Buch zu 'Der Schmetterling' ganz alleine geschrieben. Ich habe recht viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Co-Autoren, so dass ich die Vor- und Nachteile gut kenne. Dieses System funktioniert in den USA besser, allerdings kommt dabei der Respekt vor den Autoren etwas zu kurz. Ich habe immer mehr Lust alleine zu schreiben, weil ich jetzt zu wissen glaube wie mein persönlicher Kosmos aussieht, eine Mischung aus Humor, Zärtlichkeit und Ironie. Ich glaube, dass genau das mein Tonfall ist. Ich möchte auf jeden Fall drei oder vier Geschichten ganz alleine schreiben. Danach werden wir ja sehen ob ich auf dem richtigen Weg war."

War es sehr schwer, Michel Serrault für den Film zu gewinnen?
"Ich kannte ihn vorher gar nicht. Ich habe das Drehbuch seinem Agenten gegeben, der es gelesen hat und dann an Michel weitergab. Später habe ich erfahren, dass es in Wahrheit Michels 15-jährige Enkelin als Erste gelesen hat. Sie hat ihm dann gesagt: 'Das ist ein gutes Buch, du musst den Film machen.' Dann erst hat Michel es gelesen und zugesagt."

Wie lange haben Sie nach der Darstellerin für die kleine Elsa gesucht und wo und wie haben Sie sie dann gefunden?
"Drei oder vier Monate lang haben wir uns etwa 300 Kinder angesehen. Die Auswahl ging dann relativ schnell. Es gibt nicht so viele Kinder, die das Spiel im Blut haben, die auf Anhieb wissen, wie man richtig agiert ohne dabei zu chargieren. Ich hatte das Glück (und den Instinkt!), in Claire das Mädchen zu sehen, die ihrer Figur eine Seele geben konnte. Sie brauchte nur einen halben Drehtag, um sich in die Figur einzufühlen. Sie ist ein entzückendes, sehr intelligentes Mädel, das aus einem ausgeglichenen Elternhaus aus einem Vorort von Paris kommt."

War es für Sie nicht eine große Umstellung, sich auf einmal fernab der großen Stadt mitten im Gebirge wiederzufinden?
"So ein Dreh in freier Natur muss auf der logistischen Ebene gut vorbereitet sein. Also hatten wir keinerlei Probleme, auch wenn wir unter Regen und Nebel zu leiden hatten. Das einzige Problem bei Kindern ist allerdings die Müdigkeit. Wir hatten recht schwierige Drehzeiten; früh aufstehen und/oder spät schlafen gehen. In diesem Fall muss man einfach den Biorhythmus des Kindes berücksichtigen, umso mehr, als sie das ja zwei Monate durchhalten musste."

Und wie war das für Michel Serrault
"Nun ja, er ist nicht mehr der Jüngste und das Gebirge kann ziemlich anstrengend sein. Einige Szenen, in denen er recht flott mit dem Rucksack auf dem Rücken marschieren musste, waren nicht eben einfach. Aber das waren nur wenige Momente. Das wirklich Schwierige war, auf beide gleichermaßen zu achten. Denn jeder von ihnen gab gelegentlich auf seine Weise aus unterschiedlichen Gründen zu erkennen, dass sie einfach sehr müde waren. Aber damit das Spiel funktioniert, müssen beide zur selben Zeit in guter Form sein."

Wie haben Sie erreicht, dass Claire Bouanich so natürlich wirkt; auch in den dramatischen Szenen gegen Ende des Films?
"Das weiß ich nicht. Sie spielt einfach recht natürlich. Und wenn sie ein wenig übertrieben hat oder den Text eher 'sang' als sprach, was ihr von Zeit zu Zeit passierte, habe ich sie darauf hingewiesen und sie hat sofort begriffen, was los war. Es gab auch schwierige Situationen. Zum Beispiel bei der Szene in der Höhle. Ich glaube, sie war müde oder hatte ein wenig Angst. Ein Kind in Szene zu setzen, ist mehr Psychologie als Schauspielerführung. Aber ich bin weder Psychologe noch Kinderarzt. Ich habe ganz einfach ganz normal mit ihr gesprochen und ich hatte überhaupt keine Probleme mit ihr. Ich muss aber auch ihrer Mutter Tribut zollen, die sie am Vorabend auf die Szenen des nächsten Tages vorbereitet und mir so erheblich geholfen hat."

Wie hat Claire reagiert, als Sie auf einmal mit einem so großen Star wie Michel Serrault arbeitete?
"Auf die einfachste Weise der Welt. Für sie war Michel kein großer Star. Vielleicht hat sie ihn mal im Fernsehen gesehen oder ihre Eltern haben ihr gesagt, wer das ist, aber im Grunde war es ihr egal. Für sie ist Michel Serrault einfach ein Schauspieler und das war's. Und ein Schauspieler ist eben nicht so beeindruckend."

Das ist jetzt bereits Ihr zweiter Film, der auch für Kinder geeignet ist. Machen Sie gerne Filme für Kinder?
"Ich mache gerne Filme, nicht für Kinder, sondern für die ganze Familie, Family Movies (so im Original, Anm. d. Red.). Ich habe jetzt zwei gedreht (und einen Fernsehfilm mit einem kleinen kambodschanischen Mädchen). Vielleicht mache ich später noch einen (das habe ich zumindest vor!), aber zunächst mache ich jetzt mal ein oder zwei Filme ohne Kinder. Ich muss auch mal groß werden. Ich muss hinzufügen, dass sich in Frankreich kein Profi oder Geldgeber dafür interessiert. Das ist ein zweitrangiges Genre. Auch die Kritiker denken so. Und man kann nicht die ganze Zeit gegen alle Welt antreten. Ich finde das sehr bedauerlich, denn für mich gibt es beim Filmemachen so etwas wie eine moralische Verantwortung. Und was zeigt man den Kindern? Die Amerikaner befassen sich damit (zumeist ganz gut, wie vieles, was sie anfassen), ein wenig die skandinavischen Kinematographien und die Franzosen überhaupt nicht. Meiner Ansicht ist es fast ein Muss, dass man jedes Jahr eine gewisse Anzahl Familienfilme produziert, die positive Werte transportieren. Wenn ich so was hier in Paris sage, hält man mich für einen Reaktionär. Ich verstehe das nicht. Auf jeden Fall ist das meine Auffassung."

Was wäre Ihr Traumprojekt?
"Ich würde gerne Hermann Hesses 'Siddharta' verfilmen; allerdings ohne Dialoge nur mit Musik. Man kann ja mal träumen!"

Dieses Interview mit Philippe Muyl wurde nicht als Gespräch, sondern per e-mail geführt.
Fragen und Übersetzung aus dem Französischen: Lutz Gräfe

 

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