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Ausgabe 106-2/2006

KOMM, WIR TRÄUMEN!

Leo Hiemer Filmproduktion; Deutschland 2004 – Regie: Leo Hiemer – Buch: Volker Jehle, Leo Hiemer – Kamera: Marian Czura – Musik: Cathedrals – Darsteller: Anna Brüggemann, Julian Hackenberg, Jockel Thiersch, Beata Lehmann, Monika Schubert – Länge: 93 Min. – FSK: o. A., ffr – Verleih: Leo Hiemer, www.komm-wir-traumen.de – Altersempfehlung: ab 14 J.

Was passiert, wenn sich eine junge Frau, die geistig behindert ist, und ihr Zivi ineinander verlieben? Die Frage, die Regisseur Leo Hiemer in seinem Film "Komm, wir träumen!" stellt, ist umso spannungsreicher, da die Auseinandersetzung mit Themen wie diesem fast keine Öffentlichkeit hat.

Nach einem autobiografischen Roman von Volker Jehle erzählt Leo Hiemer von Ulrike, die sich nicht in die "normale" Welt einzuordnen vermag und den Alltag durch ihre unbändige Emotionalität "stört", was in wilden Anfällen zum Ausdruck kommt. Eckart, der die Werkstattgruppe, zu deren Beschäftigten auch Ulrike gehört, als Zivildienstleistender übernimmt, wird von genau dieser inneren Absolutheit fasziniert. Bei seinem Versuch, Ulrikes Vertrauen zu gewinnen, kommt er ihr so nahe, dass die Grenzen zwischen professioneller Zuwendung, Freundschaft und Liebe langsam verschwimmen. Während Eckart unablässig mit sich und seinen Emotionen kämpft, konzentriert Ulrike ihre Gefühle mit der ihr eigenen Leidenschaft ganz auf ihn. Doch bevor sich aus der gegenseitigen Faszination tiefere Gefühle entwickeln, kündigt sich mit dem Einfluss der gesellschaftlichen Konventionen und Eckarts eigenem Zweifeln bereits das Ende dieser entstehenden Liebe an. Auf einem Ausflug der Werkstattgruppe eskaliert die Situation zwischen Ulrike, Eckart und dessen Kollegin, die ihm noch dazu ebenfalls eindeutige Avancen macht. Nachdem diese die beiden gemeinsam im Bett erwischt hat, wird Ulrike in ein anderes Heim verlegt und Eckart quittiert seinen Dienst. Ein Ausgang, der den Erwartungen unserer Gesellschaft entspricht.

Aus Nähe wird wieder Distanz, und was übrig bleibt, ist der Zweifel, sich selbst und den eigenen Gefühlen im Weg zu stehen.

Leider vermag "Komm, wir träumen!" auf der filmästhetischen Seite weniger zu überzeugen. Die episodenhafte Erzählstruktur bremst die Liebesgeschichte zuweilen eher, anstatt sie in ihrer Entwicklung zu fördern. Zu gewollt poetisch sind einige Dialoge zwischen dem verliebten Paar, so dass sie dadurch an Authentizität verlieren. Dennoch, unvergesslich bleiben einzelne Szenen der wortlosen, behutsam erkundenden Zärtlichkeit zwischen dem mit sich und seinen Grenzen kämpfenden Paar. Augenblicke, deren Hitze und Intensität man auch als Zuschauer spürt. Das Potenzial des Films liegt in diesen Momenten, in denen jeder Zuschauer seine eigenen Grenzen in der Auseinandersetzung zwischen Normalität und Konvention wiederfindet.

Kati Struckmeyer

 

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KJK-Ausgabe 106/2006

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