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Ausgabe 101-1/2005

"Man muss nicht so tun, als würden Kinder bestimmte Dinge nicht verstehen"

Gespräch mit Katrin Hoffmann, Leiterin der Sektion Kinderfilm beim Filmfest München ab 2005

Interview

22 Jahre lang, seit seinem Bestehen, haben Hans und Christel Strobel das Münchner Kinderfilmfest geleitet. Nun hören die beiden auf. Neue Festivalchefin wird die Germanistin und Theaterwissenschaftlerin Katrin Hoffmann. Sie war von 1995 bis 1997 Mitarbeiterin beim Münchner Kinderfilmfest und im Kinderkino München e.V., von 1997 bis 2002 leitete sie zusammen mit Doris Schalles-Öttl das Museumskinderkino MUKKI im Kinder- und Jugendmuseum München. Sie schreibt Filmkritiken für die Fachzeitschrift epd Film (Frankfurt) und ist Autorin des Lexikons des Kinder- und Jugendfilms. Katrin Hoffmann hat vier Kinder. Für die KJK sprach die Journalistin Martina Knoben mit Katrin Hoffmann.

KJK: Wie ist das, wenn man jemanden wie Hans und Christel Strobel ablöst? Haben Sie das Gefühl, ein schwieriges Erbe anzutreten?
Katrin Hoffmann: "Ich bin häufiger darauf angesprochen worden, nach dem Motto 'das sind aber große Schuhe, in die du da einsteigst'. Aber ich habe nicht das Gefühl, dass es ein schwieriges Erbe ist, weil Hans und Christel Strobel mich sehr gefördert haben, mich für die Festivalleitung vorgeschlagen haben und wollen, dass ich ihre Arbeit weiterführe, das Qualitätskino, das sie bis jetzt gemacht haben. Ich arbeitete mit ihnen zusammen, im Kinderkino Olympiadorf, bei den Kinderfilmtagen im BMW Museum und eben auch beim Kinderfilmfest. Von daher kenne ich ihre Art und Weise zu arbeiten und weiß, wo ihre Präferenzen liegen."

Wo wollen Sie Ihre Akzente beim Kinderfilmfest München setzen?
"Was ich auf jeden Fall machen werde, ist ein Tag mit Kurz- und Trickfilmen. Kurzfilme sind eine schöne Möglichkeit, auch die Kindergärten ins Kino zu bringen."

Weil die ganz Kleinen nur Aufmerksamkeit für ganz kurze Filme haben?
"Ja. Man kann natürlich fragen: Müssen jetzt schon die Drei- und Vierjährigen ins Kino? Aber man weiß ja, dass sie zu Hause vor dem Fernseher sitzen und schon medientauglich sind, wie man so schön sagt, so dass sie auch Kurzfilme gut anschauen können. Wir haben das im Museumskinderkino in München ausprobiert, es ist von den Erzieherinnen gut angenommen worden und die Kinder waren begeistert."

Sie sprachen auch von Jugendfilmen.
"Ich würde gerne ein Jugendfilmfest einrichten, zusätzlich zum Kinderfilmfest. Das wäre eine gute Möglichkeit, die Lücke zwischen dem Kinderprogramm, das offiziell bis zwölf Jahre geht, und dem Erwachsenenprogramm zu schließen. Das Jugendfilmfest sollte allerdings nicht im Vortragssaal der Bibliothek im Gaststeig stattfinden, wo die Kinderfilme laufen, sondern höchstwahrscheinlich im MaxX, einem Kino, das auch von den Jugendlichen angenommen wird. Fürs Filmfest würde so ein Jugendprogramm viel mehr Arbeit bedeuten, weil alle Filme, die man in diesem Programm zeigt, ebenfalls – wie beim Kinderfilmprogramm – eine Altersfreigabe brauchen. Das heißt, alle müssen durch einen Gutachterausschuss beurteilt werden. Wobei die Jugendreihe nicht unbedingt nur die Zwölf- bis Achtzehnjährigen, sondern auch die Jugend um die zwanzig ansprechen soll. Ich bin mir ziemlich sicher, dass ich eine Anime-Reihe machen werde, eine Retrospektive. Darauf reagieren Jugendliche. Das Jugendfilmfest muss dann natürlich beworben werden, braucht einen eigenen Titel und spezielle Flyer, damit die Jugendlichen sehen: Das ist für uns."

Weiß Festivalleiter Andreas Ströhl schon davon?
"Er findet es gut. Es gab ja schon beim letzten Filmfest zum Beispiel zahlreiche Musikfilme, die speziell angekündigt wurden und auch für Jugendliche geeignet waren. Auch die Berlinale hat seit 2004 mit '14plus' eine Jugendreihe, in der im letzten Jahr ganz tolle Filme liefen."

Was ist mit Dokumentarfilmen für Kinder?
"Das ist ein Dauerthema. Wichtiger sind mir im Moment allerdings Sachen, die die Kinder selber machen, Workshops hätte ich gerne. In einem solchen Workshop könnten die Kinder zum Beispiel einen Trickfilm herstellen und am letzten Tag des Kinderfilmfests oder zur Kurzfilmreihe ihren Film dann präsentieren. Die Kinder sind immer ganz begeistert, wenn sie mit der Trickbox arbeiten und auch bei der klassischen Blankfilmbemalung können sie das Medium Film von einer anderen Seite kennen lernen. Was ich außerdem sehr gerne von den Kindern hätte, wäre ein Trailer fürs Kinderfilmfest. Eine andere Idee ist, dass die Filmkritiken, die die Kinder schreiben, auf der Internet-Seite des Filmfests veröffentlicht werden. Ob das alles gleich machbar ist, wird sich noch herausstellen."

