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Ausgabe 104-4/2005

LOST CHILDREN

Produktion: Dreamer Joint Venture Prod. / ARTE / WDR; Deutschland 2005 – Regie: Ali Samadi Ahadi, Oliver Stoltz – Kamera: Maik Behres – Schnitt: Ali Samadi Ahadi – Musik: Ali N. Askin – Länge: 96 Min. – Farbe – FSK: ab 12 – Verleih: timebandits – Altersempfehlung: ab 14 J.

Der Dokumentarfilm porträtiert vier Kinder zwischen acht und fünfzehn Jahren aus Nord-Uganda, die von den fanatisch-religiösen Milizen der Lord's Resistance Army ((LRA) entführt und als Kindersoldaten zum Töten in ihren eigenen Dörfern gezwungen wurden. Nach einer gelungenen Flucht in das Auffanglager der Caritas International in Panjule sollen sie wieder – nach einer Therapie – zu ihren Familien zurückkehren. Teilweise aber weigern sich die Familien, sie aufzunehmen. Panjule ist eine Siedlung im Rebellengebiet, die – von Regierungstruppen schlecht bewacht – von ständigen Überfällen der LRA-Milizen bedroht ist.

Ali Samadi Ahadi (geb. 1972 in Tabriz/Iran) und Oliver Stoltz (geb. 1969 in Bonn) haben den Film unter Lebensgefahr in zehn Wochen und drei Drehphasen "vor Ort" produziert. Die Dokumentaristen beschreiben den Konflikt aus der Perspektive der Kinder und verzichten auf spekulative Bilder z. B. Waffen tragender Kinder-Soldaten.

Hintergrund der Film-Dokumentation ist das zwanzigjährige Morden im zentralen Afrika. Der Krieg im Norden Ugandas zwischen der Regierungsarmee und der Rebellenarmee LRA, unterstützt vom Sudan, ist heute der längste ununterbrochene Bürgerkrieg Afrikas. Seit 1986 hat die LRA ca. 20.000 Minderjährige entführt, davon die Hälfte seit 2002. Der jüngste UN-Bericht (Februar 2005) zur Lage in bewaffneten Konflikten spricht von 250.000 Kindersoldaten, verteilt auf 54 Kriegsparteien in elf Ländern der Welt. Als einen der brutalsten Kinderrekrutierer nennt der UN-Bericht u. a. die ugandische LRA. Ihnen wird neben dem Einsatz von Kindern im Krieg Tötung, Verstümmelung, Entführung, Vergewaltigung und andere schwere sexuelle Gewalt an Kindern vorgeworfen.

"Lost Children", ein nachhaltig beeindruckender Dokumentarfilm, macht am Beispiel von Betroffenen den Missbrauch von Kindern deutlich. Zu Wort kommen die Kindersoldaten Francis Ochaya (12 Jahre), Jennifer Akelo (15 Jahre), Richard Kilama (13 Jahre) und Vincent Opio (8 Jahre), die gezwungen worden sind, schreckliche Dinge zu tun und zu erleben, wie Francis, der mit anderen Kindern zusehen musste, wie zwei Kinder mit einer Machete hingerichtet wurden. Danach war allen entführten Kindern klar, dass ihnen das gleiche Schicksal droht, wenn sie es wagen sollten zu fliehen oder sich den Befehlen der Rebellenführer zu widersetzen. Dennoch gelang ihnen die Flucht in das Auffanglager der Caritas für geflüchtete Kindersoldaten, wo sie von Sozialpädagogen betreut werden, die selbst während des Bürgerkriegs aufgewachsen sind und – wie sich im Gespräch mit den Betreuern Grace Arach und John Bosco zeigt – nicht selten ihr Leben riskieren, um die Kinder bei ihrem schwierigen Weg zurück in einen menschenwürdigen Alltag zu unterstützen.

Durch die Bekenntnisse der Kinder wird auch klar, dass die konventionelle Unterscheidung in Opfer und Täter hinfällig geworden ist. Die Kinder sind Opfer und Täter zugleich. Der Film zeigt sie beim schwierigen Versuch, wieder zu Kindern zu werden in einer Gesellschaft, die sie als Mörder ausgrenzt.

Der preisgekrönte Film "Lost Children" (Publikumspreis Berlinale 2005/Sektion Panorama und Menschenrechts-Preis auf dem Dokumentarfilmfestival Chicago) ist ein für die schulische und außerschulische Bildungsarbeit wichtiger Beitrag zu den Themen Menschenrechte bzw. Menschenrechtsverletzungen, Bürgerkrieg  und "Afrika – der vergessene Kontinent".

Hans Strobel

 

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KJK-Ausgabe 104/2005

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