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Ausgabe 104-4/2005

DER SCHATZ DER WEISSEN FALKEN

DER SCHATZ DER WEISSEN FALKEN

Produktion: Little Shark Entertainment; Deutschland 2004 – Regie und Buch: Christian Zübert – Kamera: Jules van den Steenhoven – Schnitt: Ueli Christen – Musik: Marcel Barsotti Darsteller: David Bode (Jan), Kevin Köppe (Basti), Tamino-Turgay zum Felde (Stevie), Victoria Scherer (Marie) – Laufzeit: 92 Min. – Farbe – FSK: ab 6 – Verleih: Falcom Media Group, Skalitzerstr. 78, 10997 Berlin, Telefon 030-69518828 / Central Film – Altersempfehlung: ab 10 J.

Heroldsbach in der Fränkischen Schweiz im Jahre 1981: Das ist einer der vielen kleinen Orte auf dem Land, wohin in den 70ern die Städter zogen, um das idyllische Landleben zu genießen. Nicht immer zur Freude der Alteingesessenen. Hier lebt auch der elfjährige Jan, dem jedoch nur noch wenige Wochen bleiben, bevor er für immer wegzieht. Das fällt ihm nicht gerade leicht. Zwar gibt es ständige Reibereien mit der Bande der "Altortler" unter ihrer Anführerin Marie, doch zusammen mit seinen besten Freunden, dem quirligen Stevie und Basti, dem zuckerkranken "Gehirn" der Gang, hat er bisher noch jedes Problem gemeistert. Die letzten Wochen wollen die Freunde noch einmal zusammen verbringen und noch ein paar spannende Abenteuer erleben.

Bei ihrer Expedition in die alte Kattlervilla, ein verfallenes Haus am Ortsrand, stoßen sie auf die Schatzkarte der "Weißen Falken", einer legendären Kinderbande aus den 70ern, deren Anführer Peter einst auf mysteriöse Weise verschwand. Getrieben von Abenteuerlust und verfolgt von Maries Bande folgen sie den Hinweisen der Karte. Auch von ersten Problemen lassen sie sich nicht aufhalten. Bald schon haben Marie & Co. sie gestellt, es kommt zu einer ersten Konfrontation, aber Basti und seine Freunde können noch mal abhauen. Dabei verliert Basti sein Insulin und fällt ins Zuckerkoma. Nun müssen sich die zwei Banden zusammenraufen und Marie und Jan machen sich gemeinsam auf die Suche nach Bastis verlorenem Insulinbesteck. Weil ihnen die Zeit davon läuft, müssen sie auf dem Rückweg einen Truppenübungsplatz überqueren, auf dem Jan Marie das Leben rettet. Gemeinsam machen sie sich auf die weitere Schatzsuche, die sie unter einer alten Burg erneut in Lebensgefahr bringen wird. Hier löst sich auch das Rätsel um den verschwundenen Peter ...

Viel mehr möchte ich hier eigentlich nicht verraten; denn so spannend ist das Ganze erzählt und inszeniert, dass auch Erwachsene ihre helle Freude an diesem klassischen Kinderabenteuer haben werden. Zübert, der zuvor mit der Kifferkomödie "Lammbock" Gespür für Stimmung und Atmosphäre bewies, ist einer der ersten in diesem Jahr, der einen richtigen Kinofilm aus deutschen Landen auf die Leinwand bringt. Denn abgesehen von wenigen Ausnahmen bietet der deutsche Film 2005 vor allem mehr oder weniger gelungenes Fernsehen, das meiner Ansicht nach im Kino nix verloren hat.

Ganz anders Zübert: Wo andere auf TV-Ästhetik und ebensolche Bilder setzen, bietet er Kinobilder in CinemaScope und eine zeitweise ziemlich spannende Geschichte, die ihrem Kinderpublikum im positiven Sinne auch mal was zumutet. Und auch wenn sich sein Film erkennbar auf der Spur von "Stand By Me" bewegt, so muss das ja kein Nachteil sein. Denn Zübert klaut nicht einfach; er setzt Motive der Stephen King-Geschichte (und anderer Vorbilder) geschickt ein, um daraus etwas Neues und Eigenständiges zu machen. Entstanden ist ein Kinderbanden-Abenteuerfilm, in dem die Schatzsuche zwei verfeindete Banden einander näher bringt und an deren Ziel sich alle Beteiligten verändert haben: Es ist auch der Abschied von der Kindheit, den Zübert hier in wunderbaren Bildern beschreibt und für den er zeitlose Symbole findet, wie auch den sprichwörtlichen Sprung ins kalte Wasser. Die Ansiedlung des Abenteuers vor Internet, Handy und Computerspielen erhöht nicht nur die Glaubwürdigkeit – etwa des Konfliktes zwischen Alt- und Neuortlern – sondern erlaubt so manchem Erwachsenen eine Reminiszenz an die eigene Kindheit, ohne dass Zübert diese kitschig verklären würde. Und die Vorboten der neuen Zeit sind schon erkennbar: So steht in Bastis Zimmer einer der ersten Heimcomputer, den er für die Schatzsuche zu nutzen weiß.

Ein glückliches Händchen hatte Zübert bei der Besetzung der Kinder, vor allem Tamino-Turgay zum Felde macht enorm viel Spaß, was die Leistung der anderen in diesem Ensemblefilm aber nicht schmälert. Begleitet von stilsicherer Musik hält Zübert stets die Balance zwischen Drama, Spannung und komischen Momenten. Sein Film wirkt wie aus einem Guss, nie konstruiert, und kann an so mancher Stelle sogar noch überraschen. Deutsches Kinderkino ohne Bestsellervorlage – und damit durchaus mit Risiko behaftet – das Spaß macht ohne zu verblöden und das man zuletzt so in den 80ern bei Arend Agthe gesehen hat.

Lutz Gräfe

 

Bundesverband Jugend und Film e.V.DER SCHATZ DER WEISSEN FALKEN im Katalog der BJF-Clubfilmothek unseres Online-Partners Bundesverband Jugend und Film e.V.

 

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