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Ausgabe 100-4/2004

MEIN BRUDER IST EIN HUND

Produktion: Tradewind / WDR / Dogpic / Bos Bros.; Deutschland / Großbritannien / Niederlande 2004 – Regie: Peter Timm – Buch: Thomas Springer – Kamera: Achim Poulheim – Schnitt: Barbara Hennings – Musik: – Darsteller: Maria Ehrich (Marietta), Hans-Laurin Beyerling (Tobias), Christine Neubauer (Mutter), Martin Lindow (Vater), Irm Hermann (Oma Gerda) u. a. – Länge: – Farbe – FBW: wertvoll – FSK: o. A. – Verleih: Solo Film – Altersempfehlung: ab 6 J.

Marietta wünscht sich nichts sehnlicher als einen Hund. Ihre Eltern Maria und Martin, ein überarbeiteter Erfinder, sind davon allerdings nicht begeistert. Als Marietta zu ihrem zehnten Geburtstag einen magischen Stein aus Afrika geschenkt bekommt, stehen die Chancen plötzlich gut. Der Stein soll nämlich den größten Herzenswunsch eines Menschen erfüllen. Und natürlich zaubert sich das Mädchen einen Vierbeiner herbei. Doch wer hätte gedacht, dass ausgerechnet ihr vierjähriger Bruder Tobias, der ihr ständig auf die Nerven geht, sich in einen putzigen Vierbeiner verwandelt?

Während die Eltern ahnungslos einen Urlaub auf einem Hausboot antreten, um ihre angeschlagene Ehe zu kitten, passt zu Hause die strenge Oma Gerda auf. In ihrer Not macht Marietta ihr weis, dass Tobias kurzfristig mit den Eltern abgereist ist, während sie bei Telefonaten mit den Eltern immer neue Ausreden erfindet, warum das Brüderlein nicht da ist. Trotz dieser Sorgen hat sie zunächst reichlich Spaß mit ihrem in einen Zwergschnauzer verwandelten Bruder. Doch dann macht die Großmutter aus dem Hund Tobi einen Filmstar und sorgt für weitere Komplikationen. Als die misstrauisch gewordenen Eltern unverhofft zurückkehren, spitzt sich die Lage zu.

Regisseur Peter Timm ("Familie XXL", "Go Trabi Go") hat reichlich Erfahrung mit Vierbeinern vor der Kamera. Seine Titelhelden und Publikumslieblinge hießen schon mal "Rennschwein Rudi Rüssel" (1995) und "Ferkel Fritz" (1997). Nach etlichen TV-Filmen und Kinoarbeiten fürs erwachsene Publikum hat sich der gebürtige Ostberliner sofort für das Originaldrehbuch des Kölner Autors und Produzenten Thomas Springer begeistert und den Stoff für 4,5 Millionen Euro in Thüringen und Köln realisiert.

Für die amüsante Kombination aus turbulenter Abenteuergeschichte und tierischer Verwechslungskomödie hat er mit Maria Ehrlich und Hans Laurin Beyerling (der bereits in "Wolffs Revier" vor der Kamera stand) zwei überzeugende Jungdarsteller aus 800 Kandidaten ausgewählt. Und für die Erwachsenenrollen konnte er eine Reihe prominenter Mimen gewinnen: So spielt Christine Neubauer ("Männer sind zum Abgewöhnen") die langmütige Mutter, der Ex-Fahner Martin Lindow ("Soko Köln") den übereifrigen Vater, der über seinen beruflichen Sorgen seine Familie arg vernachlässigt, und der einstige Fassbinder-Star Irm Hermann die leicht überdrehte und fernsehverrückte Großmutter. In der deutsch-niederländisch-britischen Koproduktion übernahmen außerdem der Brite Gary Lewis ("Billy Elliot") und die Niederländerin Ellen ten Damme ("Fickende Fische") markante Nebenrollen. Gastauftritte absolvieren außerdem der Comedy-Star Ingolf Lück und der Kika-Moderator Karsten Blumenthal.

Timm weiß, wie man große und kleine Zuschauer zum Lachen bringt und schöpft in seinem jüngsten Film aus dem Vollen. Um gerade das junge Publikum bei der Stange zu halten, baut er auch allerlei Slapstick und plakative Gags ein, vom herabfallenden Farbeimer bis zum afrikanischen Wüstenbewohner im Schneegestöber. Ältere Zuschauer werden eher über die seltsamen Gewohnheiten der TV-süchtigen Oma oder das Gezeter der Eheleute schmunzeln.

Allzu typisiert bis holzschnittartig sind dagegen etliche Nebenfiguren ausgefallen, etwa der Antiquitätenhändler oder die Filmleute. Das in Afrika spielende Vorspiel, das die magische Kraft des Steines belegen soll, wirkt leider nur lose angeklebt an die Hauptgeschichte. Einige Nebenhandlungen führen darüber hinaus etwas weit weg vom Kern der Geschichte, hier hätte man sich eine stärkere Konzentration auf die familiären Spannungen gewünscht, insbesondere auf den zu kurz gekommenen Basiskonflikt zwischen Bruder und Schwester. Trotz solcher Schwächen ist Springer/Timm ein kurzweiliger Kinder- und Familienfilm gelungen, dem zu wünschen ist, dass er auch ohne bekannte Buchvorlage ein größeres Publikum anzieht.

Reinhard Kleber

 

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