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Ausgabe 100-4/2004

YU-GI-OH! – DER FILM

YU-GI-OH! THE MOVIE

Produktion: Studio Gallop, 4Kids Productions; Japan / USA 2004 – Regie: Hatsuki Tsuji – Buch: Matthew Drdek, Lloyd Goldfine, Norman J. Grossfeld, Michael Pecoriello, nach dem Manga von Kazuki Takahashi – Kamera: Hiroaki Edamitsu, Duk Gyu Choi, Tae Hee Heo, Kang Ok Kim – Schnitt: Masao Nakagawa – Musik: Julian Schwartz, John Siegler – Länge: 77 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – Verleih: Warner Bros. – Altersempfehlung: ab 12 J.

"Yu-Gi-Oh!" heißt übersetzt "König der Spiele". Bei diesem Kartenspiel kommt es auf das "Duell" der Spieler an, wobei sie Spielkarten verwenden, auf denen fantastische Wesen abgebildet sind. Jede Karte enthält unterschiedliche Monster, Zauberformeln und Fallen mit verschiedenen Stärken und Schwächen. Die Duellanten müssen strategisch spielen und die Karten aus ihrem Stapel in ihrer schlagkräftigsten Kombination einsetzen. Nur so können sie ihre Gegner besiegen und zu den Meister-Duellanten aufsteigen.

"Yu-Gi-Oh! – Der Film" ist ein Anime mit dem Manga-Helden Yugi – dem "König der Spiele" – und seinen Freunden und Widersachern. Yugis Geschick in den Spieleduellen verdankt er vor allem seinem Großvater Muto, der einen Spieleladen führt und seinem Enkel alle Tricks beigebracht hat. Er arbeitete früher als Ägyptologe und hat Yugis Millennium-Puzzle entdeckt. In der Filmhandlung geht es in erster Linie um die Beziehung zwischen Yugi und seinem Alter Ego, dem Pharao Yami, und dem ewigen Rivalen Seta Kaiba. Der Pharao lebt als Geist in dem mystischen Millennium-Puzzle weiter, das Yugi um den Hals trägt.

Yugis Alter Ego hatte vor etlichen Jahrtausendjahren das ägyptische Fabelwesen Anubis bezwungen. Bei archäologischen Grabungen wird Anubis zufällig wiedererweckt und will sich an Yugi rächen. Und so ganz nebenbei auch noch die Weltherrschaft an sich reißen. Anubis trägt den Namen eines der ältesten und bedeutendsten Götter der altägyptischen Mythologie. Bei seinem Rachefeldzug tritt er mit einer Armee von Ungeheuern – darunter auch eine Brigade neu zum Leben erweckter Mumien – gegen Yugi an, die alle seine bisherigen Gegner weit in den Schatten stellen.

Beim Kampf gegen Anubis Monster – in Form eines von Taktik geprägten Kartenspiels, wobei die animierten Figuren direkt aufeinander treffen – wird Yugi von seinen Freunden Yoey und Tristan sowie von seiner Freundin Tea unterstützt. Angefangen hat es mit der nicht enden wollenden Auseinandersetzung mit Seto Kaiba, ein schwerreicher Schüler, der den millionenschweren Hightech-Spielekonzern KaibaCorp leitet. Kaiba kennt sich in Kartenspielen bestens aus und hat bereits einmal den Weltmeistertitel errungen. Eine seiner innovativsten Erfindungen ist die Holografie-Technologie, mit der Monster und Zauberkunststücke realistisch dargestellt werden können. Kaiba ist ehrgeizig und machtgierig – und eifersüchtig auf Yugis Erfolg in der Spielewelt. Sein quirliger kleiner Bruder Mokuba ist bei all den Duellen dabei, entwickelt aber ein starkes Mitgefühl für alle Beteiligten und gerät so in Konflikte zwischen seiner Loyalität zu seinem Bruder und seinem eigenen Gewissen.

Nun aber haben Yugi und seine Crew es nicht nur mit Seto Kaiba als Gegenspieler zu tun, sondern auch mit Anubis und seinen Dämonen. Dieser gelangt im Verlauf der Handlung zu ungeahnten Kräften – anscheinend wird er stärker, je mehr Lebenspunkte Yugi verliert. Schließlich verwandelt er sich in ein gigantisches Monster, das sich von niemandem mehr aufhalten lässt. Aber der gerissene Yugi hat immer noch eine Karte im Spiel, denn er ist dem Geheimnis des Millennium-Puzzles auf die Spur gekommen.

