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Ausgabe 104-4/2005

"Filme an die man glaubt, letztendlich möglich zu machen – darum geht es ja"

Gespräch mit Ewa Karlström, Produzentin u. a. der Filme "Es ist ein Elch entsprungen", "Wilde Kerle"

(Interview zum Film ES IST EIN ELCH ENTSPRUNGEN, zum Film DIE WILDEN KERLE 2 und zum Film DIE WILDEN KERLE)

Ewa Karlström, Jahrgang 1965, geboren in Schweden, kam als Zwölfjährige mit ihren Eltern nach Deutschland. Mit 22 Jahren ging sie nach München, studierte von 1989 bis 1993 Produktion und Medienwirtschaft an der Hochschule für Film und Fernsehen, gründete 1996 mit Andreas Ulmke-Smeaton die Produktionsfirma SamFilm in München, die sich im Family Entertainment mit Filmen wie "Die wilden Kerle 1 + 2" einen Namen gemacht hat. Zur Zeit unseres Gesprächs im September 2005 fanden die Dreharbeiten zu "Wilde Kerle 3" statt und es wurde intensiv an der Postproduktion des Weihnachtsfilms "Es ist ein Elch entsprungen" gearbeitet, der am 3. November im Verleih von Buena Vista International ins Kino kommt.

KJK: Sie gehörten zu den ersten Studenten im 1988 eingerichteten Fach Produktion und Medienwirtschaft an der HFF München. Hat Sie das Fach Regie nicht gereizt?
Ewa Karlström: "Es war ganz klar, dass ich in Richtung Produktion gehe. Vorher hatte ich als Aufnahmeleiterin gearbeitet, Skript und verschiedene andere Jobs beim Film gemacht. Ich hatte zu spät von dem neuen Fach gehört und war deshalb im ersten Jahr 'nur' Gasthörerin, für das Jahr darauf hatte ich mich beworben."

Was war Ihre erste Begegnung mit Film?
"Ich war Runner bei Sönke Wortmanns Abschlussfilm '3 D' und wusste, Film ist mein Zuhause."

Worin liegt Ihre Motivation als Produzentin?
"Es ist die Verbindung vom Kaufmännischen und dem Kreativen. Das ist das Schöne daran. Filme an die man glaubt, letztendlich möglich zu machen – darum geht es ja. Man ist vom ersten Satz, der geschrieben ist, bis hin zu Mischung und Marketing, involviert."

Hat sich das Berufsbild des Produzenten heute verändert?
"Ich kann schwer beurteilen, inwieweit Produzenten früher kreativ eingegriffen haben. Mein persönliches Bild vom Produzenten ist ein anderes als es von außen noch immer gesehen wird. Ich denke, es gibt verschiedene Typen. Manche wollen "nur" finanziell involviert sein. Meiner Meinung nach muss man im Vorfeld herausfinden, wie man zusammenarbeiten will. Es kann eine sehr fruchtbare Zusammenarbeit sein, ich sehe es als Teamwork, wo jeder etwas mit einbringt. Es ist ja schön, dass nicht ein Einzelner das Filmwerk schafft. Je mehr gute Ideen hereinkommen und Visionen umgesetzt werden, umso besser ist das Ergebnis. Es geht um Offenheit gegenüber allen In-puts, ein Zusammenfügen und Verbinden verschiedener Fähigkeiten."

Das setzt gemeinsame Schwingungen voraus ...
"Ja, das ist das Grundlegende, mit den Leuten zusammenzukommen, die gleiche Visionen haben."

Ihre erste Arbeit als Produzentin war der Hochschulfilm "Abgeschminkt" von Katja Garnier, der frischen Wind ins Kino brachte.
"Wir hatten uns auf der Münchner Filmhochschule kennen gelernt, wir von der Produzentenklasse durften aber anfangs nicht die Übungsfilme der Regiestudenten produzieren, wir sollten nur studieren. Katja Garnier ist zu mir mit dem Stoff für einen Kurzfilm gekommen. Ich sagte, ich helfe dir, stelle dir Leute vor, und so produzierten wir letztendlich den Kurzfilm 'Lautlos' (1991). Wir gründeten hierzu zusammen (1991) die Vela-X-Filmproduktion und produzierten Katjas Übungsfilm 'Abgeschminkt!'. Bei ihrem Abschlussfilm 'Bandits' (1996) konnte ich lediglich koproduzieren, weil mein Sohn zur Welt kam."

Die von Ihnen produzierten Filme stehen offensichtlich in enger Beziehung zu Ihrem Leben: Zuerst Filme über junge Frauen, dann über Paarungen ("Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit", 1997) und jetzt Unterhaltung für die Familie. Wie sind Sie an Joachim Masannek und seine "Wilden Kerle" gekommen?
"Wir haben uns an der Münchner Filmhochschule kennen gelernt. Er dachte eigentlich daran, aus seinen Büchern eine Fernsehserie zu machen und kam zu uns. Allein die Beschreibung der einzelnen Charaktere seiner wilden Kerle hatte so viel Esprit, dass wir spontan gesagt haben, wenn's mit dem Fernsehen nicht klappt, machen wir eben einen Kinofilm daraus. Und ab dem Moment lief es."

