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Ausgabe 104-4/2005

DIE KLEINE KARTHÄUSERIN

LA PETITE CHARTREUSE

Produktion: CDProductions / Rhône-Alpes Cinéma / France 2 Cinéma; Frankreich 2005 – Regie: Jean-Pierre Denis – Drehbuch: Jean-Pierre Denis, Yvon Rouvé, nach dem gleichnamigen Buch von Pierre Péju – Kamera: Benoît Dervaux – Schnitt: Marie-Hélène Dozo – Musik: Michel Portal – Darsteller: Olivier Gourmet (Etienne Vollard), Marie-Josée Croze (Pascale Blanchot), Bertille Noël-Bruneau (Eva Blanchot) u. a. – Länge: 90 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Pyramide International, e-mail: pricher@pyramidefilms.com – Altersempfehlung: ab 10 J.

 

Der alte Orden der Karthäuser ist vom weltlichen Leben abgewandt und verbindet Einsiedler- und Gemeinschaftsleben miteinander, obwohl die Mönche unter der Woche zum Schweigen verpflichtet sind. Allein dieses stumme monadische Leben verbindet die achtjährige Eva mit dem nur Männern vorbehaltenen Orden. Eva hat Probleme mit ihrer allein erziehenden Mutter, die mit ihrem inneren Chaos nicht zurechtkommt. Als diese wieder einmal vergessen hat, ihre Tochter rechtzeitig von der Schule abzuholen, rennt Eva in Panik einfach los und direkt in das Auto des Buchhändlers Etienne. Sie überlebt schwer verletzt und liegt wochenlang im Koma. Obwohl Etienne den Unfall nicht verhindern konnte, wie ihm auch die Polizei bestätigt, entwickelt er Schuldgefühle und fühlt sich zugleich vom Schicksal dieses Mädchens angezogen, denn wie sie hat er den Kontakt zur Welt weitgehend verloren. Als ehemaliger Alkoholiker hatte er seine Familie zerstört, zog sich ganz in die Welt der Bücher zurück und wird von anderen als nicht ganz zurechnungsfähig erachtet, weil er einmal gelesene Bücher originalgetreu rezitieren kann.

Diese seltene Fähigkeit kommt ihm zugute, als er bei einem Besuch im Krankenhaus erfährt, dass Eva am ehesten aus dem Koma erwachen könne, wenn jemand mit ihr spreche. Etienne rezitiert aus seinen Büchern mit Erfolg: Eva erwacht und wird bald in ein Sanatorium überwiesen. Da ihre Mutter eine weit entfernte Arbeitsstelle angenommen hat, bittet sie Etienne, der das Vertrauen des Kindes gewonnen hat, sich weiter um Eva zu kümmern. Auf gemeinsamen Ausflügen in die Bergwelt der französischen Alpen entdecken sie viele Gemeinsamkeiten in ihren Sehnsüchten und Vorlieben. Als Eva einen schweren Rückfall erleidet, packt Etienne entgegen aller Vernunft das Kind in warme Kleidung und trägt es hinauf in das ewige Eis der Gletscher in der Hoffnung, Eva und letzten Endes auch sich selbst aus der inneren Gefangenschaft befreien zu können.

Offensichtlich hat das französische Kino an symbolischen und zugleich glaubwürdigen "Großvater-Enkelin"-Figurenkonstellationen derzeit Gefallen gefunden und spielt diese in immer neuen Variationen mit großem Erfolg und bemerkenswerten Ergebnissen durch. "Die kleine Karthäuserin", "Der Schmetterling" (Philippe Muyl) oder "Der Hals der Giraffe" (Safy Nebbou) unterscheiden sich allerdings etwa von den "Heidi"-Verfilmungen und "Ferien mit Silvester" dadurch, dass sie keine Kinderfilme im engeren Sinn sind, obwohl sie die Wahrnehmungs- und Gefühlswelt von Kindern differenziert reflektieren, vor allem ihre Probleme mit abwesenden Vätern und überforderten Müttern. Die Filme geben sensibel Einblicke in das Abenteuer Leben, in die unterschiedlichen Schwierigkeiten, Kind zu sein, aber auch erwachsen zu sein.

Dem Regisseur ist es gelungen, die Romanvorlage adäquat in die Bildsprache des Films zu übertragen, indem er sich künstlerische Freiheiten genommen und sogar das Ende stark verändert hat. In einem ruhigen Erzählfluss erschließen sich die Gefühle der Protagonisten vor allem durch eingeschnittene Bilder der Natur und durch die Reaktionen der Mitmenschen, fast dokumentarisch folgt die Kamera der Annäherung zweier von ihrer Umwelt isolierter Außenseiter, die vom Alter her so verschieden sind und doch viel gemeinsam haben. Eindringlich auch das Spiel der jungen Darstellerin, gerade weil sie sich in ihrer schwierigen Rolle nicht wie ein typisches Kind verhalten darf. Dem bisher nur auf dem Münchner Filmfest gezeigten Film ist auch hierzulande noch ein breites Publikum zu wünschen.

Holger Twele

 

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