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Ausgabe 60-4/1994

MATUSALEM

Produktion: Les Film Vision, Kanada 1993 – Regie und Buch: Roger Cantin – Kamera: Michel Caron – Schnitt: Yves Langlois – Musik: Milan Kymlicka – Darsteller: Marc Labrèche, Emile Proulx-Cloutier, Steve Gendron, Jessica Barker u. a. – Länge: 108 Min. – Farbe – Weltvertrieb: Films Transit, 402 est, Rue Notre-Dame, Montreal, Québec, Canada H2Y 1CB, Tel. (...) 1 514 844 3358, Fax (...) 1 514 844 7298 – Altersempfehlung: ab 8 J.

An seinem elften Geburtstag begegnet Olivier auf der Flucht vor streitsüchtigen Schulkameraden einem Piratengeist aus dem 18. Jahrhundert. Vor 250 Jahren wurde der Pirat bei einer wichtigen Mission in einem Gasthaus vergiftet. Alle 50 Jahre wird er für einen Tag lebendig, um jemanden zu finden, der auch Geburtstag hat und ihm hilft, seinen Auftrag zu erfüllen. Um den Piraten Philippe endlich zu erlösen, beschafft sich Olivier mit Hilfe einer Freundin aus einem Museum die alte Dokumentenrolle, die Philippe einst seinem Onkel bringen sollte. Doch die Schurken, die den Piraten damals ermordet haben, sind ebenfalls wieder lebendig. Sie nehmen Olivier gefangen und verschleppen ihn in die Vergangenheit. Zum Glück hat Oliviers Bruder Laurent das Kidnapping beobachtet und ruft seine Freunde zusammen. Der Pirat bringt sie zu einer Zeitschleuse. Um Olivier zu befreien, bleibt nicht mehr viel Zeit.

Der kanadische Regisseur Roger Cantin hat bereits zahlreiche Animationsfilme und fast 30 Kurzfilme produziert und arbeitete wiederholt als Drehbuchautor. Bei "Matusalem" ist ihm vor allem die Verknüpfung einer phantastischen Reise in die Vergangenheit mit dem Alltagsleben der heutigen Jugend in Kanada gelungen. Dank eines ausgefeilten Drehbuchs wirkt der fast zweistündige Abenteuerfilm nie langweilig, bietet er doch viele überraschende Wendungen und komische Szenen und somit reichlich Unterhaltung. Reizvoll sind insbesondere die Erlebnis-Parallelen der beiden Helden, etwa wenn Philippe vor den Schurken flüchtet und sich Olivier vor den verärgerten Schuljungen verstecken muss. Amüsant auch die Einlagen um die stupiden Polizisten, die Olivier geduldig verhören, ihm aber bis zum überraschenden Schluss nicht glauben wollen. Bei Kindern dürften vor allem die Trickaufnahmen gut ankommen: Der Pirat kann nämlich ohne Probleme durch Wände gehen oder sich selbst den Kopf abnehmen, ohne Schaden zu nehmen.

Thematisch erinnert "Matusalem" des Öfteren an Robert Zemeckis filmische Zeitreisen-Trilogie "Zurück in die Zukunft", dessen inszenatorische Glätte er im Übrigen teilt. Zuweilen biedert sich der Film bei der Generation der Popcorn-Kids allzu plump an, etwa wenn einige bunt kostümierte Kinder als Mini-Rock-Band auftreten oder die ersten Knutsch-Erfahrungen eines minderjährigen Möchtegern-Playboys präsentiert werden.

Beim diesjährigen Kinderfilmfestival in Frankfurt gewann "Matusalem" einen "Lukas". Die Kinder und Erwachsenen der Jury lobten an dem Film die geschickte Verknüpfung von Zeitebenen. Weiter heißt es in ihrer Begründung: "Auf humorvolle und spannende Weise werden Jugendliche bei ihrer Suche nach Identität mit all ihrer Eigenständigkeit vorgestellt. Besonders die Piratengeschichte zeichnet sich durch gelungene Spezialeffekte aus."

Nach den beiden "Lukas"-Preisen von 1990 und 1993 für kanadische Beiträge erhielt damit zum dritten Mal innerhalb von fünf Jahren ein Film aus Kanada den Hauptpreis des Frankfurter Festivals. Dieser Erfolg ist ein deutlicher Beleg für den Stellenwert, den der Kinderfilm in dem nordamerikanischen Land genießt. Nicht ohne Grund hat sich schließlich dort auch der Weltverband der Kinderfilmzentren (CIFEJ – Centre International du Film pour l'Enfance et la Jeunesse) niedergelassen.

Reinhard Kleber

Zu diesem Film siehe auch:
KJK 63-4/1995 - Interview - "Ich sehe das Leben eher wie Buster Keaton, Charlie Chaplin oder Woody Allen ..."

 

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