Hängt das vielleicht mit den bürokratischen Strukturen im Fernsehen zusammen oder sind Kinofilme heutzutage einfacher zu realisieren?
"Es ist ein Vertrauen da, von Verleiherseite her, von den Förderern. Als wir sagten, wir glauben an das Projekt, war es so, als wäre ein Knoten aufgegangen. Man weiß beim Film ja nicht von vornherein, was dabei herauskommt, jeder sucht nach Sicherheiten und es ist zumindest eine kleine Sicherheit, wenn man schon etwas vorweisen kann. Für uns war aber klar, dass die Regie der 'Wilden Kerle' nur bei Joachim liegen kann, auch wenn er bis dahin noch keinen langen Spielfilm gemacht hatte."

Ben Verbong, Regisseur der Sams-Filme, führt bei Ihrer neuesten Produktion, dem deutschen Weihnachtsfilm "Es ist ein Elch entsprungen" Regie – und Ihre Firma heißt SamFilm. Woher der Name?
"Wir suchten einen einfachen Firmennamen, das Wort 'sam' ist Teil von 'zusammen' im Schwedischen. Koproduktion heißt samproduktion."

Sie sind Schwedin ...
"Ja, ich komme aus Gävle, 180 km nördlich von Stockholm."

Was hat Sie als Kind in Schweden geprägt?
"Astrid Lindgren, ganz klar, damit bin ich aufgewachsen. Natürlich auch mit Kinderfernsehen und amerikanischen Filmen."

Liegen Film und künstlerisches Schaffen in der Familie?
"Nein, mein Vater ist Zahnarzt, meine Mutter Heilpraktikerin."

Wann sind Sie nach Deutschland gekommen?
"Ich war zwölf und als Kind findet man sich ziemlich schnell zurecht. Mit 22 ging ich nach München, wusste nicht genau wohin, aber dann war ziemlich schnell klar, dass es Film ist, was ich meine."

Worin besteht die Förderung Ihres Weihnachtsfilms "Es ist ein Elch entsprungen" durch das Kuratorium junger deutscher Film?
"Das Kuratorium hat die Entwicklung des Projektes gefördert, als es noch bei der Firma Madbox lag und es dadurch angeschoben. Die haben es mit dem ZDF entwickelt, kamen aber nicht weiter."

Spielt Ihr zehnjähriger Sohn in Ihren Filmen mit?
"Nein, bei den 'Wilden Kerlen' sind schon die Kinder des Regisseurs und der Hauptdarsteller dabei, da muss nicht auch noch der Produzentensohn mitspielen. Er ist aber unser größter Fan, das ist doch auch schön."

Sind Sie als Produzentin bei den Dreharbeiten anwesend, mischen Sie sich ein?
"Das hängt immer davon ab, wie gut es läuft. Je mehr Probleme es gibt, desto mehr sind wir da. Ich würde sagen, mindestens zwei Tage in der Woche, Muster sehen wir täglich. Wir reden darüber, aber das Meiste liegt vorher schon fest. Wir schauen aber, ob alles stimmt vom Licht her, von den Schauspielern, wie sie rüberkommen, von der Dramaturgie. In der Regel haben wir gute Erfahrungen. Man muss natürlich schauen, ob man alles für den Schnitt hat. Der Cutter schneidet parallel zum Drehen und wir sind in engem Kontakt mit dem Schneideraum."

Sind Sie im Vorfeld, schon beim Casting dabei?
"Casting mache ich sehr intensiv, bin von Anfang an dabei."

Wie hoch ist das Budget für den Film "Es ist ein Elch entsprungen"?
"Etwas über vier Millionen Euro, das ist sehr knapp für diesen Film mit dem animatronischen Elch. Wegen seiner Animation brauchen wir sehr viele Leute und sehr viel Zeit in der Postproduktion."

Der Film ist nach dem gleichnamigen Buch von Adreas Steinhöfel, das über 100.000 Mal in Deutschland verkauft wurde, entstanden. Der Autor schrieb auch das Drehbuch. Kannten Sie das Buch vorher?
"Nein, ich habe es gelesen, als das Projekt von Madbox zu uns kam. Das Drehbuch war schon sehr gut, bekam dann noch einen Feinschliff."

Sind Sie gern auf der Strecke Kinder- und Familienfilm?
"Sehr gerne, aber nicht ausschließlich. Je nachdem, wie die Stoffe sind. Ich will natürlich kommerzielle Filme machen ... Familienfilm heißt ja auch gemeinsam mit den Kindern ins Kino gehen, zusammen etwas erleben, auch Eltern können Spaß im Kino haben."

"Es ist ein Elch entsprungen", der am 3. November 2005 ins Kino kommt, wird als deutscher Weihnachtsfilm annonciert.
"Ja, das ist ja noch einmal etwas anderes als amerikanische Filme. Die Vorstellung, einen richtigen Weihnachtsfilm mit europäischer Identität zu machen, hat uns gereizt. Hier können sich die Kinder wieder finden, auch vom Thema her, von den Gefühlen, von der Mentalität."

Haben Sie auch Zeit, gemeinsam ins Kino zu gehen?
"Ja, wir gehen sehr gerne zusammen ins Kino. Das ist schön. Und Kinder sind ein dankbares Publikum. Mit den 'Wilden Kerlen' zum Beispiel ist ein richtiger Kult entstanden. Wir bekommen täglich Briefe, die Kinder warten auf den nächsten Film, sie sprechen wie die wilden Kerle, ziehen sich an wie sie und sehr viele Kinder darf man nur mit Leon oder Vanessa ansprechen ..."

Interview: Christel Strobel / Gudrun Lukasz-Aden

 

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