Der seit 1996 aktive, vom Zeichner und Texter Kazuki Takahashi kreierte Yugi hat es mittlerweile zu quotenstarken Anime-Serien, einer Reihe von Videospielen und einem Spiel mit Sammelkarten gebracht. Die Fernsehserie läuft in über 60 Ländern in 20 verschiedenen Sprachen; weltweit werden Kartenspielturniere veranstaltet. Zur Deutschen Meisterschaft 2004, ausgetragen am 12. Juni im hessischen Offenbach, trafen sich über 260 Spieler, die sich für die Endrunde qualifiziert hatten. Der Sieger nahm an der Weltmeisterschaft teil, die am 25. Juli in Kalifornien stattfand. Hier wurden 20.000 "Yu-Gi-Oh!"-Fans erwartet. Die Manga- und Anime-Charaktere als Spielkarten sind mittlerweile Bestandteile einer Jugendkultur, die in Deutschland weniger verbreitet und anerkannt ist als in anderen Ländern.

Yugi, der durchschnittliche Schüler, ist eine ideale Identifikationsfigur für viele Gleichaltrige, die sich ebenfalls mit Zweifel und Ängsten herumschlagen müssen. Aber Yugi schafft es nur mit Hilfe des Medaillons, sich von einem schüchternen Underdog in einen starken, selbstbewussten Helden zu verwandeln. Nicht viel anders ergeht es ja auch Peter Parker, wenn er Spider-Man wird. Löst dieser alle Probleme schwungvoll und im Alleingang, so ist Yugi doch sehr stark auf die Hilfe seiner Freunde angewiesen. Diese Moral entspricht in erster Line seinem Schöpfer Kazuki Takahashi: "In diesem Film konzentrieren wir uns auf das Thema, dass Macht allein nichts nützt. Leben müssen wir, indem wir mit anderen zusammenarbeiten."

Die "Yu-Gi-Oh!"-Fernsehserien entstanden zunächst für den japanischen Markt und wurden anschließend für die Zuschauer in den übrigen Ländern übersetzt. "Yu-Gi-Oh! – Der Film" konzipierte man von vornherein für ein weltweites Publikum, nachdem das Franchise bereits das globale Vertriebsnetz vorbereitet hatte. Der Film entstand als Gemeinschaftsproduktion von Nihon Ad Systems, dem japanischen Studio Gallop (hier entstehen die Animes) und der koreanischen Dong Woo Animation, wobei Handzeichnungen mit Computerbildern kombiniert werden. Die Programm füllende, in sich abgeschlossene Handlung musste dem Konzept der Fernsehserie treu bleiben, in der sich die Geschichte über eine ganze Staffel, also im Verlauf von 50 Episoden entwickelt.

Einerseits sollten die Fans der Serie ihre Helden wieder erkennen, andererseits muss der Film auch für Zuschauer verständlich sein, die die Serie nie gesehen hatten. Es wurde folgerichtig eine neue, eigenständige Story entwickelt, die selbstverständlich der "Yu-Gi-Oh!"-Produktpalette dienlich ist. Dazu gehörten nicht nur die Serien, sondern auch die Manga, in Deutschland im Angebot der Carlsen Comics und regelmäßig Gast im Monatsmagazin "Banzai". Der Charme dieser Storys ist die Verankerung im Milieu der Schule und dem Umfeld der Jugendlichen wie Freizeit und Familie.

Davon ist in dem Film nichts zu sehen. Er konzentriert sich hauptsächlich auf die Kreation außergewöhnlicher Drachen und Monster und lässt keinen Spezialeffekt aus, ihre lärmenden Duelle in großformatigen Bildern zu präsentieren. Wird das im Manga dargestellt und wiederholen sich die Bilder, so kann man das schnell überlesen und weiterblättern. Das ist im Kino leider nicht möglich. Und so zerstören die endlosen, monotonen Kampfsequenzen die Profile der Protagonisten und ihre individuellen Charaktere. Sie werden zugedröhnt von bombastischen Kompositionen und Montagen.

Ganz offensichtlich kommt es in dem Film nur darauf an, eindringlich und ausführlich neue Figuren des Kartenspiels zu präsentieren und in ihr dramatisches Potential zu intensivieren. Die künstlerische Qualität der Animation lässt demgegenüber viel zu wünschen übrig. Möglicherweise ist der "Yu-Gi-Oh"-Kult rückläufig und soll nun neu belebt werden. Die Vermarktungswelle die Films im Kino und auf DVD ist jedenfalls angelaufen und wird voraussichtlich auch die finanziellen Erwartungen der Produzenten erfüllen. Die wahren Freunde von Yugi werden sich allerdings in anderen Medienwelten, OVA und Manga, treffen.

Horst Schäfer

 

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