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Ausgabe 102-2/2005

WEITER ALS DER MOND

VERDER DAN DEN MAAN

WEITER ALS DER MOND

Produktion: Isabella Films, Niederlande / Belgien / Deutschland / Dänemark 2003 – Regie: Stijn Coninx – Buch: Jacqueline Epskamp – Kamera: Walther Vanden Ende – Schnitt: Ludo Troch – Musik: Henny Vrienten – Darsteller: Neeltje de Vree (Caro), Huub Stapel (Mees Sr., der Vater), Johanna ter Steege (Ita, die Mutter), Nyk Runia (Mees jr.) – Länge: 99 Min. – Farbe – Verleih: Movienet – Altersempfehlung: ab 10 J.

Die Niederlande im Jahre 1969: Die neunjährige Caro wächst in einem kleinen Dorf in der Provinz auf, muss sich aber schon in ihren jungen Jahren mit den Widrigkeiten des Lebens rumschlagen. Ihre Familie überlebt so gerade eben dank der Schweinezucht, doch die kleinen Erträge werden vom Vater bei seinen Sauftouren regelmäßig durchgebracht. Und während ihr Dorf zusammen mit dem Rest der Welt der kommenden Mondlandung entgegenfiebert, ist sie skeptisch. Schließlich ist der Himmel das Reich Gottes und das tief religiöse Mädchen kann sich einfach nicht vorstellen, dass der liebe Gott es den Menschen erlauben wird, so einfach in seiner Domäne herumzufuhrwerken. Darüber streitet sie sich mit allen, die sich mit ihr anlegen und wenn das ihr Lehrer sein sollte. Diese Skepsis gegenüber der modernen Technik ist eines der wenigen Bindeglieder zu ihrem Vater. Denn die baldige Geburt eines sechsten Kindes und die miese wirtschaftliche Lage veranlassen ihn immer öfter zur Droge Alkohol zu greifen. Da schlägt Caro ihm einen Pakt vor: Sie wird bis zu ihrer nahenden Erstkommunion ihre panische Angst vor dem Wasser überwinden und schwimmen lernen, dafür wird er bis dahin keinen Tropfen Alkohol mehr anrühren.

Doch es kommt wie es kommen muss: Auf der Kommunionsfeier erscheint er sturzbesoffen, verjagt Caros besten Freund und dessen Mutter, weil diese evangelisch sind und verwandelt somit den schönsten Tag ihres Lebens in einen Alptraum. Und als wäre das noch nicht genug, hat er auch noch ihr Sparschwein geplündert, um seinen Suff zu finanzieren. Für Caro ist das ein deutlicher Wendepunkt: Sie beginnt an allem zu zweifeln, was ihr bisher Sicherheit gab, auch an Gott. Als kurz darauf auch noch die Schweineherde Opfer einer Seuche wird (an der Caro nicht ganz unschuldig ist), scheint für die Familie alles vorbei. Doch: Neue Herde, neues Glück; auch wenn der Vater von einem Eber getötet wird ...

Eine ziemlich düstere Geschichte, die auch entsprechend umgesetzt ist: Irgendwie wird es in diesem Film kaum einmal richtig hell, scheint es inmitten der Jahre des Aufbruchs nach 1968 für Caro und ihre Familie keine Zukunft zu geben. Dennoch ist das Ergebnis keine deprimierende Sozialstudie, sondern ein durchaus unterhaltsamer Film, der vor allem durch sein stimmiges Zeit- und Lokalkolorit überzeugt. Im Mittelpunkt steht ein selbstbewusstes Mädchen, das bei der Kommunionsfeier auch schon mal ihre ganz eigene Version der Schöpfungsgeschichte erzählt und deren Briefe an Jesus als indirekter Off-Kommentar die Geschichte begleiten. Komisch und dennoch in jeder Sekunde überzeugend auch die Gegenwelt zu all der Düsternis, die Caro bei ihrer Tante Connie erlebt: Die hat sich nämlich voll dem flippigen Lebensstil der swinging sixties verschrieben und genießt diesen in vollen Zügen; ganz im Gegensatz zu ihrer Schwester, die vollauf damit beschäftigt ist, ihre Familie zusammen zu halten. Und auch der Vater ist kein totales Schwein, sondern hat auch seine netten Seiten: Wenn er mal nicht betrunken ist, kann er ganz gut den Clown machen, natürlich vor allem aus schlechtem Gewissen, aber immerhin hat er überhaupt noch eines.

Trotz intensiver Darstellungen und einer ausgefeilten Bildsprache steht zu befürchten, dass sich allzu viele (vor allem Erwachsene) von dem nicht gerade einfachen Film werden abschrecken lassen. Doch dazu besteht überhaupt kein Anlass, denn diese Geschichte eines Mädchens, dessen Stärke sich erst nach und nach entfaltet, ist durchaus sehenswert und hat ja deswegen nicht umsonst beim LUCAS 2004 gleich von allen Jurys Preise erhalten.

Bei allem Lob vor allem für das stimmige Zeitkolorit muss ich jedoch leider folgendes anmerken: Bei Stijn Coninx findet die Mondlandung am helllichten Tag statt; in Wirklichkeit war es am 21. Juli 1969 gegen vier Uhr morgens, also mitten in der Nacht. Diese Form künstlerischer Freiheit ist bei einem historischen Ereignis dieses Formats (bei dem immerhin etwa die halbe Menschheit vor der Glotze saß) nicht nur völlig fehl am Platze, sie macht darüber hinaus für den Film auch überhaupt keinen Sinn. Schlecht recherchiert? Falsch erinnert? Kein Geld für eine weitere Nachtaufnahme? Oder hat Coninx die Mondlandung im Polarsommer erlebt? Was auch immer: Manche Fehler macht man einfach nicht.

Lutz Gräfe

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.WEITER ALS DER MOND im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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