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Ausgabe 103-3/2005

DAS LÄCHELN DER TIEFSEEFISCHE

Produktion: Zieglerfilm Köln GmbH / WDR / Arte; Deutschland 2004 – Regie und Buch: Till Endemann – Kamera: Felix Cramer – Schnitt: Rebecca Khanide – Musik: Enis Rotthoff – Darsteller: Jacob Matschenz (Malte), Alice Dwyer (Annika), Adrian Topol (Pawel), Peter Kurth (Dietmar, Maltes Vater), Victoria Meyer (Hannah) u. a. – Länge: 88 Min. – Farbe – Altersempfehlung: ab 12 J.

Malte ist 17 und frustriert. Mit seinem arbeitslosen und alkoholkranken Vater lebt er im Seebad Ahlbeck auf der Insel Usedom in einer baufälligen Villa, die bald geräumt werden soll. Seit er die Schule abgebrochen hat, jobbt er in einer Fischbude. Hin und wieder schmuggelt er mit seinem Freund Pawel, einem polnischen Lebenskünstler, Zigaretten aus Polen, um den geringen Verdienst aufzubessern. Malte träumt davon, das eintönige Inselleben hinter sich zu lassen und damit auch das belastende Verhältnis zum resignierten Vater. Diesen Plan muss er erstmal auf Eis legen, als eines Tages seine ältere Schwester Hannah mit ihrem fünfjährigen Sohn Lukas aus dem Westen nach Usedom zurückkehrt. Die Rückkehr löst in Malte Emotionen und Erinnerungen aus, unter anderem an den Tod der Mutter, denen er sich nicht gewachsen fühlt. Kurz entschlossen zieht er zu Pawel. Doch dann begegnet er bei Streifzügen durch das Seebad der hübschen Annika, die mit ihrer Schwester auf Usedom Urlaub macht. Die neue Familiensituation und die erste Liebe werden Malte verändern.

In seinem charmanten Coming-of-Age-Film schildert der 1979 in Hamburg geborene Regisseur Till Endemann, der vor zwei Jahren mit dem einfühlsamen Low-Budget-Familiendrama "Mondlandung" auf sich aufmerksam gemacht hat, die Schwierigkeiten des Erwachsenwerdens vor dem Hintergrund einer komplexen Familienkonstellation. Die prekäre ökonomische Lage der Familie kontrastiert mit der heiter-entspannten Stimmung in einem sommerlichen Ostseebad.

Bemerkenswert sind die thematischen und stilistischen Parallelen zu einigen anderen aktuellen Filmen von deutschen Nachwuchsregisseuren. So plagt sich der 15-jährige Sebastian in Robert Thalheims lakonischem Regiedebüt "Netto" mit einem arbeitslosen Vater in Ost-Berlin ab, während die Ost-Patchwork-Familie in "Hallesche Kometen" von Susanne Irina Zacharias aus dem etwa 20-jährigen Ben und seinem arbeitslosen Vater Karl besteht, die in einer winzigen Plattenbauwohnung in Halle leben. Bezeichnenderweise spielt der massige Peter Kurth in "Hallesche Kometen" und den "Tiefseefischen" praktisch die gleiche Vaterrolle.

Endemann, der auch das Drehbuch schrieb, arbeitet den Konflikt zwischen der Heimatverbundenheit des Vaters, der die heruntergekommene Villa partout nicht verlassen will, und dem Fernweh des Sohnes, der nach einem Ausweg aus der Tristesse sucht, prägnant heraus und legt dabei sichtlich Wert auf eine sorgfältige Milieuzeichnung. Für warmherzige Szenen sorgt auch die aufkeimende Freundschaft zwischen Malte und Lukas, der an seinem Onkel hängt und ein Faible für Tiefseefische hat. Bei der dramaturgischen Entwicklung und der szenischen Auflösung bleibt der Absolvent der Ludwigsburger Filmakademie allerdings spürbar braver und glatter als bei seinem kantigen Langfilm-Erstling "Mondlandung", etwas mehr Mut und Pepp hätte der Inszenierung gut getan.

Auf dem Filmfestival Max Ophüls Preis 2005, wo "Das Lächeln der Tiefseefische" seine Uraufführung erlebte, wurde Jakob Matschenz für seine Leistung als Malte als bester Nachwuchsdarsteller ausgezeichnet. Die Jury bescheinigte ihm, er verkörpere "das Wechselbad der Hauptfigur zwischen innerer Starre, Wut und Ausbruchsphantasien wie äußeren Erschütterungen überzeugend". Es gelinge ihm, "durch ein sublimes und nuanciertes Spiel der kleinen Gesten und Blicke die hellen Momente in der psychischen Dunkelheit, von der Malte manchmal umgeben ist, sichtbar zu machen".

Reinhard Kleber

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 103-3/2005 - Interview - "Malte hat gelernt, in seiner Dunkelheit zu lächeln"

 

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