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Ausgabe 60-4/1994

IRON WILL – DER WILLE ZUM SIEG

Produktion: Walt Disney Pictures, USA 1993 – Regie: Charles Haid – Buch: John Michael Hayes, Djordje Milicevic – Kamera: William Wages – Schnitt: Andrew Doerfer – Musik: Joel McNeely – Darsteller: Mackenzie Astin, Kevin Spacey, David Ogden Stiers u. a. – Länge: 108 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Buena Vista (35mm) – Altersempfehlung: ab 10 J.

Will hilft seinem Vater beim Zustellen von Post und Ware per Hundeschlitten. Man schreibt das zweite Jahrzehnt unseres Jahrhunderts, und alle Zeichen deuten darauf hin, dass der Schlitten bald von anderen Transportmethoden ersetzt wird. Will ist noch recht unerfahren und weiß nicht so recht, was er eines Tages werden will. Da passiert eine Tragödie. Sein Vater gerät mit dem Schlitten vom Weg ab, bricht ins Eis ein und erkennt, dass er rettungslos verloren ist, und dass sein Sohn bei einem Rettungsversuch ebenfalls ums Leben käme. Deshalb fügt er sich in sein Schicksal, um wenigstens den Sohn und den Schlitten samt den Hunden zu retten. Wills Mutter sieht ohne Mann keine Möglichkeit, die Geschäfte weiterzuführen. Da entdeckt Will ein Plakat, auf dem von einem Hundeschlittenwettrennen die Rede ist, bei dem es ein hohes Preisgeld zu gewinnen gibt. Trotz des Widerstands der Mutter will er an diesem Rennen teilnehmen, um so das Lebenswerk seines Vaters zu retten. Der indianische Vormann bestätigt Will bei diesem Unterfangen und bereitet ihn systematisch physisch wie psychisch auf die bevorstehenden Strapazen vor. Schließlich macht Will sich mit dem Leithund seines Vaters, dessen Respekt er sich nach geraumer Zeit verdient hat, auf den Weg.

Am Startort angekommen, scheitert sein Plan fast, da er das Startgeld nicht aufbringen kann. Aber ein Reporter setzt sich für Will ein. Nun beginnt das mörderische Rennen, unter den rivalisierenden Rennteilnehmern kommt es zu lebensgefährlichen Auseinandersetzungen. Und unter den Veranstaltern geht es um viel Geld. Einer, der seine Wette gewinnen will, versucht, Will zu bestechen. Auch der Journalist, der Will gefördert hat, ist nicht ohne eigennützige Motive. Er will sich mit dem Außenseiter eine gute "Human interest-Story" sichern. Er ist es auch, der das Wort vom "Iron Will" prägt, dem Eisernen William, was im deutschen nur ungenügend mit dem Filmuntertitel "Der Wille zum Sieg" zum Ausdruck gebracht werden kann, weil die Doppeldeutigkeit des Titels nur einen erklärungsbedürftigen Kalauer ergäbe: Der Eiserne Willi/Wille.

Bei "Iron Will" handelt es sich um einen hervorragend fotografierten, mit verblüffend realistischen Szenen gestalteten, hochdramatischen und bis zuletzt spannenden Abenteuerfilm, dessen Hauptperson ein Heranwachsender ist. Der Film erzählt eine Parabel auf die modernen Medienspektakel und ihre Perversion wahren Heldentums. Die Sensationsgier wird angeprangert, zugleich aber im Strudel aufkeimender patriotischer Gefühle geläutert. Gezeigt wird, dass ein Einzelner – ohne dass er es beabsichtigt – ins Blickfeld gerät und dass sein individuelles Tun andere anregt, es ihm gleichzutun und in anderen Bereichen Anstrengungen zu unternehmen. Im konkreten Fall ist es der Wille zum Sieg, der in den Medien auf den Willen zum Sieg im Weltkrieg umgemünzt wird. Insofern ist dieser Film ein durchaus politischer Film. Wie vielen anderen Disney-Produktionen liegt auch hier als auslösendes Moment der Geschichte der große persönliche Verlust zugrunde, der die Hauptfigur zu sich selbst und ihrer wahren Bestimmung finden lässt.

Es gibt einen merkwürdigen Bezug zum Film "Die Zeitungsjungen", einer anderen Produktion des gleichen Studios. Beide Filme beruhen auf wahren Begebenheiten und beschäftigen sich – zugegebenermaßen auf sehr unterschiedliche Weise – mit den Auswüchsen des Pressewesens zu Beginn unseres Jahrhunderts. Während bei den "Zeitungsjungen" die Zeitungszaren Hearst und Pulitzer beim Namen genannt wurden, wird bei "Iron Will" kein echter Verlegername verwendet – das heißt, in gewisser Weise doch. Denn der Journalist, der Will unterstützt, arbeitet für die Kane-Kette. Das verweist auf "Citizen Kane" von Orson Welles und damit zugleich auf den schon damals als Kane verschlüsselten Hearst.

Wie bei den "Zeitungsjungen" hat man bei "Iron Will" ein wenig das Gefühl, hier ist mit viel Aufwand ein zwar schöner, spannender, aufregender Film gedreht worden, der durchaus seine Meriten hat, der aber letztlich vielleicht doch an den gängigen Kinotrends vorbeigeht. Ist "Iron Will" im Endeffekt also "nur" eine Produktion, die ihr Leben in Zukunft im Fernsehen und auf Videokassette fristen muss? Gut möglich. Wirklich genießen kann man diesen Film eigentlich nur auf einer großen Leinwand. Aber dazu ist er eben – insgesamt gesehen – eine Nummer zu klein.

Wolfgang J. Fuchs

 

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