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Ausgabe 104-4/2005

CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK

CHARLIE AND THE CHOCOLATE FACTORY

CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK

Produktion: Zanuck Company / Plan B / Village Roadshow Pictures; USA 2005 – Regie: Tim Burton – Buch: John August, nach dem gleichnamigen Roman von Roald Dahl – Kamera: Philippe Rousselot – Schnitt: Chris Lebenzon – Musik: Danny Elfman – Darsteller: Johnny Depp (Willy Wonka), Freddie Highmore (Charlie Bucket), Helena Bonham Carter (Charlies Mutter), Noah Taylor (Charlies Vater), Anna Sophia Robb (Violetta), Jordan Fry (Micky), Julia Winter (Veruschka), Philip Wiegratz (Augustus), Deep Roy (Umpa Lumpa), Christopher Lee (Dr. Wonka) u. a. – Länge: – Farbe – FSK: o. A. – FBW: besonders wertvoll – Verleih: Warner Bros. – Altersempfehlung: ab 6 J.

Charlie ist ein freundlicher, hilfsbereiter Junge, der von seinen Eltern und den vier Großeltern von Herzen geliebt wird. Gemeinsam leben sie in einem Raum eines windschiefen Hauses im Schatten der modernen Schokoladenfabrik. Diese Fabrik dominiert den Ort, ein Geisterhaus, aus dem nichts herausdringt außer dem verlockenden Duft von Schokolade und unzähligen roten Lastwagen, die Tag für Tag, Nacht für Nacht die Produkte in alle Welt bringen. Charlies Eltern wissen oft nicht, wie sie die ganze Familie ernähren sollen, aber alle halten zusammen und werden immer bescheidener. Ja damals, als der Großvater noch in der Fabrik arbeitete, waren es goldene Zeiten. Aber eines Tages hatte der Boss Willy Wonka alle Arbeiter entlassen, weil seine wunderbaren Rezepte an die Konkurrenz verraten worden waren. Roboter und "Umpa Lumpas" haben die Arbeit übernommen, vielseitig talentierte Gehilfen, die sich von ihm dirigieren lassen und die sich gleichen wie eine Kakaonuss der anderen, wovon sie sich ausschließlich ernähren. Ein Meisterwerk von Filmtrick und Choreografie, denn es ist wahrhaftig nur ein Darsteller, der beliebig verkleinert und vervielfältigt wurde.

Willy Wonka vertraut keinem Menschen mehr und hat doch eines Tages eine sentimentale Stunde, was sich zudem als grandiose Geschäftsidee erweist: Goldene Tickets, die zum Eintritt in die sagenumwobene Schokoladenfabrik berechtigen, befinden sich in fünf Schokoladentafeln – weltweit. Das Fernsehen berichtet ununterbrochen – vier Gewinner stehen bereits fest, verzogene und verbogene Gören, mit Eltern, die ebenso Spiegelbilder einer deformierten Gesellschaft sind: Violetta aus England, reich und zickig, Augustus aus Deutschland, unersättlich und fett, Micky aus den Südstaaten, videogeil und zombiehaft und Veruschka, ein Kaugummi kauendes, auf Erfolg getrimmtes Yankeegirl. Wer findet das letzte Goldene Ticket? Charlies Familie legt zusammen, um die eigentlich erst zum Geburtstag fällige Schokoladentafel zu erstehen – vergeblich. Doch dann geschieht ein Wunder. Charlie findet im Schnee einen Geldschein, kauft sich davon eine Tafel und hat das Glück, das er verdient.

Auch für Charlies Großvater wird es ein großer Tag, als Willy Wonka die bunte Siegerschar am Fabriktor begrüßt. Damit beginnt eine phantastische, zuckersüße Bilder-, Musik-, Tanz- und Farbenorgie in einer Fabrik, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Der Weg führt vorbei an Buttertoffee-Gebirgen, Schokoladen-Wasserfällen, Zuckerstangen-Bäumen, Marshmallow-Kirschcreme-Büschen, durch Pfefferminzgras bis hin zu emsig Nüsse knackenden Eichhörnchen. Ein Kind nach dem anderen wird in dieser überwältigenden Fülle Opfer seiner persönlichen Gier – bis auf Charlie, der aus dem Staunen nicht herauskommt, aber sich nicht verführen lässt. Das wiederum erstaunt den exzentrischen Willy Wonka, der sein Leben dem süßen Reichtum verschrieben hat. Und als er Charlie schließlich das Angebot macht, die Fabrik zu übernehmen, ist er noch mehr überrascht, dass der Junge lieber bei seiner armen Familie bleibt als das Imperium zu bekommen. Damit rührt er das Herz des mächtigen Willy Wonka, der begreift, dass alles Geld der Welt die Liebe nicht ersetzen kann.

Man ahnt, dass Willy Wonka sich aus einem Kindheitstrauma heraus eine süße Ersatzwelt geschaffen hat, in der Menschen keine Rolle spielen. Er selbst ist ein stets höfliches und merkwürdig infantiles Geschöpf. Es ist gewiss kein Zufall, dass Johnny Depp in der Rolle des Willy Wonka dem Popstar Michael Jackson sehr ähnlich sieht. Regisseur Tim Burton hat die Geschichte von Roald Dahl in ihrem Kern belassen, gleichwohl modernisiert und mit überbordender Lust an visuellen Gestaltungsmöglichkeiten ausgeschmückt. Filmkenner werden ein zusätzliches Vergnügen an den Zitaten aus der Filmgeschichte haben (z. B. "Metropolis", "Peter Pan", "Finding Neverland", "2001").

Die Wiederverfilmung von Roald Dahls "Charlie und die Schokoladenfabrik" ist ein Märchen mit tiefem Sinn und neben dem grandiosen Schauwert ein Plädoyer für menschliches Miteinander. Tim Burton: "Das ist eine wunderbar einfache Botschaft für die Menschen unserer Welt, die sich nur an materiellen Dingen, am Erfolg orientieren. Die materiellen Dinge stehen dem Gefühl, dem geistigen Gehalt gegenüber, manchmal liegt aber die größte Bedeutung in der Einfachheit."

Gudrun Lukasz-Aden / Christel Strobel

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.CHARLIE UND DIE SCHOKOLADENFABRIK im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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KJK-Ausgabe 104/2005

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