Der Kinderfilm ist eher ein Randbereich des Kinos. Wie sind Sie dazu gekommen?
"Es begann damit, dass ich in Frankfurt fürs Filmmuseum das Buch 'Magische Schatten. Ein Kinderbuch zur Entstehung des Films' geschrieben habe. Das hat eigentlich nichts mit Kinderfilm zu tun, sondern mit der Frühgeschichte des Films; es ist ein Begleitbuch zur Dauerausstellung im Deutschen Filmmuseum geworden. Da musste ich mich damit auseinander setzen, wie man Kindern die Frühgeschichte vermitteln kann, und das hat mir sehr viel Spaß gemacht. Über den LUCAS, das Kinderfilmfest in Frankfurt, bin ich mehr oder weniger automatisch bei Strobels hier in München gelandet. Wir haben uns bei den Veranstaltungen des Kinderkino München kennen gelernt, da haben sie mich einfach angesprochen: Ich hätte doch schon so lange die 'Kinder und Jugendfilmkorrespondenz' abonniert, wer ich eigentlich wäre."

Für den deutschen Kinderfilm waren die Jahre Ende der Siebziger, Anfang der Achtziger, eine spannende Zeit. In den ersten beiden Jahrgängen des Münchner Kinderfilmfests finden sich Filme wie 'Konrad aus der Konservenbüchse', 'Als Unku Edes Freundin war', 'Flussfahrt mit Huhn', 'Echt tu matsch'. Was hat sich seit damals beim deutschen Kinderfilm getan?
"Seit damals hat sich die Fördersituation positiv verändert. Geändert hat sich außerdem, dass sich mittlerweile auch Produzenten wie Uschi Reich für den Kinderfilm stark machen oder auch Ziegler Film (Köln). Gerade aus den Bavaria-Studios sind in den letzten Jahren einige erfolgreiche Kinderfilme gekommen, die Kästner-Verfilmungen zum Beispiel oder 'Bibi Blocksberg'. Ich glaube, dass solche Einrichtungen wie etwa das 'Kinder- und Jugendfilmzentrum in Deutschland' und auch die 'Kinder- und Jugendfilmkorrespondenz' viel dazu beigetragen haben, den deutschen Kinderfilm populär zu machen. Dass sich Regisseure überhaupt trauen, Kinderfilme zu machen. Allerdings gehen Filme, die nicht die Mainstream-Ästhetik bedienen, leider eher unter."

Und der Trend geht zum Familienfilm, "Findet Nemo" ist ein Beispiel ...
"Ich finde das gut. Kinder nehmen die Filme ernster, die auch den Eltern Spaß machen. Mir gefallen Filme wie etwa 'Käpt'n Blaubär'. Er hat eine gute Dramaturgie, ist spannend und lustig und ist für alle sehenswert."

Sie sind nicht dafür, dass man für Kinder anders erzählt?
"Nein, überhaupt nicht. Man muss nicht so tun, als würden Kinder bestimmte Dinge nicht verstehen, oder als müsste man ihnen etwas besonders genau erklären. Warum müssen etwa in 'Sergeant Pepper' die Bösen so überzeichnet sein? Die Kinder sind nicht so naiv."

Hans und Christel Strobel haben in ihren Programmen immer wieder erstaunlich schnell auf Entwicklungen in der Kinolandschaft reagiert. Schon 1991 setzten sie beispielsweise einen Schwerpunkt auf iranische Kinderfilme. Wo werden Sie Akzente setzen?
"Das weiß ich jetzt noch nicht. Ich glaube, es braucht eine gewisse Anlaufzeit, um ein eigenes Profil zu entwickeln und eigene Schwerpunkte zu setzen. Iranische Filme gefallen mir auch sehr gut. Oder auch skandinavische Filme, die leicht sind und flott erzählt und meistens ganz tolle Schauspieler haben. Die Kinderdarsteller sind durchweg sehr gut. Außerdem liebe ich die Trickfilme aus den Aardman Studios, 'Wallace und Gromit' zum Beispiel, das sind so einige meiner Lieblingsfilme im Kinderfilmsektor."

Passt Ihnen organisatorisch alles beim Filmfest?
"Fürs erste bleibt es sicher beim Vortragssaal der Bibliothek im Gasteig, aber eigentlich hätte ich gern ein richtiges Kino. Anderseits ist der Vortragssaal im Gasteig ein bisschen intimer, wenn Schulklassen hinkommen, ist es dort übersichtlicher als etwa im MaxX. Für die Jugendfilmreihe würde ich gerne stärker in Kontakt mit den Schulen treten. Unter meiner e-mail-Adresse katrin.hoffmann@filmfest-muenchen.de können sich Lehrer aus dem Münchner Raum an mich wenden, wenn sie das Filmfestprogramm bekommen oder einbezogen werden wollen in eine Fragebogenaktion, die ich plane, um die Bedürfnisse der Schulen besser einschätzen zu können."

Interview: Martina Knoben

 

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