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Ausgabe 103-3/2005

"Malte hat gelernt, in seiner Dunkelheit zu lächeln"

Gespräch mit Till Endemann, Regisseur des Films "Das Lächeln der Tiefseefische"

(Interview zum Film DAS LÄCHELN DER TIEFSEEFISCHE)

Die spannungsreiche Beziehung zwischen dem 17-jährigen Malte und seinem arbeitslosem Vater steht im Mittelpunkt des Coming-of-Age-Films "Das Lächeln der Tiefseefische". Der zweite lange Film von Till Endemann kostete etwa 840.000 Euro und wurde im Wettbewerb des Filmfestivals Max Ophüls Preis in Saarbrücken 2005 uraufgeführt und lief auch in der Reihe Perspektive Deutsches Kino der Berlinale 2005. KJK-Mitarbeiter Reinhard Kleber sprach in Saarbrücken mit dem 29-jährigen Autor und Regisseur.

KJK: Der Film hat ja einen sehr poetischen Titel. Die erwähnten Tiefseefische spielen in der Handlung aber nur eine marginale Rolle. Wollt Ihr den Titel beibehalten?
Till Endemann: "Wir werden ihn beibehalten. Er spielt zwar im Plot in der Tat eher eine marginale Rolle, steht aber symbolisch für die Aussage des Films. Ich glaube, dass jeder Zuschauer, der nach dem Film darüber nachdenkt oder einfach nur nachfühlt, das auch für sich erschließt. Manch einer wird vielleicht denken, ich weiß durch den Titel nicht wirklich, was mir der Film erzählen wird, aber ich gehe dennoch mal rein; denn der Titel ist schön und poetisch, der Film ist bestimmt etwas Besonderes."

Ist der Film eher für Jugendliche oder Erwachsene gedacht?
"Mein Ziel war, den Film interessant zu machen für Jugendliche ab 14 Jahren und gerade die Liebesgeschichte so in die Handlung zu integrieren, damit der Film ein jüngeres Publikum erreicht. Da ich ihn schlussendlich als einen Arthouse-Film ansehe, ist er altersmäßig allerdings nach oben hin offen."

Wie wurden die Hauptdarsteller ausgewählt?
"Ich habe das Drehbuch nicht für bestimmte Schauspieler speziell geschrieben. Es gab ein ganz normales Casting mit zwei Szenen. Man hat natürlich einige Schauspieler im Kopf, die Alice Dwyer zum Beispiel, die mir vorher schon in 'Lichter' und 'Baby' aufgefallen ist. Dann kam sie zum Casting und dort habe ich mich schnell für sie und Jacob Matschenz entschieden, weil sie für mich beide sehr gute Darsteller sind und etwas sehr Eigenes haben."

Maltes Schwester Hannah, die Mutter von Lukas, ist eine sehr interessante Figur. Warum erfährt man so wenig über ihre Vorgeschichte?
"Ich habe das im Dunklen gelassen mit dem Ziel, dass sich der Zuschauer dadurch aktiv aber eher nebenbei fragt: Warum kommt sie eigentlich aus dem Westen zurück? Wieso ist sie überhaupt dorthin gegangen? Wenn der Zuschauer für sich da eine Ahnung entwickelt, dann reicht das aber, weil solche Nebengeschichten schnell zu infolastig werden. Schließlich ist sie eine Nebenfigur, eine wichtige zwar, aber eine Nebenfigur."

Gab es für den Inszenierungsstil irgendwelche Regievorbilder?
"Als Regievorbilder, gerade von der grundsätzlichen Herangehensweise, nenne ich im deutschen Raum aktuell immer gerne Andreas Dresen und auch Hans-Christian Schmid. Zwei Regisseure, die sagen, lass uns stets versuchen, nah an den Darstellern dranzubleiben, lass uns auf manch technisches Mittel verzichten, was nicht heißt, dass man keine 'schönen' Bilder machen darf. Sie sagen einfach, das Wichtigste sind die Schauspieler und ein gutes Drehbuch."

Dresen und Schmid haben ja zuletzt Filme über den Osten Deutschlands gedreht. Dein Film spielt an der Grenze zu Polen. Ist der Osten für Dich derzeit die spannendste Region in Deutschland als Filmthema?
"Es ist nicht allein die spannendste, aber eine der spannenden Regionen. Im Osten sind die gesellschaftlichen Risse oder Kluften, die sich im sozialen Bereich auftun, zurzeit deutlicher spürbar und schneller aufzeigbar als im Westen. Ich glaube aber, dass speziell die jungen Filmemacher auch bald verstärkt die Verhältnisse 'zwischen Hartz und Herz' im Westen des Landes beleuchten werden, wie es Alfred Holighaus in einer Überschrift für das Programm der Perspektive Deutsches Kino der Berlinale genannt hat. Überall in Deutschland nehmen die sozialen Risse und die Arbeitslosigkeit zu, was sich auf die Seelen der Menschen auswirkt, da liegt – leider – ganz viel thematisches Potenzial."

Wie verliefen die Dreharbeiten in Polen?
"Auf der polnischen Seite zu drehen, war das Schwierigste, was ich je gemacht habe. Ich habe zuvor einen Dokumentarfilm in Kasachstan gedreht, das war weitaus einfacher als auf diesem Polenmarkt nahe der Grenze zu drehen. Die Polizei hat da nicht das Heft in der Hand, sondern es sind private mafiöse Strukturen. Ich wurde natürlich auch gefragt: Sollen wir das nicht woanders in Deutschland drehen? Nee, habe ich gesagt, ich will es da in Polen drehen, denn es geht mir um die Authentizität der ganzen Geschichte."

Der Schluss ist ja etwas ambivalent, die Figuren verbleiben in Übergangsphasen. Für Malte eröffnet sich trotz der Liebelei mit Annika keine greifbare Perspektive, seinem Frust auf Usedom zu entkommen. Würdest Du trotzdem sagen, der Film endet optimistisch?
"Ja. Für mich gibt es auf jeden Fall einen positiven Ausblick. Auch deshalb, weil ich ins Drehbuch bewusst die Figur des kleinen Lukas rein geschrieben habe, der mit seiner positiven Naivität in die festgefahrene Situation um Malte herum hineinkommt. Er geht einfach auf Malte zu, ändert ihn Stück für Stück, wärmt das Eis um Maltes Seele etwas auf, lässt es ein wenig schmelzen. Wobei für Maltes Veränderung auf jeden Fall auch die Liebesgeschichte mit hinzukommt. Malte lernt, dass es sich lohnt, auf jemanden zuzugehen, die eigenen Grenzen ein Stück weit zu überschreiten. Auch wenn er es am Ende noch nicht so richtig schafft, auf die Schwester zuzugehen. Dennoch gibt es den optimistischen Ausblick. Am Ende steht das Lächeln der Tiefseefische. Die können sich nämlich im Dunkeln Licht machen, egal wo sie sind – und deshalb lächeln sie, das ist ja das zentrale Bild. Und auch Malte hat am Ende gelernt, in seiner Dunkelheit zu lächeln."

Interview: Reinhard Kleber

 

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