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Ausgabe 106-2/2006

LAPISLAZULI – IM AUGE DES BÄREN

Produktion: Dor Film, Österreich; Dor Film-West, Krebs & Krappen, Deutschland; Samsa Film, Luxemburg – Österreich / Deutschland / Luxemburg 2005 – Regie: Wolfgang Murnberger – Drehbuch: Volker Krappen, Wolfgang Murnberger – Kamera: Fabian Eder – Schnitt: Britta Nahler – Darsteller: Julia Krombach (Sophie) – Clarence John Ryan (Bataa) – Hans-Werner Meyer (Tom) – Lena Stolze (Christine) – Christoph Waltz (Czerny) – Vadim Glowna (Einsiedler) u. a. – Länge: 106 Min. – Farbe – Verleih: Twentieth Century Fox of Germany – Altersempfehlung: ab 8 J.

Ein Meteorit schlägt in den Hochalpen in einen Gletscher ein und taut den Neandertalerjungen Bataa zu neuem Leben auf. Diesem begegnet die zwölfjährige Sophie auf ihrer nächtlichen Flucht vor dem aufgezwungenen Urlaubsidyll mit der neuen Familie. Nach anfänglichen Verständigungsschwierigkeiten und allen Unterschieden zum Trotz werden sie zu Freunden und helfen einander. Bataa kennt sich in der Natur aus, Sophie beschützt ihn vor den beiden Museums-Wissenschaftlern, die mit einem Betäubungsgewehr Jagd auf ihn machen. Mit Hilfe des Einsiedlers finden Sophie und Bataa den Eingang zu der Höhle, in der er die "Reise" zu seinen Ahnen antreten will – aber ohne sein Bärenfell kann Bataa die rituelle Zeremonie nicht vollziehen. Sophie will Bataa nicht verlieren und nimmt ihn mit in die Stadt, angeblich zu seinem Bärenfell. Doch der Weg in die lärmige Zivilisation und Grippebazillen machen Bataa todkrank. Die Zeit drängt und Sophie muss eine Entscheidung treffen.

Zeitreisen und Neandertaler sind alte Bekannte im (Kinder-)Film. Bei "Lapislazuli – Im Auge des Bären" geht es aber nicht primär um fremde, exotische Welten (es sei denn, man möchte die wunderschön in Szene gesetzten Alpen des Zillertals als solche verstanden wissen) oder um das komische Potenzial aus dem Zusammenprall von Urmensch und neuzeitlicher Zivilisation. "Lapislazuli – Im Auge des Bären" erzählt in erster Linie Sophies Geschichte, ihren Reifeprozess.

Sophie vermisst ihre verstorbene Mutter schmerzlich und will bzw. kann deshalb die neue Patchworkfamilie mit Stiefmutter und kleiner Schwester nicht akzeptieren. Sophies und Bataas gegensätzliche Lebenswelten sind geprägt durch den Verlust von und die Sehnsucht nach "Mmallamm", nach Familie und Geborgenheit. Diese Gemeinsamkeit verbindet die beiden und verändert Sophies Haltung. Stehen anfangs noch kindlich egoistische Bedürfnisse an oberster Stelle, so lernt sie durch Bataa verantwortungsvoll zu handeln. Ein letztes Mal gibt sie ihren selbstsüchtigen Motiven nach, als ihr klar wird, dass sie mit Bataas "Reise" den Freund verliert: Sie lügt ihn an, um ihn für sich zu behalten. In Konsequenz wird Bataas Zustand lebensbedrohlich. Dadurch lernt Sophie ihre Lektion: Loszulassen und die Dinge zu akzeptieren. Damit tut sie nicht nur für Bataa das Richtige, sondern öffnet sich endlich und vor allem auch ihrer neuen Familie und ihrem Leben.

Regisseur Murnberger, bekannt für Schwarzhumorig-Abgründiges ("Komm süßer Tod", "Silentium"), liefert mit "Lapislazuli – Im Auge des Bären" ein solides Kinderfilmdebüt. Die frischen, teilweise ironischen Dialoge entschädigen für die mitunter vorhersehbar angelegten Figuren, die bis in die Nebenrollen ebenso prominent wie treffend besetzt sind. Kaum zu erkennen: Vadim Glowna als zotteliger Einsiedler mit spirituellem Durchblick.

"Lapislazuli – Im Auge des Bären" ist zweifelsohne ein spannender Abenteuerfilm. Die Gefahr durch den skrupellosen, leicht trotteligen Wissenschaftler "Onkel Heckl", die Suche nach der magischen Höhle und dem Bärenfell, Bataas Wettlauf gegen die Zeit: All das ist tempo- und actionreich und auch nicht ohne Humor inszeniert. Kinder werden den geheimnisvollen Neandertaler samt Bärenfalle und gruseliger Eishöhle lieben.

Ulrike Seyffarth

 

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