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Ausgabe 103-3/2005

DIE FARBE DER MILCH

IKKE NAKEN

DIE FARBE DER MILCH

Produktion: Painswick Films AS / AB Svensk Filmindustri; Norwegen / Schweden 2004 – Regie: Torun Lian – Buch: Torun Lian, nach ihrem Roman "Ikke naken, ikke kledt" – Kamera: John Christian Rosenlund – Schnitt: Stian Johnsen – Musik: Oyvind Staveland, Odin Aarvik Staveland – Darsteller: Julia Krohn (Selma), Bernhard Naglestad (Andy), Reidar Sørensen (Selmas Vater), Andrine Sæter (Annelise, Selmas Stiefmutter), Gustaf Skarsgård (Der Schwede) u. a. – Länge: 94 Min. – Farbe Weltvertrieb: AB Svensk Filmindustri, e-mail: international@sf.se – Altersempfehlung: ab 10 J.

Händchenhalten habe ich mit elf, zwölf Jahren gehasst. Noch schlimmer: mit einem Jungen auf der Parkbank sitzen und schweigen. Fast nur mit dem "männlichen" Teil aus meiner Klasse zusammen, wollte ich mit den einen auf Bäume klettern oder herumkempeln, mit den anderen, den "Strebern", ging ich in die Bibliothek und lieh mir spannende Bücher über Indianer aus. Insofern kann ich – und wie die Stimmung beim Kinderfilmfest im Berliner Zoo Palast zeigte, konnten es auch viele andere – die Selma aus der witzigen norwegisch-schwedischen Koproduktion gut verstehen.

Für die 13-Jährige ist "von allen Naturkatastrophen die Liebe die größte". Kein Wunder, denn in der Familie erlebt sie die Beziehungsgeschichten der Erwachsenen als etwas sehr nerviges. Tante Nora hat ständig Krach mit ihrem Verlobten, so dass die Hochzeit mehrmals verschoben werden muss, und ihre Mutter ist sogar bei Selmas Geburt aus Liebe – wie es heißt – gestorben. Und so richtig albern empfindet Selma die Veränderungen bei ihren besten Freundinnen. Seit diesem Sommer sind sie auf "Jungenjagd", probieren den ersten Zungenkuss, der dann auch noch fatal endet, und haben kein anderes Gesprächsthema mehr. Selmas Interesse für Wissenschaft können sie zurzeit überhaupt nicht teilen. Doch da ist das selbstbewusste Mädchen stur: Sie will den Nobelpreis erringen. In ihrem Mitschüler Andy findet sie einen Partner, mit dem sie über wissenschaftliche Fragen diskutieren kann, ein Forschungsthema wird ihr von "dem Schweden", einem jungen Mann aus der Stadt, geliefert: Welche Farbe hat die Milch von innen? Bei aller Liebe zur Wissenschaft bemerkt Selma aber, dass auch sie in diesem Sommer nicht mehr ganz die alte ist. So ertappt sie sich dabei, wie sie heimlich "den Schweden" beobachtet, aber sofort davon läuft, wenn sie ihm im Supermarkt begegnet. Noch komplizierter wird die Situation, als sich herausstellt, dass Andy in sie verliebt ist. Am Ende des Sommers kann sich dann auch Selma, die fest entschlossen war, sich nie im Leben zu verlieben, eines merkwürdigen Kribbelns, das sich anfühlt wie "Schmetterlinge im Bauch", nicht mehr erwehren ...

"Die Farbe der Milch" ist der zweite Spielfilm der norwegischen Regisseurin und Autorin Torun Lian. Bekannt geworden ist sie in den 80er-Jahren in Norwegen durch zahlreiche Kinderbücher, Theaterstücke und Drehbücher für Film und Fernsehen. 1998 verfilmte sie mit "Nur Wolken bewegen die Sterne" das erste Mal ein Kinderbuch von sich. Der Film wurde ein Jahr später beim Kinderfilmfest der Berlinale präsentiert und von der Kinderjury mit einer lobenden Erwähnung bedacht. Während Torun Lian in ihrem Debüt erzählt, wie ein Mädchen mit dem Tod seines jüngeren Bruders fertig werden muss, hat sie sich diesmal mit der gleichen Ernsthaftigkeit einem "leichteren" Thema zugewandt. Ihren neuen Film, übrigens auch nach einem Kinderbuch der Regisseurin entstanden, belohnte die Kinderjury wieder mit einer lobenden Erwähnung.

Torun Lians Stärke, ganz nah an den Kindern "dran" zu sein, sehr genau ihre Psyche, ihr Denken und Fühlen zu kennen und zu beschreiben, lässt ihren Film zu einem vergnüglichen Kinoerlebnis für Kinder und Erwachsene werden. Sie spart keine komische Situation aus, zeigt all die Peinlichkeiten, mit denen 13-Jährige fertig werden müssen, spielt mit Wut und Trauer und beschreibt in stillen, intensiven Szenen die ersten Liebesgefühle der Pubertierenden. Wie man es in der Regel von den skandinavischen Filmen gewohnt ist, sind die jungen Hauptdarsteller sehr gut ausgewählt und geführt. So hat Torun Lian ein halbes Jahr lang zusammen mit ihrem Team Schulen aufgesucht und sich mit den Kindern unterhalten, ohne ihnen zu erzählen, dass sie eigentlich gecastet werden. Nach den Gesprächen wurden einige Kinder zu Probeaufnahmen bestellt, darunter auch Julia Krohn. Sie ist wie geschaffen für die Hauptrolle. Als Selma besticht sie durch ihre Natürlichkeit, ihren kindlichen Charme, ihre Bodenständigkeit und ihren Witz. Jede Geste stimmt. Als ich sie auf der Leinwand vor Wut mit den Füßen aufstampfen und die Arme über der Brust verschränken sah, hatte ich sofort meine eigenen Töchter vor Augen und – um ehrlich zu sein – auch mich selbst. Als ich zwölf war und einen langen Pferdeschwanz trug ...

Barbara Felsmann

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 103-3/2005 - Interview - "Wenn Du jemanden brauchst, der dir einen Kuss gibt"

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DIE FARBE DER MILCH im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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